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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Altchristliche Kunst

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Altchristliche Kunst.

Constantin, also zum Beginn des 4. Jahrhunderts wurde sie auch für größere Kirchen verwendet, und in der Folgezeit entstanden mehrere Bauten von großartiger Anlage.

In einem Punkte hielt man sich an das Vorbild der Basilika, indem man nämlich einen Mittelraum schuf, der von einem niedrigeren Seitenraum umgeben wurde. Während z. B. bei dem antiken Pantheon die Kuppel auf den Hauptmauern aufruht, stellte man nun im Innern einen Säulenkreis auf, welcher die Kuppel trug, während der Umgang zwischen diesen Säulen und den Außenmauern mit einem niedrigeren Gewölbe überspannt wurde. So hatte man auch hier ein Mittelschiff als Hauptraum. Die Hauptmauern wurden durch Nischen gegliedert.

Zu den bemerkenswertesten Bauten dieser Art zählen San Stefano rotondo in Rom und San Lorenzo in Mailand, erstere Kirche hatte einen doppelten Umgang, letztere eine achteckige Kuppel und zeigt in ihrer Anlage eine eigenartige Verbindung der Rundform mit dem Viereck. Nicht minder bedeutsam erscheint San Vitale in Ravenna, ein Achteck, mit einer auf acht Pfeilern ruhenden Hauptkuppel. Zwischen den Pfeilern stehen je zwei Säulen, welche in zwei Geschossen Halbkuppeln tragen. (Die große Kuppel war aus hohlen Thontöpfen gebildet, eine Herstellungsweise, die auch bei anderen Kuppelbauten sich findet.)

Verfall. Die abendländische altchristliche Baukunst hat ihre hervorragendsten Werke auf italischem Boden im 4. und 5. Jahrhundert n. Chr. geschaffen; mit der Herrschaft der Langobarden trat dann der Verfall ein. Im Gegensatze zu den Ostgoten erwies sich dieser deutsche Stamm als wenig bildungsfähig und eignete sich von der alten Kultur meist nur das Schlechte an; Rohheit paarte sich mit Sittenverderbnis. Wie sich die christlich-italische Bauweise nach Norden verbreitete, soll später erörtert werden.

Zierwerk. Schließlich sei noch eine Bemerkung über das bauliche Zierwerk nachgetragen. Hinsichtlich der Gestaltung des Säulenknaufs wurde bereits erwähnt, daß im Allgemeinen das korinthische bezw. römische Kapitäl beibehalten, nur im Ravennatischen eine byzantinische Form - mit verschlungenem Rankenwerk - häufiger angewendet wurde.

Sonst wiesen die älteren Basiliken im Westen kein besonderes Zierwerk auf, da ja das Aeußere ziemlich schmucklos blieb und der Schmuck im Innern in Malereien und Mosaiken bestand.

^[Abb.: Fig. 205. Inneres von S. Stefano rotondo in Rom.

(Nach Photographie von Anderson.)]

^[Abb.: Fig. 206. Grundriß von S. Vitale in Ravenna.

A, Vorhalle. B, Mittelraum. C, Altarraum und Apsis.]