Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

691

Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

In den nächsten hundert Jahren nach Berninis Tode hat die italienische Bildnerei keinen Mann aufzuweisen, der die Kunst irgendwie vorwärts gebracht hätte. Man arbeitet in der nun herkömmlich gewordenen Weise mehr oder minder tüchtig und man kann dieser Zeit nur das nachrühmen, daß sie wenigstens die Handfertigkeit nicht verfallen ließ. Erst in Canova erscheint wieder ein Meister, der sich über seine Vorgänger erhebt und an der Schwelle einer neuen Zeit eine bedeutsame, vermittelnde Rolle spielt.

***

Französische Bildnerei. In Frankreich hatte die Bildnerei ihre heimisch-völkische Eigenart bewahren können, da sie in den Zeitgenossen Michelangelos, Bontemps und vor allem Goujon, vortreffliche Meister besaß, die ihre Selbständigkeit nicht aufgaben. Wenn nun eine Wandlung eintrat, so wurde sie den heimischen Künstlern gewissermaßen durch König Louis XIV. aufgezwungen, dessen Wesen die Art Berninis so recht entsprach. Nur allmählich und sozusagen widerwillig betraten die französischen Bildner die neuen Bahnen; jene Gruppe jüngerer Kräfte, die im Anfange des 17. Jahrhunderts wirkten, hielt noch vielfach an den Ueberlieferungen der älteren Schule fest und liefert Werke, die mehr Züge von schlichter Wahrheit und edler Klarheit aufweisen, als daß sie dem neuen Geschmack an hochtrabender, schauspielerischer Prunksucht huldigen. Was sie aber stets auszeichnet, ist jene anmutige Feinheit und Zierlichkeit, welche, selbst wenn sie übertrieben wird, doch gefallsamer bleibt, als die aufdringliche Schwelgerei in üppigen Formen.

Girardon. Puget. Schon mehr der neuen Richtung angehörig, aber doch die trefflichen Eigenheiten der älteren französischen Schule nicht ganz verleugnend, erscheint François Girardon (1628-1715), dessen Werke durch lebensvolle Natürlichkeit sich erfreulich von anderen zeitgenössischen abheben. Der feinere, d. h. maßvollere Geschmack des Franzosen tritt hervor, wenn man seinen "Raub der Proserpina" (Fig. 656) mit jenem Berninis vergleicht. Die Uebereinstimmung in vielen Zügen ist ja schlagend, aber der Pluto Girardons ist doch weniger roh, die Proserpina etwas keuscher und die ganze Gruppe ist schöner angeordnet.

Dagegen huldigt Pierre Puget (1622-1694) ganz der rein malerischen Auffassung - er war ja selbst auch Maler, freilich als solcher unbedeutend - und geht, was unruhige Bewegung anbelangt, bis an die äußersten Grenzen. Die Gruppen "Milon aus Kroton von einem Löwen zerfleischt", dann "Perseus befreit Andromeda" und das Flachbild "Alexander bei Diogenes" wurden seiner Zeit viel bewundert. Anerkennenswert ist, daß die Vorgänge verständlich und naturwahr dargestellt sind; die zweitgenannte ist zwar an-^[folgende Seite]

^[Abb.: 665. Candid: Marienbild.

München, Residenz.]