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Illustrierte Kunstgeschichte

Johannes Emmer, Deutsche Volksbibliothek A.-G., Berlin, ohne Jahr [1901]

Schlagworte auf dieser Seite: Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts

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Die Kunst des 17. und 18. Jahrhunderts.

Gediegenes, das Beste jedoch Karl Andreas Ruthart, der in seinen Jagdbildern selbst seinen Vorbildern oft überlegen sich zeigt. Ein vorzüglicher Blumenmaler ist der Hamburger Werner Tamm, der auch Tierstücke arbeitete, und eine bemerkenswerte Ursprünglichkeit und Eigenart kundgiebt. Aus dem 18. Jahrhundert wären etwa noch die drei Hamiltons (Vater und zwei Söhne) als treffliche Tiermaler zu nennen.

Die Nachahmer der Italiener. Neben der Gruppe von Meistern, die gleich Sandrart ganz in der niederländischen Weise aufgingen, verblieb jedoch eine in der Zahl noch stärkere, welche den Italienern treu blieb und insbesondere die Art der Caraccis pflegte. In den Werken dieser Gruppe ist von deutscher Eigenheit nicht eine Spur mehr zu entdecken. Dafür hatten sich die Künstler so sehr in die Weise ihrer Lehrmeister hineingelebt, daß sie nicht selten besseres leisten, als die Italiener selbst; jedenfalls aber wurde in dieser Gruppe die Geschicklichkeit hoch ausgebildet. - Aus derselben gingen denn auch jene Meister hervor, welche die umfangreichen Decken- und Wandgemälde in den Kirchen und Schlössern des 18. Jahrhunderts lieferten, die zu den bedeutsamsten und auch erfreulichsten Schöpfungen dieser Zeit gehören. Diese Gattung Farbenkunst hat ihren eigentlichen Begründer in Correggio, der zuerst mit rücksichtsloser Kühnheit jene erstaunlichen Verkürzungen, perspektivischen Kunststücke und Farben-Lichtwirkungen anwandte, die gewissermaßen die natürlichen Grenzen der Malerei verschoben, indem sie die Bilder völlig im freien Raume schwebend erscheinen ließen. Der Eindruck dieser Schöpfungen mußte ein gewaltiger sein und nur zu begreiflich ist es, daß die Späteren, nachdem einmal die Schranken gesprengt waren, sich oft verleiten ließen, ins Maßlose auszuschweifen. Allerdings erforderte diese Gattung eine nicht gewöhnliche Kunstfertigkeit und diese muß man dabei hauptsächlich bewundern. Ein anderes Verdienst haben aber diese Werke noch, daß sie die Farbenfreudigkeit lebendig erhielten, und die Farbe ist ja das eigentliche Haupt-Ausdrucksmittel der Malerei.

Die süddeutschen Künstler zeigten für diese Gattung eine ganz besondere Begabung, und man muß ihren Schöpfungen nachrufen, daß sie das Auge durch die kecke Anordnung, noch mehr aber durch Farbenzauber in dem Maße fesseln, daß man sich über das Gesuchte und geistig Gehaltlose der Darstellungen gerne hinwegsetzt. Sie können zwar nicht das Gemüt ergreifen, aber den Farbensinn entzücken.

Johann Franz Rottmayr (aus Laufen a. Sazach ^[richtig: Salzach]) Cosmas Damian Asam in München, die Südtiroler Michelangelo Unterberger und Paul Troger, dann der Wiener Daniel Gran, der Kremser Martin Johann Schmidt, Anton Franz Maulpertsch und Martin Knoller aus Steinach am Brenner, waren die Hauptvertreter dieser Richtung. Das rein Malerische findet sich am trefflichsten ausgebildet bei Gran, dem in dieser Hinsicht Rottmayr am nächsten kommt; Troger ist maßvoller, Maulpertsch gezierter und feiner, während bei Schmidt die erstaunliche Fülle seiner Arbeiten - man zählt mehr als tausend Bilder von ihm - aber auch eine dadurch bedingte gewisse Flüchtigkeit bemerkenswert ist. Die meisten Werke befinden sich in Wien und den Donaugegenden, doch auch in Italien, wo Knoller lange thätig war.

Auf dem Gebiete der Bildnismalerei begegnen wir auch einigen beachtenswerten Erscheinungen. In hohem Ansehen bei den Zeitgenossen stand Johann Kupetzky (1666 bis 1740), der wenigstens das äußerlich Lebendige der Persönlichkeit mit großer Treue wiedergiebt. Der Hamburger Baltasar Denner verwandte ungemein viel Fleiß auf die peinlichst

^[Abb.: Fig. 708. Denner: Bildnis einer alten Frau.

Wien. Kaiserl. Gemäldesammlung.]