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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

Schlagworte auf dieser Seite: Flüssige und feste Fette

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Flüssige und feste Fette.

Gruppe XIX.

Flüssige und feste Fette.

(In dieser Gruppe werden wir der Einfachheit halber auch die thierischen Fette behandeln, da sie sich weder chemisch, noch physikalisch von den pflanzlichen Fetten unterscheiden. Der Verfasser hat aus praktischen Gründen die Einreihung der Fette bei den Rohdrogen und Halbfabrikaten beibehalten, schon darum, weil dieselben, ähnlich den ätherischen Oelen, keine einfachen, chemischen Verbindungen, sondern fast immer Gemische verschiedener Körper, in nicht immer konstanten Mischungsverhältnissen sind; ihre Einreihung in die chemische Abtheilung empfiehlt sich daher nicht.)

Fette sind, chemisch betrachtet, ihrer Hauptmasse nach Salze, d. h. Verbindungen von Säuren mit basischen Körpern; sie sind gleich dem Essigäther Fettsäureester, d. h. Verbindungen der verschiedenen in den Fetten enthaltenen Fettsäuren mit den Oxyden von Alkoholradikalen, hier des Glyceryl- oder Lippyloxydes, Nur bei dem Wachs und dem Walrath treten Ceryl- und Cetyloxyd an dessen Stelle. Sehr verschieden dagegen sind die Säuren, welche in den Fetten vorhanden sind und zwar sind es auch in den einzelnen Fetten wiederum eine ganze Reihe Säuren, welche dessen Eigenthümlichkeit bedingen. Sämmtliche Fettsäuren gehören einer sog. homologen Reihe an, d. h. sie sind alle nach ein und demselben. Schema zusammengesetzt und unterscheiden sich unter einander durch ein. + oder - von CH2^[CH_{2}] z. B.

^[Liste]

Propionsäure C3H6O2^[C_{3}H_{6}O_{2}]

Buttersäure C4H8O2^[C_{4}H_{8}O_{2}]

Valeriansäure C5H10O2^[C_{5}H_{10}O_{2}]

Capronsäure C6H12O2^[C_{6}H_{12}O_{2}] u. s. w.

Mit der wachsenden Menge der Kohlenstoff-Moleküle nimmt die Flüchtigkeit der Fettsäuren ab, so dass Säuren, welche über 12 Moleküle Kohlenstoff enthalten, nicht mehr unzersetzt verflüchtigt werden können. Ebenso steigt mit der Menge des Kohlenstoffs der Schmelzpunkt der Fettsäuren.

Neben den gebundenen Fettsäuren enthalten alle Fette auch kleine Mengen freier Säure, welche wahrscheinlich sogar für die Verdaulichkeit und den Geschmack derselben maßgebend sind.

Physiologisch betrachtet sind die Fette Absonderungsprodukte des thierischen und pflanzlichen Lebens; sie bilden sich höchst wahrscheinlich durch Umsetzung des Stärkemehls und der ihm verwandten Stoffe. Die Fette sind bei den Thieren entweder unter der Oberhaut abgelagert (Speck), oder sie hüllen die Unterleibsorgane ein (Flomen), oder sie sind zwischen die Muskelsubstanz eingeschichtet; ferner bilden sie den Hauptbestandtheil des Hirns und der Knochenhöhlen (Mark). Bei den Pflanzen finden sich Spuren von Fett, fast in allen Theilen derselben; in grösseren Mengen aber sind sie nur im Samen, zuweilen auch im Fruchtfleisch enthalten. Gewonnen