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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

In den gefesselten Feinden am Sockel findet man Anklänge an die Wucht und strotzende Ueberlebendigkeit Michelangelos, welche die Wirkung des Ganzen noch steigert (Fig. 668).

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England. Spanien. Von den übrigen Ländern Europas ist hinsichtlich dieser Zeit nicht viel zu berichten. Englands Bildnerei macht die Mode mit und bewahrt nur in der ausdrucksvollen, die Eigenart kennzeichnenden Bildung der Köpfe die guten Ueberlieferungen.

Beachtenswert ist die Bildnerei Spaniens, welche ein höheres Maß von Selbständigkeit bekundet und ganz in heimischem Geiste schafft, wenn sie auch die Schulung vielfach aus Italien holt. Daß die große Blüte der Malerei nicht ohne Einwirkung auf die Bildnerei bleiben konnte, erscheint selbstverständlich und so manche Werke der letzteren erscheinen gewissermaßen aus Gemälden ins Bildnerische übertragen. Dazu kam noch der Umstand, daß man vornehmlich die Holzschnitzerei pflegte. Eine Hauptaufgabe der Bildnerei war die Herstellung großer, breit ausgedehnter Altäre (Retablos genannt), deren Umfang die Verwendung des Steins nicht gut zuließ. Diese Holzbildwerke wurden nun auch vergoldet und bemalt - man bezeichnet diese Weise mit estofado d. h. überzogen - und so begreift man umsomehr den Einfluß der Malerei.

Zu Ende des 16. Jahrhunderts und Anfang des 17. Jahrhunderts schufen in diesem Sinne Gregorio Hernandez, der vorzüglich in der Behandlung des Nackten ist und Juan de Juni, welcher sich ganz italienischen Einflüssen hingab und durch ausschweifende, gezierte Formgebung auffällt. Hervorragender durch Selbständigkeit und Ursprünglichkeit sind Juan Martinez Montanes (gest. 1649) und Alonso Cano (1601-1667), denen sich im 17. Jahrhundert Zalcillo anreiht, welcher bereits der "naturalistischen" Richtung huldigt, ohne dabei jedoch ganz ins Aeußerliche zu verfallen, sondern immerhin noch seinen Gestalten Beseelung und Empfindung verleiht. - Die Madonna Canos (Fig. 669) läßt die spanische Bildnereiweise ziemlich gut erkennen.