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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

niederländische Kunstentwicklung gelten mögen - immerhin erfreulich erscheinen. In Reichtum des Schmuckwerkes übertrifft der Augustusbrunnen (von Gebhard) den Herkulesbrunnen (de Vries), bei welchem wieder der Gruppenaufbau malerischer wirkt (Fig. 663).

München. Niederländer und Italiener finden wir auch in München beschäftigt, obwohl man hier in Hans Krumper aus Weilheim einen tüchtigen heimischen Meister besaß. Es liegt hier ein Beispiel vor, wie die heimisch-völkische Kunst geschädigt werden kann, wenn sie nicht in den breiten Schichten des Volkes wurzelt, sondern vorwiegend nur von höfischer Gunst abhängt und diese von der fremden "Mode" beeinflußt wird.

Von dem Niederländer Pieter de Witte (genannt Candide) ^[richtig: Candid; Candido] stammen u. A. die Erzthüren an der Residenz und der üppige Wittelsbacher Brunnen, bei welchem die Tiergruppen entschieden die anderen Figuren überragen; von Krumper das Denkmal Kaiser Ludwigs in der Frauenkirche (Fig. 664). An Erfindungsgabe und Geschick in wirkungsvollem Aufbau übertrifft der Niederländer den Deutschen, der einfacher und nüchterner seine Aufgabe erfaßt hat; in Wahrheit und Kraft, in gründlicher Gediegenheit ist ihm der Deutsche über. Die Eigenart der beiden ersieht man am besten, wenn man das Marienbild an der Residenz (Fig. 665) mit dem Standbild des Herzogs Albrecht V. vergleicht.

Schwaben. In Schwaben hatte die Bildnerei - die hier mehr in Stein als in Erz arbeitete - auch noch manche Vorzüge aus der früheren Zeit bewahrt, da hier die heimischen Meister auch mehr Beachtung fanden als anderwärts. Allerdings vermochten sie nicht mehr Neues zu erfinden und zu bringen, sondern sie verwerteten die Züge und Formen der früheren Zeit und gaben auch den Anregungen des Auslandes nach. Dadurch erhalten ihre Werke oft einen seltsamen Mischstil; neben echt deutschen, manchmal sogar an das romanische Zeitalter erinnernden Zügen von edler Einfachheit und inniger Empfindung finden sich solche des Gezierten und Gespreizten unvermittelt nebeneinander, was die Wirkung beeinträchtigt. Jedenfalls ersieht man aber an den religiösen Arbeiten, daß jene innerlich fromme Stimmung nicht mehr vorhanden ist, welche unbewußt aus dem Gemüte quillt, sondern daß sie dem Verstand entspringen.

Als vorzügliche Arbeiten sind hervorzuheben die 11 Standbilder württembergischer Grafen in der Stiftskirche zu Stuttgart, in freier Lebendigkeit dargestellt. - Einer der tüchtigsten Meister ist Christof Jelin aus Tübingen, dessen Grabmal Ludwigs des Frommen als für die ganze Richtung bezeichnend gelten kann. Die vorerwähnte Vermengung der Züge ist darin zu erkennen; die Gestalt Ludwigs ist von schlichtem Adel, die anderen Figuren dagegen gespreizt, das Zierwerk üppig, die kleinen Flachbilder von außerordentlicher Feinheit.

Daß die Bildnerei nunmehr auch mit gewissen Schwierigkeiten zu rechnen hatte, welche in dem zu behandelnden Vorwurfe lagen, lehrt beispielsweise das Grabmal des Markgrafen Karl in Pforzheim (Fig. 666). Die wundersame Tracht der Reifröcke war für eine Linienschönheit in den Gestalten sicherlich nicht förderlich. Auch hier sieht man aber in dem fein gebildeten Kopfe noch die treffliche Auffassung der inneren Persönlichkeit.

^[Abb.: Fig. 667. Hofbrunnen in Salzburg.]