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Biographisches Künstler-Lexikon

Dr. Hermann Alex. Müller, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig, 1882

Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gesamtgebiet der bildenden Künste aller Länder mit Angabe ihrer Werke.

Schlagworte auf dieser Seite: Gérôme

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Gérôme.

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Gerhardt'

della Salute in Venedig sowie die Ölbilder: nördliche Ansicht der Alhambra, Mondnacht in einer spanischen Stadt, Eingang zum Löwenhof der Alhambra u. a. Zwölf seiner Hauptbilder befinden sich im Besitz der Königin von Württemberg. Er erhielt 1852 den Roten Adlerorden 4. Klasse.

Gérôme (spr. schĕróhm), Jean Léon, vielseitiger und viel gepriesener franz. Maler, dessen Hauptfach das Sittenbild des Altertums und des Orients ist. Geb. 11. Mai 1824 zu Vesoul als Sohn eines Goldschmieds, lernte er in seiner Vaterstadt die Anfangsgründe der Kunst, kam 1841 nach Paris, wurde Schüler der École des beaux-arts und trat ins Atelier von Delaroche, den er nebst einigen andern Schülern 1844 nach Rom begleitete, wo er ein Jahr eifrig studierte und zeichnete. Nach Paris zurückgekehrt, arbeitete er eine Zeitlang unter Gleyre, dann wieder unter Delaroche. Das erste Bild, womit er Aufsehen erregte und das Gebiet der antiken Sittenschilderung betrat, war ein griechischer Hahnenkampf (1847, lebensgroß), der schon vielen Beifall fand. Nachdem er dann 1848 einen Anakreon mit Bacchus und Amor hatte folgen lassen, stellte er 1851 ein griechisches Lupanar aus, das schon die mannigfaltige Mischung seines Talents bekundete und in geschickter Weise das Frivole des Gegenstands durch eine gewisse strenge Behandlung der Formen und eine kühle Ausführung zu verdecken suchte. Ein ähnliches zweideutiges Bild trug den unschuldigen Titel: »Idylle« (1853). Einen unglücklichen Versuch in der wirklichen Historie machte er auf der Ausstellung von 1855, als er in lebensgroßen Figuren das Zeitalter des Augustus schildern wollte. Viel besser gefiel ein in Rußland gemaltes Genrebild von russischen Soldaten, die sich an Tanz und Musik vergnügen, und noch schlagender war die Wirkung eines Bildes, das uns vollständig in die Gegenwart versetzt: das Ende des Maskenballs (1857), auf dem sich ein Pierrot und ein Harlekin eben duelliert haben, und wiederum gleichzeitig mit diesem die den Orient höchst getreu charakterisierenden ägyptischen Rekruten, von albanesischen Soldaten durch die ↔ Wüste eskortiert. So teilte er seine Thätigkeit zwischen Orient, Abendland und klassischem Altertum, mochte aber wohl einsehen, daß ihm aus letzterm mehr Lorbeeren erwuchsen. Dieser Art ließ er nämlich zunächst folgen: die Ermordung Cäsars, die wiederum lüsterne Scene der Gemahlin des Kandaules und das höchst ergreifende Bild des Vitellius, der im Cirkus von den Gladiatoren begrüßt wird (»Ave, Cæsar, morituri te salutant«), die alle drei zuerst 1859 erschienen; ebenso die an Frivolität jener Gemahlin des Kandaules gleichkommende Phryne vor ihren Richtern (1861), die Begegnung der beiden lachenden Auguren und Kleopatras Besuch bei Cäsar. Dann wandte er sich wieder eine Zeitlang dem modernen Orient zu und brachte 1863 einen Gefangenen auf einem Nilschiff, einen türkischen Metzger in Jerusalem, eine halbnackte orientalische Tänzerin, Arbeiter beim Abendgebet (1865), die Thür der Moschee El Assaneyn in Kairo mit den Köpfen von hingerichteten Beis (1866), Sklavenmarkt und brettspielende Arnauten (1867), während dazwischen auch andre aus der Geschichte Frankreichs fallen, z. B. das Frühstück Ludwigs XIV. und Molières vor den neidischen Hofleuten und der Empfang der siamesischen Gesandten vor Napoleon in Fontainebleau. Schon bedeutend geringer zeigte sich seine Schöpfungskraft gegen das Ende des verflossenen Decenniums, aus welchem wir nur den rex tibicen (Friedrich d. Gr.), die graue Eminenz (1874) und ein Santon an der Thür einer Moschee hervorzuheben haben. In allen diesen orientalischen Scenen zeigt er eine auf seinen Reisen in Ägypten erlangte genaue Kenntnis der Örtlichkeiten und der Details, namentlich auch in der äußern Erscheinung der Gestalten. In den Scenen aus dem klassischen Altertum dagegen bringt er moderne Menschen in antikem Kostüm oder moderne ins Altertum übersetzte Lüsternheit, was dann freilich in Widerspruch tritt mit dem antiken Beiwerk. Seine Formengebung ist überall von höchster Sorgfalt und Gediegenheit, sein Kolorit nicht brillant, aber von großer Har-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 203.