Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

0127

Sparta (Herzog von) – Spat

Sparta, Herzog von, Titel des Kronprinzen Konstantin (s. d.) von Griechenland.

Spartăkus, ein Thraker, Anführer der aufständischen röm. Gladiatoren im Sklavenkrieg, entfloh mit etwa 70 Gladiatoren, Thrakern und Galliern, 73 v.Chr. aus der Übungsschule eines Lentulus in Capua und setzte sich am Vesuv fest. Durch viele Flüchtlinge verstärkt, gewann er bald Campanien und einen Teil Lucaniens und Bruttiums. Aber die verschiedenen Elemente, aus denen seine Scharen zusammengesetzt waren, erschwerten deine einheitliche Führung; 72 trennte sich ein Teil unter Crixus, einem Gallier, und wurde am Berge Garganus in Apulien vernichtet. S. selbst hatte unterdessen den Apennin überschritten und schlug die Konsuln Gnäus Lentulus und Gellius. Schon stand er am Fuße der Alpen, als die Seinen ihn nötigten, zurückzukehren. An Rom vorbei zog er wieder nach Lucanien. Jetzt wurde dem Marcus Licinius Crassus, als Prätor, der Befehl über das Heer gegen S. gegeben. S. erlitt auch von Crassus selbst eine Niederlage und zog sich in die südlichste Spitze Bruttiums zurück. Er wollte von hier aus nach Sicilien eine Abteilung überführen lassen, um den Aufstand auch dort anzufachen, ward aber von den dazu bezahlten Piraten verräterisch im Stich gelassen. Crassus schloß ihm nun durch einen Wall, der die bruttische Landspitze absperrte, vom übrigen Italien ab. Doch S. schlug sich in einer kalten Nacht des Winters 72/71 v.Chr. durch. Aber wiederum verließ ihn ein Teil der Seinen, Gallier und Germanen, und fand seinen Untergang. S. nahm eine feste Stellung bei Petelia im bruttischen Gebirge, wurde aber durch seine Truppen zur Entscheidungsschlacht genötigt und fand dabei den Tod. Mit ihm fiel der größte Teil seines Heers; 6000 Gefangene ließ Crassus längs der Appischen Straße ans Kreuz schlagen, den Rest vernichtete Pompejus in Norditalien. – Vgl. Hartwig, Der Sklavenkrieg des S. (Programm, Meiningen 1894).

Sparteīn, C15H20N2, ein Alkaloid, das im Besenginster (s. Sarothamnus) vorkommt. Frisch bereitet ist es ein farbloses, dickflüssiges Öl von schwachem, anilinähnlichen Geruch. Es siedet bei 288°, löst sich etwas in Wasser mit alkalischer Reaktion. Das krystallisierte schwefelsaure Salz wird bei Herzaffektionen gegeben.

Spartel, Kap (span. Cabo Espartel, arab. Ras Ischberdil), Nordwestspitze Afrikas, Vorgebirge (314 m) an dem Westeingang der Straße von Gibraltar; im Altertum Cotes oder Ampelusia Promontorium.

Sparten (Spartoi), s. Kadmos.

Spartĕrie (frz.), s. Holzgewebe.

Sparti, griech. Stadt, s. Sparta.

Spartiāten, s. Sparta.

Spartĭum L., Pflanzengattung aus der Familie der Leguminosen (s. d.), Abteilung der Papilionaceen, mit nur einer Art, S. junceum L. (Mittelmeerländer und Canarische Inseln), einem vielfach als Zierpflanze kultivierten Strauch mit fast blattlosen Zweigen und ansehnlichen gelben Blüten. Die widerstandsfähigen jungen Zweige dienen in Südeuropa zum Flechten von Körben, Matten u.dgl. und zur Herstellung von Tauen, Besen, Schuhen u.s.w. – Über S. scoparium L. s. Sarothamnus.

Spartivento, Kap, im Altertum Herculis promontorium, die Südspitze Calabriens und des ital. Festlandes im Ionischen Meere. ↔

Spartogras, s. Esparto.

Sparversicherung, auch Sparkassenversicherung, die Einrichtung, bei der durch jährliche gleichbleibende Einzahlungen mit Zinsen und Zinseszinsen innerhalb einer bestimmten Frist ein bestimmtes Kapital gesammelt wird. Will z.B. jemand ein Kapital von 1000 M. in 10 Jahren durch ganzjährige gleiche Zahlungen erwerben, so hat er bei dreiprozentiger Verzinsung jährlich 84,70 M., will er dasselbe Kapital in 30 Jahren ansammeln, so hat er jährlich 20,40 M. einzuzahlen. Im Wesen hat die Einrichtung mit der Versicherung nichts gemein; es handelt sich lediglich um regelmäßige periodische Kapitalanlagen auf bestimmte Zeit.

Spasma oder Spasmus (grch.), Krampf (s. d.); Spasmus faciālis, s. Mimischer Gesichtskrampf; Spasmus glottĭdis, s. Kehlkopf; Spasmus nutans, s. Nickkrämpfe; spasmātisch, mit dem Krampfe behaftet, auf Krampf bezüglich; spasmōdisch, krampfartig, krampfhaft, krampfstillend.

Spassk (spr. ßpa-). 1) Kreis im südl. Teil des russ. Gouvernements Kasan, links der Wolga und Kama, hat 5977,7 qkm, 187077 E., darunter Tartaren (32), Tschuwaschen (6) und Mordwinen (5 Proz.); Ackerbau und Viehzucht, Fischfang, Hausindustrie und 17 Fabriken. –

2) Kreis im östl. Teil des russ. Gouvernements Rjasan, von der Oka durchschnitten, hat 4384,3 qkm, 165180 E., wenig Ackerbau, Hausindustrie und 38 Fabriken. –

3) Kreis im nordöstl. Teil des russ. Gouvernements Tambow, im Gebiet der Wada und Wyscha (beide zur Mokscha gehend), hat 4066,2 qkm, 132 730 E., darunter Mordwinen (45), Meschtscherjaken (8), Tartaren (3 Proz.); Ackerbau, Teersiederei, Anfertigung von Holzwaren und 15 Fabriken. –

4) Kreisstadt im Kreis S. 1, and der Bjesdna, unweit ihrer Mündung in die Wolga, hat (1893) 2387 E., Post, Telegraph, Kirche, Stadtbank, Flußhafen mit bedeutendem Umsatz von Getreide, Mehl, Graupen, Leinsamen. –

5) Kreisstadt im Kreis S. 2, am See S. im Thal der Oka und an der Eisenbahn Moskau-Kasan, hat (1893) 4647 E., Post, Telegraph, 3 Kirchen, Stadtbank; Fischfang, Getreide- und Viehhandel. –

6) Kreisstadt im Kreis S. 3, am Studenez, hat (1893) 7249 E., Post, Telegraph. 4 Kirchen, Stadtbank; Handel mit Getreide, Hanf, Leinsamen, Wolle und Leder.

Spat, uralte Bezeichnung der Bergleute für Mineralien, die sich durch sehr deutlich hervortretende Spaltbarkeit auszeichnen; der Name kommt jetzt nur noch in Zusammensetzungen vor, z.B. Feldspat, Kalkspat, Schwerspat, Spateisenstein u.s.w.

Spat, eine Krankheit des Pferdes, die in einer Entzündung der Knochenhaut an der Innenseite des Sprunggelenks besteht und ein charakteristisches Lahmgehen des betreffenden Hinterfußes hervorruft. In der Regel führt die Entzündung der Knochenhaut zu einer Auftreibung des Sprunggelenks an der bezeichneten Stelle (Spaterhöhung, sichtbarer S. im Gegensatz zu dem nichtsichtbaren S.). Charakteristisch für S. ist, daß die damit behafteten Pferde im Anfange der Bewegung stärker lahm gehen als später, ja, daß die Lahmheit bei der Bewegung oft vollständig verschwindet. Die Spatprobe wird in der Weise angestellt, daß man bei dem zu untersuchenden Pferde den betreffenden Hinterfuß 1–2 Minuten wie zum Beschlage aufhalten und das Pferd selbst hierauf im Trabe wegführen läßt. Spatlahme Pferde gehen bei dieser Untersuchungsweise erheb-