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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert

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Die Malerei im 14. und 15. Jahrhundert.

sind von einer Ruhe, die fast an Unbeweglichkeit streift; er malt Zustände nicht Vorgänge. (Fig. 342.) Von gleicher Art sind auch die Bilder seines Schwagers und Mitarbeiters Lippo Memmi. Pietro und Ambrogio Lorenzetti. Eine selbständige Eigenart weisen dagegen die beiden Brüder Pietro und Ambrogio Lorenzetti auf, welche sich schon mehr der Florentiner Richtung nähern, indem sie das Leben und die Wirklichkeit kräftiger betonen. Ambrogio ist der Bedeutendere, von ihm besitzen wir eine der reizvollsten Gestalten, welche die damalige Kunst schuf, in der Figur des "Friedens" (Pax). (Fig. 343.)

Lorenzo Monaco. Masolino. In dem Ausdruck liebenswürdiger Anmut sah die sienesische Schule ihr hauptsächlichstes Ziel, und das Gefallsame desselben bestimmte offenbar die späteren Florentiner, nun auch mehr auf feinen Reiz hinzuarbeiten. Der Mönchskünstler Don Lorenzo Monaco und Tommaso di Fini, genannt Masolino (Fig. 344), sind in dieser Hinsicht bemerkenswert; sie leiten bereits hinüber zu der neuen Richtung, welche Schönheit und Kraft miteinander zu vereinen sucht. Ihr Begründer ist Masaccio, dessen Auftreten einen bedeutsamen Fortschritt der Kunst zur Folge hatte.

Einfluß der Florentiner. Ehe ich davon spreche, soll noch kurz der Zustände in anderen Orten Italiens gedacht werden. In Pisa hatte Francesco Traini die Richtung Giottos eingebürgert, später folgte man mehr dem Einflusse Sienas; zu einer selbständigen Bedeutung brachten es die Pisaner nicht. Das Gleiche war der Fall in Umbrien und den Marken; in Bologna, Ferrara, Modena gab es zwar zahlreiche Maler, die aber völlig abhängig von Siena erscheinen. Mehr dem florentinischen Einflusse folgten die Lombardei, namentlich aber Verona, wo Aldighieri da Zevio und Jacopo Avanzi auch mit einer gewissen selbständigen Eigenart hervortreten. In Rom stand die heimische Malerei auf einer ungemein niedrigen Stufe, wozu der Umstand wohl viel beitrug, daß von 1304-1375 die Päpste in Avignon ihren Sitz hatten. Was im 14. Jahrhundert in Rom geleistet wurde, stammt von Fremden her; Giotto, Simone Martini und die Lorenzetti waren hier thätig gewesen.

Venedig. Eine bemerkenswerte Stellung nimmt Venedig ein. Obwohl in dem nahen Padua Giotto mit dem dortigen Wandgemälde eines seiner Hauptwerke geschaffen hatte, blieb dies auf den venezianischen Kunstbetrieb ohne Einwirkung. Man hielt hier - der Hauptsitz der Maler war die Insel Murano - an der alten "byzantinischen" Weise mit einer auffälligen Zähigkeit fest, welche jeden Fortschritt ausschloß; nur die Handfertigkeit wurde dabei ausgebildet. "Geschickte Mache, aber geistlos" - damit sind die venezianischen Bilder am besten gekennzeichnet.

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Das 15. Jahrhundert. Gleichwie Dante, der große Dichter, war auch Giotto, der Künstler, auf dem Boden der "scholastischen Philosophie" gestanden, welche kurz vorher durch

^[Abb.: Fig. 345. Masaccio. Die Vertreibung aus dem Paradiese.

Florenz. Kapelle Brancacci.]