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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die hellenische Kunst

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Die hellenische Kunst.

auch für die Holzschnitzerei leichter war, da die Formen dabei einfacher sind. Erst bei gereifterem Können wagte man sich an die Darstellung des nackten Körpers.

Archaischer Stil. Man pflegt den Stil dieser älteren Zeit - 7. bis Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. - den "lax-archaischen" (weichlich-altertümlichen) zu nennen, jenen des Zeitabschnittes bis nach den Perserkriegen den "streng-archaischen", welcher nur die Formen schärfer ausbildet und lebendige Bewegung giebt.

Kunststätten. Athen. Athen tritt jetzt in den Vordergrund, obwohl die eigentlichen Stätten der Entwicklung anderwärts liegen, aber es lockt die fremden Künstler an sich und wird der Mittelpunkt des Schaffens, in dem sich die verschiedenen Richtungen begegnen und vermengen. Dieses Emporkommen verdankte Athen dem "Alleinherrscher" (Tyrannen) Peisistratos, der, aus adeligem Geschlechte stammend, sich mit Hilfe der unteren Volksschichten (um 560 v. Chr.) der Regierung bemächtigt hatte. In der Burgstadt (Akropolis), wo er seinen Herrschersitz genommen hatte, baute er den Haupttempel der Stadtgottheit, das (ältere) Parthenon; aber auch die unteren Stadtbezirke wurden mit großangelegten Bauwerken bedacht. Um den Ruhm seines Namens zu erhöhen, zog er nicht nur die Dichter, sondern auch die besten bildenden Künstler seiner Zeit heran: aus Kleinasien, von den Inseln und dem Peloponnes.

Peloponnes. Aegina. Im letzteren Gebiete waren schon früher Argos und Sikyon - auch Korinth - bedeutsame Kunststätten. Gegen Ende des 6. Jahrhunderts trat nun auch die Insel Aegina hinzu, die als Sitz eines ausgebreiteten Handels reich geworden war. Die Herstellung der Bronze und der Erzguß überhaupt waren hier zur hohen Vollkommenheit gebracht worden, und die äginetischen Künstler arbeiteten daher hauptsächlich in Bronze. Von diesen Erzbildern, die nach den Berichten in großer Menge namentlich für die heiligen Stätten von Olympia und Delphi hier verfertigt wurden, ist leider nichts erhalten geblieben und wir können den "äginetischen Stil" nur aus späteren Werken beurteilen, vor allem aus den Giebelfiguren des Tempels von Aegina, die sich in München befinden. (Fig. 94-96.)

Dorisch-peloponnesischer Stil. Es ist beachtenswert, daß wie in der Baukunst auch in der Bildhauerei die Dorier zuerst zu einem streng durchgebildeten, einheitlichen und abgeschlossenen Stil gelangen, auf dessen Grundlage sich die weitere Vervollkommnung vollzieht. Während die Künstler der Inseln - welche vorwiegend in Marmor arbeiteten - bekleidete Gestalten bevorzugten, verwandten die Peloponnesier ihre ganze Kraft auf die Darstellung nackter männlicher Körper (und Pferde).

Scharfe Beobachtung der Natur paarte sich hierbei mit dem Streben, das Wesen des Menschen geistig zu erfassen, das Bedeutsame und Bezeichnende herauszuarbeiten.

^[Abb.: Diskoswerfer.

Marmornachbildung. Rom, Vatikan.]