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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

Whitehall. Andererseits finden sich aber auch solche, welche in der überlieferten heimischen Weise, der Gotik, gehalten sind. Dieselbe ganz zu verleugnen, war auch er nicht fähig, und obwohl er persönlich den Stil Palladios sich zu eigen machte, so bestand hinsichtlich seiner Schule und Nachfolger das Ergebnis darin, daß wieder nur eine Art Mischstil herauskam; man wählte aus der überlieferten volklichen und aus der palladianischen Kunstweise sich die zusagenden Grundzüge heraus und bildete so wieder etwas "Englisches".

Wren. Mit dem Sturze und der Enthauptung Karl I. war die goldene Zeit für die englische Kunst beendet; die finsteren Puritaner Cromwells haßten das Schöne, weil es sinnlich und heiter, also Teufelswerk sei. Diese puritanische Strenge, welche alle Lebenslust zu ertödten versuchte, rief einen nur um so heftigeren Rückschlag hervor, sobald die politische Herrschaft der Eiferer gebrochen war. Die Wiederaufrichtung des Königstrones wurde mit Freude begrüßt, denn nun war auch wieder die Freude etwas Erlaubtes und nicht sündhaft Strafbares. Bald aber übersprang die Lust alle Schranken, eine rücksichtslose Sinnlichkeit artete bis zur Sittenlosigkeit aus. Doch auch diese Uebertreibung fand eine Gegenströmung in den erlesenen Kreisen des Volkes, unter den Dichtern, Denkern und Forschern, und auch England schickte sich an, in Pflege der Wissenschaften und Künste sich hervorzuthun.

Den geistigen Strömungen dieser Zeit verlieh in der Baukunst Ausdruck Christopher Wren (1632-1723), der Begründer des englischen Barock. Er war in erster Linie Gelehrter, Mathematiker und Astronom an der Hochschule Oxford; die Baukunst hatte er aus Büchern studiert. Daß er auf diesem Wege zum "Klassizismus" gelangen mußte, erscheint selbstverständlich; im Schrifttum herrschte ja Palladios Geist vor. Eine Reise nach Paris

^[Abb.: Fig. 649. Palast von San Telmo.

Sevilla.]