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Handbuch der Drogisten-Praxis

Gustav Adolf Buchheister, Verlag von Julius Springer, Berlin, 3. Auflage, 1893

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Thiere, Thiertheile und Thiersekrete.

setzen sich nach etwa 4 Wochen mittelst des Saugrüssels auf der Pflanze fest und schwellen jetzt, nachdem sie befruchtet, immer mehr an. Nach ca. 6 Wochen, kurz vor der vollen Entwickelung, werden die Thierchen mit Pinseln vorsichtig abgebürstet und getödtet. Es geschieht dies entweder durch heisse Wasserdämpfe, oder durch Eintauchen der in Körben befindlichen Insekten in kochendes Wasser, oder nur durch trockene Wärme. Nach dem vollständigen Trocknen erscheint die Cochenille entweder schwärzlich, wenn sie durch Wasser, oder silbergrau, wenn sie durch trockene Wärme getödtet ist. Es finden jährlich 2-5 Ernten statt; man lässt beim jedesmaligen Absammeln, zum Zwecke der Fortpflanzung, einen kleinen Theil der trächtigen Weibchen auf den Pflanzensitzen. Die erste Ernte liefert die geschätzteste Sorte, Sacatilla oder Zacatilla genannt.

Von den verschiedenen Handelssorten sind zu nennen: Honduras- oder Guatemala-Cochenille in den 3 Sorten Zacatilla, Jaspeada und Renegrida. Von Veracruz- (Mexiko-) C. giebt es ebenfalls drei Sorten. Diese beiden Arten kommen in Ballen von 80-100 kg in den Handel und haben eine dreifache Verpackung: zuerst ein graues Gewebe, dann Thierhäute und schliesslich Matten. Teneriffa-C. ist schwärzlich oder silbergrau und ist in Säcken von 25-30 kg verpackt. Die wenig geschätzte Java-C. ist klein und schwärzlich und kommt über Holland in blechernen Kisten von 40-60 kg in den Handel.

Die Cochenille ist fast eiförmig, unterseits flach oder wenig konkav, oben gewölbt, quer geriefelt; grau bis schwärzlich, in den Furchen weiss bestäubt. Zerrieben giebt sie ein rothbraunes Pulver. Geruch und Geschmack wenig hervortretend.

Bestandtheile. Neben den unwesentlichen Bestandtheilen enthält sie 40-45% rothen Farbstoff, Carmin (s. d.). Dieser ist eine schwache Säure, die sich mit Alkalien zu schön gefärbten, rothen oder violetten Lösungen verbindet; mit Erd- und Metallsalzen giebt sie vielfach unlösliche Verbindungen, sog. Lacke (Florentiner Lacke etc.).

Anwendung. Medizinisch fast nur in Verbindung mit Kaliumcarbonat als Mittel gegen Keuchhusten; sonst nur zum Färben von Zahnpulvern, Zahntinkturen etc. Technisch in grossen Quantitäten in der Färberei, wo sie selbst durch die Anilinfarben nicht völlig verdrängt worden ist. Jedoch hat ihre Einfuhr in den letzten Jahren bedeutend abgenommen. Es wurden ins Zollinland eingeführt:

^[Liste]

1885 1314 mt. Ctr.

1886 1271 " "

1887 nur 930 " "

^[Abb:Fig. 179. Cochenille-Laus. w weibliche, m männliche. 3 fach vergr.]