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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Topas; Töpferwaren

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Topas - Töpferwaren

Diese Kerne sind unähnlich einer Bohne, ziemlich schlank und etwas gekrümmt, bei 4-5 cm Länge 9-12 mm breit, mit einer dünnen, schwarzen, fettglänzenden, netzähnlich gerunzelten Samenhaut überzogen, indes das aus den beiden Samenlappen bestehende Innere hellbraun ist. Der Geruch ist sehr angenehm nach Waldmeister.

Diese Sorte ist die gewöhnliche in unserm Handel und wird als holländische bezeichnet; es gibt indes noch eine zweite Sorte, die englische genannt, welche von der Baumart Dipteryx oppositifolia kommt, aus kleinern Kernen besteht, die auf dem Bruche weiß, im übrigen aber nicht wesentlich von der vorigen verschieden ist. Früher kamen die Bohnen nur aus Guiana, und zwar die erste Sorte aus dem holländischen, die andre aus dem englischen Anteil; gegenwärtig aber bildet in den Preislisten Angostura die Prima-, Para die Sekundasorte. Von der guten Ware wird verlangt, daß sie recht schwarz, nicht braun aussieht und reich kristallisiert ist.

Es sondert sich nämlich wie bei den Vanilleschoten die riechende Substanz, wenn sie reichlich vorhanden ist, allmählich von der Kernmasse ab, hier aber nicht auf der Außenfläche, sondern zwischen den beiden Samenlappen, wo sie kleine weiße Schüppchen bildet. Diese Substanz ist das Cumarin oder der Tonkakampfer, das sich durch Weingeist den zerkleinerten Bohnen ganz entziehen läßt und aus der Lösung in harten, farblosen Säulchenkristallen anschießt, welche den Geruch der Bohnen so stark verbreiten, daß das Gehirn unangenehm davon affiziert wird. Derselbe Riechstoff findet sich in geringerer Menge noch mehrfach in der Natur vor, so im Waldmeister, der zur Würze des Maiweins dient, im Wiesenruchgras, hier als melilotsaures Cumarin, welches das frische Heu parfümiert, im Steinklee, in der Rinde der wohlriechenden Weichsel etc.

Für den praktischen Gebrauch wird das Cumarin nicht isoliert dargestellt, sondern man bedient sich je nach Umständen der gepulverten Bohnen oder weingeistiger Auszüge daraus. Mit dem Pulver parfümiert man Schnupftabak und nimmt es als einen Bestandteil zu Riechkissen; die Auszüge verwendet man zu Tabakssaucen und Taschentuchparfüm, zum Tränken von Pfeifenrohren aus Kirschholz, die als Weichsel gelten sollen, zu Maitrankessenz. Das Kilo Bohnen guter Qualität kostet gewöhnlich 6 Mk. - T., auch gepulvert, zollfrei, der weingeistige Extrakt daraus gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a.

Topas (frz. topaze; engl. Topaz), ein Schmuckstein von nicht seltenem Vorkommen, der aber wegen seines Glanzes und hoher Politurfähigkeit doch beliebt ist und viel zu Ringsteinen, Ohr- und Armschmuck verarbeitet wird, in schönen Exemplaren auch hohe Preise erlangt. Der Stein hat seinen Namen von einer Insel im Roten Meer, welche im Altertum Topazos hieß und wo derselbe gegraben wurde. Seine Bestandteile sind Kieselsäure, Thonerde und Fluor, die Härte ist = 8, das spezifische Gewicht 3,4-3,6.

Am Ural finden sich Topaskristalle von ausgezeichneter Schönheit in Graniten, am Schneckenstein in Sachsen in einer besondern Felsart, dem Topasfels, einem Gemenge von Quarz, Turmalin und Topas, in dessen zahllosen größeren und kleineren Höhlungen die Topas- und Quarzkristalle an den Wänden sitzen. Der Abbau ist jedoch eingestellt. Die Färbungen des T. sind sehr verschieden, weingelb, honiggelb, hyazinthrot, violblau, grünlich, bläulich, rosa und ganz farblos. Die verschiednen Farben kommen jedoch nicht durcheinander, sondern einigermaßen geographisch verteilt vor. Die Hauptfarbe ist weingelb. Die Kristalle des T. sind vier- oder achtflächige Säulen des rhombischen Systems, zuweilen von beträchtlicher Größe.

Im Grünen Gewölbe zu Dresden finden sich sächsische Steine von 9 cm Länge und 4½ cm Breite; brasilianische haben zuweilen 26 cm Länge und von Sibirien hat man welche, die über 15 kg wiegen. Brasilien liefert aus verschiednen Provinzen die schönsten gelben Steine, feurig goldgelb, orange und rein gelb, ferner blaue, rote von blaßrot bis dunkelkarminrot und ganz farblose. In Sibirien finden sich grüne, blaue, violette, gelbe und weiße Steine von großer Reinheit und schönstem Feuer. Bei ihrem Reichtum an Farben müssen die Topase natürlich oft andern Edelsteinen ähnlich sein und werden dann leicht für solche ausgegeben, namentlich für Saphire und Rubine. Die farblosen, die sog. Wassertropfen, können im geschliffenen Zustande leicht für Diamanten passieren, sind aber an ihrer geringeren Härte, am spezifischen Gewicht und der doppelten Refraktion zu erkennen, indem man durch die Schleifkanten hindurch betrachtete Gegenstände, z. B. eine Lichtflamme, doppelt sieht. Eine Eigenheit des Steins ist es auch, daß er durch Reiben stark elektrisch wird.

Die brasilischen gelben Steine lassen sich durch einen Glühprozeß in rosarote verwandeln, ohne an Glanz und Feuer einzubüßen. Man setzt sie entweder mit Asche in einen Tiegel, den man zum Rotglühen bringt, oder wickelt sie einfach in Feuerschwamm, umwindet das Bällchen mit Draht und zündet es an. Je tiefer das Gelb war, desto heller wird das Rot, öfter bis Weinrot, in welchem Falle sie dann den Balasrubinen ähnlich sind. Die sächsischen gelben Steine brennen sich nicht rot, sondern verlieren hierbei ihre Farbe gänzlich. - Zoll: s. Edelsteine.

Töpferwaren, gewöhnliche, sind die geringsten und wohlfeilsten Thongeschirre, die wegen ihres fortwährenden großen und allgemeinen Verbrauchs auch überall erzeugt werden und Reisespesen nach entfernten Märkten nicht tragen können. Man benutzt dazu die häufig vorkommenden, meist nahe der Oberfläche liegenden, aus Fluten angeschwemmten Thone, die immer kalk- und eisenhaltig sind und daher keine scharfe Brennhitze vertragen, weil sie darin erweichen würden. Die gebrannte Masse ist daher auch von geringer Festigkeit und Haltbarkeit, porös und erdig, vom Eisen gelblich bis braun gefärbt. Die Geschirre daraus haben bei manchen Mängeln gerade wegen dieser Beschaffenheit doch das Gute, daß sie selbst sehr starken Temperaturwechsel gut vertragen, daher ohne weiteres dem Feuer ausgesetzt werden können. Die Töpferthone werden nicht mit so vieler