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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Italien

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Italien.

siebenmal so hoch wie der untere Durchmesser), der Knauf war der dorischen Form ähnlich gebildet. - Das griechische Vorbild ist unverkennbar, freilich hatte man die älteste, noch nicht durchgebildete dorische Form beibehalten und diese gerade nicht glücklich verändert. Die Etrusker faßten die Säule eben nur vom Standpunkt der Notwendigkeit als Stützen des Gebälkes auf, nicht als lebendiges Glied des Gesamtbaues, zu dem es in schönen Verhältnissen stehen soll.

Bogen- und Gewölbebau. Ein wesentliches Verdienst um die Entwicklung der Baukunst haben sich jedoch die Etrusker erworben, indem sie den Bogen- und Gewölbebau einführten und mit künstlerischem Verständnis ausgestalteten. Wohl kennt schon die chaldäische Baukunst die Gewölbeform, doch war hier der Stoff nur Ziegel, die mit Thonmörtel verbunden wurden; die Etrusker fügten ihre Bogen und Gewölbe aus Stein. Diese Fertigkeit kam aber nur bei Nützlichkeitsbauten zur Anwendung; Kanäle, Brücken, Stadtthore und Gräber weisen Wölbungen auf, bei Tempeln finden sie sich nicht.

Die Erfindung des Gewölbebaues zeugt für den scharfen Verstand der Etrusker, in der Natur hat er kein Vorbild und auch die Natur des Stoffes weist nicht auf ihn hin, er ist ein Ergebnis der Berechnung.

Die beiden seitlichen Tragsteine und der oberste Schlußstein wurden bei Thorbauten ihrer Bedeutung entsprechend meist bildnerisch - mit hervortretenden Köpfen - geziert.

Dem eigentlichen Gewölbebau durch Anordnung keilförmiger Steine ging voran die Herstellung von Wölbungen durch Ueberkragung ebengelagerter Steinschichten, welche einfache, aber schwerfällige Form auch anderwärts zu finden ist. Daß die Etrusker auch Meister im Bau von Städtemauern waren, ist hiernach wohl selbstverständlich.

Etruskische Metall- und Thonarbeiten. Eine gleiche meisterhafte Fertigkeit zeigt das Volk in den Metallarbeiten und in den Werken aus gebranntem Thon. Es ist jedoch hierbei nur die Geschicklichkeit in der Behandlung des Stoffes, die handwerksmäßige Fertigkeit, welche die Etrusker für sich in Anspruch nehmen können; in der Formgebung, also nach der künstlerischen Seite hin, zeigen sie weniger selbständige Erfindungsgabe, sondern folgen fremden Vorbildern, die sie zwar mit einer gewissen Gewandtheit, aber auch handwerksmäßiger Unfreiheit verwerten.

Aus gebranntem Thon wurden nicht nur Gefäße (Vasen, Aschenurnen u. s. w.), sondern auch die zum Wandschmuck bestimmten Flachbildwerke und Standbilder der Götter ausgeführt.

Der Erzguß war frühzeitig ausgebildet und die etruskischen Bronzearbeiten wurden im Altertume hoch gerühmt. Eherne Standbilder waren in den Städten ungemein zahlreich zu finden. Was von diesen größeren Bildwerken erhalten ist, läßt das ernstliche Streben nach Naturwahrheit erkennen. Namentlich bei den Tiergestalten sind die bezeichnenden Formen scharf und kräftig hervorgehoben, auch bei Menschenkörpern ist die große Gewissenhaftigkeit in der Wiedergabe der Einzelheiten verdienstlich, hier zeigt sich aber gerade die Beschränktheit der Auffassung; es wird eben zu viel auf das Aeußerliche und

^[Abb.: Fig. 80. Goldenes Diadem aus Mykenai.]