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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

aber auch nicht Wenige, welche etwas mehr selbständig vorgingen und ihre Kunstweise durch Aufnahme von Zügen anderer Vorbilder zu erweitern suchten. Zu erwähnen wäre von diesen jedoch nur Gonzales Coques (1614-1684), weil er seine Vorwürfe dem Leben der höheren Stände entnahm und sich durch eine größere Feinheit in Zeichnung und Färbung auszeichnet.

Landschaftsmalerei. In der Landschaftsmalerei behielt zunächst die Oberhand ebenfalls Brueghels Richtung, welche jedoch vor allem die Naturwahrheit vermissen läßt, sowohl in der Anordnung, wie noch mehr in der Farbengebung, die tonlos und hart ist. "Stimmung" wird man in diesen Bildern vergeblich suchen, und die unvermittelte Nebeneinandersetzung greller Farben beleidigt oft das Auge. In dieser unerquicklichen Art sind die Landschaften Jan Brueghels - dessen Blumenstücke anziehender sind - Mompers u. s. w. gehalten. Gegenüber dieser rein-vlämischen Richtung entwickelte sich eine andere, die einerseits durch sorgfältigere Naturbeobachtung, andrerseits - und zwar hauptsächlich - durch italienische Studien zwar zu gefälligeren Leistungen gelangte, aber auch ihre heimische Eigenart ziemlich einbüßte. Die Gruppe dieser Landschafter giebt die Natur auch nicht in voller Wahrheit, sondern "idealisiert" wieder; in einer akademischen Auffassung, welche das Wirkliche nach Gutdünken zu verschönern sucht, anstatt das Schöne im Wirklichen herauszufinden. Eine beachtenswerte Ausnahme macht Jan Siberechts (1627-1703), dessen Bilder eine überraschende Wirklichkeitstreue zeigen und die Landschaft in freier natürlicher Beleuchtung geben.

Sonst wurden noch das Tierstück - in welchem Frans Snyders das Beste leistete - und das Stillleben eifrig gepflegt, mit besonderer Vorliebe namentlich die Blumenmalerei, in welcher die niederländische Farbenfreudigkeit sich entfalten konnte. Die wirkungsvollsten Blumenstücke, durch prächtige Farbe und Naturwahrheit sich auszeichnend, lieferte Daniel Seghers, der auch zahlreiche Nachahmer fand.

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Eigenart der holländischen Malerei. In Holland zeigen die Verhältnisse eine große Aehnlichkeit mit jenen Deutschlands im vorigen Zeitraume, es bestehen in den einzelnen Städten örtliche Schulen von bestimmter Eigenart, und bei der großen Menge ausübender Künstler ist die große Mehrheit tüchtig, oder mit anderen Worten gesagt, das durchschnittliche Mittelmaß ist überall ein gutes, dagegen ragen nur wenige erheblich darüber hinaus. Eine weitere Verwandtschaft liegt darin, daß die holländische Kunst auch einen "kleinbürgerlichen Zug" besitzt, sie arbeitet für die Häuslichkeit, ihre Werke sind für den Zimmerschmuck bestimmt. Der Protestantismus hatte das "Kirchenbild" beseitigt und Aufträge zu großen religiösen Gemälden, wie in den katholischen Niederlanden, waren ebenso ausgeschlossen, wie solche zu umfänglichem Palastschmuck. Die zwar reiche, aber auch sparsame Kaufmannschaft Hollands liebte die prunkvollen und festlichen Paläste nicht, sondern zog das trauliche, mit behaglich-schlichtem Reiz ausgestattete Familienhaus vor. In dieses paßten weder die Allegorien noch die mythologischen Darstellungen, der Holländer besaß für diese ihm fremde "ideale" Welt wenig Sinn, er wollte auch in der Kunst die "wirkliche" sehen, in welcher er sein tägliches Leben verbrachte. Dieses erschien ihm so bedeutend, daß er gar nicht das Bedürfnis empfand, aus derselben oder über dasselbe hinaus gehoben zu werden. Die Aufgabe, welche der holländischen Malerei zufiel, bedingte auch eine andere Malweise, als jene der kirchlichen und Palastkunst der Niederländer war. Weder das Großzügige in Anordnung und Formensprache, noch die heitere Farbenpracht eignete sich für Bilder, welche in den dämmerigen Wohnstuben ihren Platz finden sollten, bei diesen kam es mehr auf Stimmungsgehalt, feine Tönung und sorgfältige Durchbildung der Einzelheiten an.

Wenn auch der Holländer nicht den Ehrgeiz besaß, durch Prachtliebe der Außenwelt gegenüber zu prunken, so war er dafür um so selbstbewußter und stolz auf seine Persönlichkeit, die ihm somit auch stets als ein der Kunst würdiger Gegenstand erschien. Nirgends eifriger wurde daher die Bildnismalerei gepflegt als in Holland, der hier auch denkmalmäßige Schmuckaufgaben zufielen. Wo man anderwärts Allegorien oder geschichtliche Darstellungen