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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Germanische Kunst

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Germanische Kunst.

1214 wurde mit dem Bau des Chores begonnen. Die übrigen Teile entstanden 1312-1342.

Marienkirchen zu Prenzlau, Danzig und Lübeck. Den reinen Backsteinbau sehen wir in den drei folgenden Abbildungen vertreten. Der Baustoff bedingte eine etwas andere, einfachere Behandlung der Formen; er gestattete beispielsweise nicht, das Maßwerk so verschlungen zu gestalten, wie dies der Steinmetz vermochte.

Das Aeußere zeigt deshalb überall eine größere Schlichtheit, auch ein weniger starkes Hervorheben der senkrechten Glieder gegenüber den wagerechten. Das Zierwerk, für welches bei einzelnen Bauten von auswärts bezogene Hausteine zur Verwendung kamen, wurde sonst in der Regel auch aus Backstein hergestellt und erfuhr dann die bereits vorhin angedeutete Vereinfachung. Daß aber trotzdem hervorragend Schönes geleistet werden konnte, zeigt der in Fig. 306 abgebildete Giebel der Marienkirche zu Prenzlau, welcher die rechtwinklige Chorwand schmückt.

Die Einfachheit der Formen läßt sich auch deutlich aus den Abbildungen der Marienkirchen zu Danzig und Lübeck ersehen. Erstere ist eine dreischiffige Hallenkirche mit kreuzförmigem Grundriß. Die Strebepfeiler sind in das Innere verlegt und die Zwischenräume zwischen denselben mit Kapellen ausgefüllt. Die Mauern, mit hohen schmalen Fenstern durchbrochen, sind fast glatt und nur am Dachrande mit einem Zinnenkranz geschmückt. Die Schauseiten der Kreuzarme und der rechtwinklige Chorabschluß sind mit drei Giebeln versehen, welche den Dächern der einzelnen Schiffe entsprechen. Diese sind nämlich nicht, wie es bei Hallenkirchen sonst üblich ist, mit einem gemeinsamen Dache gedeckt, sondern jedes derselben hat sein besonderes Satteldach. Vor der Mitte der Schauseite steigt der mächtige Turm auf, dessen Kanten kräftige, in den einzelnen Stockwerken sich abstufende Strebepfeiler bilden. Ueber den Ecken von Lang- und Querhaus erheben sich schlanke achtseitige Treppentürmchen mit hohen Spitzdächern. Der Bau der Kirche begann 1343 und wurde durch Erweiterung der ursprünglichen Anlage, wobei sie die jetzige äußere Gestalt erhielt, 1502 beendet. - Weit älter ist die Marienkirche zu Lübeck (Fig. 308), die um 1276 begonnnen und 1310 beendet wurde. Die Anlage in Kreuzgestalt mit niedrigen Seitenschiffen, viereckigem Chorschluß, Strebepfeilern und Bogen erinnert ganz an die westlichen Vorbilder, nur ist die Kreuzgestalt am Aeußern wegen Verkümmerung der Querarme nicht sichtbar. Zwei mächtige Türme mit spitzen Dächern erheben sich an der Vorderseite. Die Gliederung und Ausschmückung des ganzen Aeußern geschieht sehr einfach durch Gesimse mit darunter liegenden aus geometrischen Mustern gebildeten Friesen. Die Abbildung zeigt auch zugleich einen hervorragenden weltlichen Bau, das (rechts sichtbare) Rathaus, dessen Dach durch hohe, mit fensterähnlichen Oeffnungen durchbrochene und durch runde Türmchen gegliederte Mauern verdeckt wird.

Die Marienburg. Vollendete Ausbildung zeigt der Backsteinbau in der Marienburg in Westpreußen, dem hervorragendsten Schloßbau dieser Zeit (Fig. 309 und 310). Begonnen wurde der Bau schon 1274, doch erhielt er seine heutige Gestalt erst durch zahlreiche bedeutende An- und Umbauten, die, nach der Verlegung des Ordenssitzes der Deutschen Ritter nach hier, 1309 anfingen und gegen Ende des 14. Jahrhunderts abgeschlossen wurden. - Im Allgemeinen sind die Formen der trotzigen Burgbauten beibehalten worden,

^[Abb.: Fig. 321. Palazzo vecchio zu Florenz.]