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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Seifenwurzel; Seignettesalz; Sekt; Selen

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Seifenwurzel - Selen

füllt man in Formen, wo er erkaltet und austrocknet. -

Transparentseife, einst ein geschätzter Toilettearikel, wird erhalten, wenn gute S. in gelinder Wärme in Weingeist gelöst, das Überschüssige wieder abdestilliert und die weiche Masse in Formen zum Erkalten ausgegossen wird. Sie erstarrt zu einer anfänglich trüben Masse, die erst nach Wochen die gewünschte Durchsichtigkeit annimmt. -

Zoll: Gemeine weiche Schmier- oder Kaliseife s. Tarif Nr. 31 a; feste S. in Riegeln Nr. 31 b; S. in Täfelchen, Kugeln etc., sowie alle parfümierten S. Nr. 31 c. - Mit Kalk, Magnesia, Bleioxyd u. dgl. vermischte S., welche nur in Apotheken, z. B. bei der Pflasterbereitung Verwendung finden, sind zollfrei.

Seifenwurzel (Radix Saponariae rubrae); ein Artikel des Droguenhandels, kommt vom gemeinen Seifenkraut (Saponaria officinalis), einer ausdauernden, durch das ganze mittlere und südliche Europa auf Wiesen, in Gebüsch, besonders gern auf Sandboden in der Nähe von Wasser wachsenden Pflanze, die zur Familie der nelkenartigen Gewächse (Caryophylleen) gehört und mit gefüllten Blüten auch in Gärten gehalten wird. Die Wurzeln oder Ausläufer werden im Herbst oder Frühjahr von nicht zu jungen Pflanzen gesammelt. Sie sind strohhalm- bis federkieldick, außen braunrot, innen gelblich weiß. Die Wurzel schmeckt beim Kauen süßlich schleimig und dann kratzend; der wäßrige Auszug der Wurzel ist dickflüssig und schäumt beim Schütteln ganz wie eine Seifenlösung.

Der hauptsächlich schaumgebende und kratzend schmeckende Stoff heißt Saponin, eine eigenartige, zu den Glucosiden gehörige Substanz, die sich mit Weingeist ausziehen läßt und dann eine weiße unkristallinische Masse bildet, die gepulvert stark zum Niesen reizt. Auch das Kraut der Pflanze enthält diesen Stoff, aber in geringerer Menge. Die Wurzel hat einige medizinische Verwendung. Technisch und in der Hauswirtschaft benutzt man Absude der S. wie eine milde Seifenlösung in Fällen, wo wirkliche Seife den Farben schaden würde, für Seidenwaren, Spitzen, Shawls und andre zarte Gewebe. Die Handelsware für Mitteldeutschland kommt hauptsächlich aus Thüringen, wo sie stark angebaut wird. Man verkauft das Kilo getrockneter Wurzel mit 1 Mk.

Wohlfeiler und daher eines stärkern technischen Verbrauchs als Waschmittel, namentlich für Woll- und Schafwäsche fähiger, bietet sich das Saponin in zwei ausländischen Waren dar, der Quillajarinde (s. d.) und der levantischen oder ägyptischen S. (radix saponariae levanticae), die daher auch in neurer Zeit, namentlich die erste, in verstärktem Maße zugeführt werden. Diese letztere Wurzel, von bedeutender Dicke, kommt von Gypsophila Struthium, auch einer Caryophyllee, die in der Levante und wie es scheint auch in Ungarn wächst oder hier gezogen wird. Die levantische Ware wird hauptsächlich in der Gegend von Smyrna gesammelt und über Triest eingeführt; ein andrer Teil kommt von Ungarn. Sie bildet 3-4½ dm lange Stücke, außen graugelb oder bräunlich, stark längsrunzlig und furchig; die innere Farbe ist gelblichweiß. Öfter ist die Ware schon in Scheiben geschnitten. Die ungarische Wurzel ist nur fingerdick oder in dünne Scheiben geschnitten, weiß und sehr leicht; sie hat vielleicht auch einen andern Ursprung als die levantische. Die ungarischen und levantischen Wurzeln haben wie die Quillajarinde nur technische Verwendung; man pflegt sie im Handel auch, der roten gegenüber, als weiße zu bezeichnen. Früher wurden unter dem Namen weiße S. auch die Wurzeln von Lychnis diurna und L. vespertina verkauft; sie haben nur einen geringen Saponingehalt und sind jetzt außer Gebrauch. - Zollfrei.

Seignettesalz, nach seinem Erfinder in Rochelle so benannt, daher sonst auch Rocheller Salz, ist ein Doppelsalz aus Weinsäure und den beiden Basen Kali und Natron, also weinsaures Natronkali oder Natronweinstein (Tartarus natronatus, Natrokali tartaricum, Kali tartaricum natronatum) und wird aus Weinstein (s. d.) und Soda (kohlensaurem Natron) bereitet. Das weinsaure Kali oder der Weinstein ist ein saures Salz mit doppelt so viel Säure als das einfach weinsaure Kali; der zweite Säureanteil vermag noch einen Anteil Basis aufzunehmen; ist diese Basis ebenfalls Kali, so entsteht das einfache weinsaure, wird statt dessen Natron gegeben, so erhält man das eingangs genannte Salz.

Man bereitet dasselbe durch Auflösen von reinem kohlensauren Natron (kristallisierter Soda) in der geeigneten Menge Wasser und Zusetzen von Weinstein, bis kein Entweichen von Kohlensäure mehr stattfindet. Die filtrierte Lauge wird im Dampfbade bis zu einem passenden Grade der Konzentration abgedunstet und dann zum Auskristallisieren längere Zeit hingestellt. Es bilden sich schöne große und ansehnliche Kristalle, wasserhelle rhombische Säulen, die ohne oder bei nur ganz gelinder Wärme getrocknet werden, damit sie nicht undurchsichtig werden.

Das Salz schmilzt in der Wärme in seinem Kristallwasser, ist aber sonst ziemlich luftbeständig. Das Salz, welches schon in sehr wenig Wasser löslich ist und einen milden salzigen Geschmack hat, ist offizinell und wird als ein kühlendes, gelinde abführendes Mittel verordnet. - Zollfrei.

Sekt (von secco, trocken), Trockenbeerwein, heißen die Weine von Trauben, die man nach der Reife hängen läßt, bis Sonne und Luft den Wassergehalt bis ungefähr zur Hälfte verdunstet haben. Solche Weine sind reich an Zucker und doch auch stark an Alkoholgehalt. Man rechnet dahin den Xeres, den Peralta, Malagawein und den Kanariensect. Oft wird auch der Schaumwein oder Champagner mit dem Namen S. belegt. - Zoll s. Tarif im Anh. Nr. 25 e 1. u. 2.

Selen (Selenium), ein, seinen Eigenschaften nach, dem Schwefel am nächsten stehendes Element, welches sich jedoch in der Natur in weit geringerer Menge als dieser findet; die Mineralien, in denen es einen Bestandteil bildet, sind: Selenblei oder Clausthalit, Selensilberblei oder Naumannit, Selenkupferblei oder Zorgit, Selenkupferthallium oder Crookesit, Selenkupfersilber oder Enkairit, Selenkupfer oder Berzelin, Selenquecksilber oder Tiemannit und Selenqueck-^[folgende Seite]