Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Viehhandel

603

Viehhandel - Viehhandel

Verabredung, innerhalb der gesetzlichen Zeit gehaftet werden, dem Käufer bleibt es aber unbenommen, sich auch noch durch besondern Vertrag die Haftbarkeit für Andres oder die Garantie für bestimmte Leistungen auszubedingen, doch muß dann der Vertrag schriftlich abgeschlossen werden. Die gesetzliche Gewähr beginnt entweder sofort mit der Übergabe oder erst am Tage darauf; sie fällt weg bei Zwangsversteigerung, bei erbrachtem Beweis, daß der Käufer die Fehler etc. gekannt habe und wenn der Verkäufer sich kontraktlich die Freiheit von der Gewähr ausbedingt. - Die Hauptmängel bei Pferden, Eseln, Maultieren und Mauleseln sind: schwarzer Star (Schönblindheit), Koppen, Rotz, Hautwurm, Dampf (Herzschlechtigkeit), Koller, Fallende Sucht (Epilepsie), Mondblindheit, Räude, Stättigkeit; bei Rindern: Perlsucht (Zäpfigkeit), Vorfall, Lungensucht, Fallende Sucht, Lungenseuche, Räude; bei Schafen: Räude, Fäule (Anbruch), bösartige Klauenseuche, Pocken; bei Schweinen: Finnen, Lungenwurmkrankheit und Lungentuberkeln. Die für Rindvieh gefährlichste Krankheit, die Rinderpest, kommt im Deutschen Reich insofern nicht in Betracht, als damit behaftete Tiere nach Reichsgesetz sofort gekeult werden müssen und gar nicht über die Grenze dürfen, die Einschleppung also strafbar ist, oder, im Falle sie unwissentlich erfolgte, das Reich dem Viehkäufer die Schadloshaltung gewährt. Die Rinderpest ist dem russischen Steppenvieh eigentümlich; es wird deshalb die Vieheinfuhr von dorther in die Nachbarstaaten und anderwärts scharf überwacht oder ganz verboten, ebenso aus Ländern, welche in Verdacht stehen, nicht vollkommen frei davon zu sein. Anderwärts hat man Quarantäne, Kontumazanstalten, eingeführt und darf das Vieh nach eingehaltener Zeit nur auf bestimmten Straßen und nur unter polizeilicher und tierärztlicher Überwachung eingeführt werden. Für das Reich ist ein umfassendes Viehseuchengesetz vom 1. Januar 1881 an in Kraft getreten. In allen Ländern gibt es besondere Gesetzgebungen hinsichtlich der Viehseuchen und des Viehhandels. Das Vieh wird jetzt meistens auf Eisenbahnen befördert und unterliegt hier wieder besondern Bestimmungen für den Transport, Desinfektion der Wagen etc. Es kann wie andre Wertgüter gegen Unfall versichert werden. -

Für England, welches den größten Viehstand, der landwirtschaftlich benutzten Fläche nach, unter allen Ländern der Welt hat, ist die Zufuhr von Vieh, Fleisch und Fleischwaren in immer großartigerem Grade notwendig geworden und war deshalb die Frage, lebendes Vieh aus überseeischen, billig erzeugenden Ländern beziehen zu können, eine überaus wichtige, nicht minder wichtig auch für die Züchter in überseeischen Ländern hinsichtlich des Bezugs des wertvolleren europäischen Zuchtmaterials.

Die Amerikaner und die Australier, welche die besten Bedingungen zu einträglicher Viehzucht haben, legen zur Zeit die höchsten Preise für ausgezeichnete Zuchttiere an, da sie ihre Herden möglichst rasch vervollkommnen wollen. Abgesehen von Luxuspferden, oder auch von guten Nutzpferden, für welche in England und selbst in Deutschland ebenfalls großartige Summen angelegt werden, gilt dies besonders von Shorthorn-Rindern aus England, von welchen hervorragende Zuchttiere neuerdings schon bis 300000 Mk. bezahlt worden sind, und von feinwolligen Schafen, von welchen, in Australien wenigstens, ausgezeichnete Widder oder Mütter bis 30000 Mk. lösten. In England selbst kennt man Preise von 10000 Mk. und darüber für wertvolle Bullen oder Kühe, in Deutschland mindestens schon solche bis über 1000 Mk., während sonst die wertvollsten Kühe selten über 500 Mk. lösen. - Die ersten Versuche mit Seetransport fielen unglücklich aus, die Sterbefälle waren zu groß und die Tiere litten zu stark; jetzt ist es gelungen, besondere Schiffe dafür zu bauen, durch welche der Transport ein regelmäßiger geworden ist, sodaß jetzt überallhin Vieh, und selbst Schlachtvieh, mit angemessenen Kosten verfrachtet werden kann. Die französische Militärverwaltung bezieht seit einigen Jahren Pferde aus Amerika zu geringeren Preisen als bisher; die jüngste Leistung derart ist ein größerer Transport von Straußen zur Zucht für Brasilien aus dem Kapland, von welchen nur wenige Tiere unterwegs zu Grunde gingen. Für Menagerien und zoologische Gärten hat man schon längst, mit großen Kosten freilich, lebende Tiere aus allen Weltteilen bezogen. - Im Jahre 1879 führten die Vereinigten Staaten von Nordamerika im ganzen aus:

^[Liste]

4153 Maulesel zum Werte von 500989 Doll.

3915 Pferde " " " 770742 "

136770 St. Rindvieh " " " 8379200 "

215680 Schafe " " " 1082938 "

75129 Schweine " " " 700742 "

sonstiges Vieh " " " 23623 "

: 11458234 Doll.

Deutschland kommt damit fast gar nicht in Betracht. - Die Durchschnittspreise in Amerika im gleichen Jahre waren: für Pferde 54,75, für Maulesel 61,26, für Kühe 23,27, für Ochsen und andres Rindvieh 16,1, für Schafe 2,21, für Schweine 4,28 Doll. - Die großartigste Einfuhr zeigt England; von 1843-1881 hat sich die Einfuhr von lebendem Vieh vermehrt (Ausfuhr fast nur mit Zuchtvieh):

^[Liste]

in Rindern von 745 auf 282691 Stück

" Kälbern " 22 " 36683 "

" Schafen " 110 " 935241 "

" Schweinen " 183 " 242730 "

" Pferden " ? " etwa 18000 Stück (Ausfuhr 3000).

Die Versandtkosten aus Amerika bezifferten sich für ein Rind früher durchschnittlich zu 140 Mk. nach England; in lebendem Vieh kostet jetzt 1 kg in Amerika ab Hafen bis 103 Pf., loco England 162 Pf. Coloradoochsen kosten dort 17 Mk., Texasochsen 71 Mk., Shorthorns in den Hafenplätzen 410 Mk,; die höchsten Preise im Durchschnitt sind 496 Mk.; die Fracht nach England rechnet man neuerdings zu 50-95 Mk. für Ochsen, für Schweine mit 10 Mk.; loco Liverpool gelten amerikanische Schweine 50 bis 55 Mk. pro Stück. - Deutschlands auswärtiger