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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Augustus

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Augustus.

funden, erregte aber neue Schwierigkeiten, bis er 36 an der Küste von Sizilien durch Oktavians Admiral Agrippa geschlagen wurde. In den folgenden Jahren gewann Oktavian mehr und mehr die Gunst des Volks durch sein klug berechnetes Benehmen und übte das Heer durch Expeditionen gegen die Illyrier und Dalmatier, während Antonius durch unglückliche Kriege im Orient und durch sein ausschweifendes Leben bei der ägyptischen Königin Kleopatra mehr und mehr an Macht und Ansehen verlor. Durch Senatsbeschluß wurde Antonius der ihm übertragenen Macht für verlustig, an Kleopatra aber der Krieg erklärt, welcher, besonders durch das Verdienst Agrippas, 2. Sept. 31 mit der Niederlage des Antonius in der Seeschlacht bei Actium endigte; Antonius und Kleopatra gaben sich 30 in Alexandria den Tod. Oktavian selbst kehrte, nachdem er die Angelegenheiten im Osten geordnet, 29 als unbestrittener Alleinherrscher des römischen Reichs nach Rom zurück. Er benutzte die nächste Zeit, um sich der Gunst des Heers und des Volks durch einen glänzenden dreitägigen Triumph, durch öffentliche Spiele und insbesondere auch durch reiche Geschenke zu versichern und sich den Senat vermöge der ihm übertragenen zensorischen Gewalt durch die Ausscheidung unwürdiger und unzuverlässiger Mitglieder 28 vollkommen zu eigen zu machen. Nachdem dies aber geschehen, erklärte er 13. Jan. 27 im Senat, daß er wünsche, den Oberbefehl über die sämtlichen römischen Streitkräfte, den er bisher geführt, niederzulegen und damit zugleich auf die vermittelst dieses Oberbefehls geführte Herrschaft zu verzichten, was jedoch nur die (von ihm beabsichtigte) Folge hatte, daß ihm der Oberbefehl und die prokonsularische Gewalt in allen Provinzen, welche zu ihrem Schutz einer Militärmacht bedurften, förmlich übertragen und ihm zugleich der Ehrenname Augustus beigelegt wurde. Sodann wurden ihm 23 die tribunizische und die konsularische Gewalt, 19 die Befugnis, Verordnungen mit Gesetzeskraft zu erlassen, und endlich 12 das durch den Tod des Lepidus erledigte oberste Priesteramt übertragen. So vereinigte er die sämtlichen bedeutenden öffentlichen Ämter und Befugnisse in seinem Besitz, um unter republikanischen Formen, deshalb aber nicht minder unumschränkt zu herrschen. Die Hauptgrundlage seiner Herrschaft bildete aber das Heer, das erste stehende, wenigstens von größerm Umfang, welches die alte Zeit kennt. Dasselbe bestand in der letzten Zeit seiner Regierung aus 25 Legionen (mit den Hilfsvölkern etwa 300,000 Mann), welche über die Provinzen verteilt waren, und hierzu kamen noch 9 Kohorten Prätorianer von je 1000 Mann zu Fuß und 200 Reitern, welche in Rom und dessen nächster Umgebung standen. So stark aber diese Streitmacht war, so enthielt er sich doch grundsätzlich, sich ihrer zur Erweiterung des Reichs durch Eroberung zu bedienen. Indessen war er doch genötigt, zur Befestigung der römischen Herrschaft in den Provinzen mehrere Kriege zu unternehmen, die jedoch fast sämtlich nicht von ihm, sondern von seinen Feldherren, namentlich von Agrippa, und von seinen Stiefsöhnen Tiberius und Drusus geführt wurden. So mußte in Spanien von 27 bis 19 fast ununterbrochen Krieg geführt werden, um die Herrschaft in dieser Provinz fest zu begründen. Im J. 25 wurden die östlichen Alpen durch die Unterwerfung der Salassier zuerst dem Reich vollständig einverleibt. Ein Feldzug, welchen Tiberius 20 gegen die Parther unternahm, um die römische Schutzherrschaft über Armenien herzustellen, führte zwar nicht zu einer Anwendung der Waffen, hatte aber den vielgepriesenen Erfolg, daß der Partherkönig, durch die Kriegsdrohung erschreckt, die in den Jahren 53 und 36 gewonnenen römischen Gefangenen und Feldzeichen auslieferte. Von größerer Bedeutung aber waren die in den Grenzländern am Rhein und in den Donaugegenden geführten Kriege. Am Rhein wurden die Feindseligkeiten durch einen Einfall der am Niederrhein wohnenden Sigambrer in die Provinz Gallien 16 eröffnet. Auf diesen Anlaß eilte A. selbst an den Rhein, um die Provinz zu schützen; dann aber unternahm Drusus 12-9 wiederholt Einfälle in Deutschland, und durch diese wie durch die weitern Einfälle des Tiberius wurde dem nordwestlichen Teil Deutschlands wenigstens für eine Zeitlang das römische Joch auferlegt, bis die 9 erfolgte Niederlage des Quintilius Varus im Teutoburger Wald (s. Arminius) die Römer wieder auf die Rheingrenze beschränkte. In den Donaugegenden wurden 16-15 die Provinzen Rätien und Vindelizien und dann 14-9 v. Chr. und 6-9 n. Chr. die Provinzen Noricum, Pannonien, Dalmatien, Mösien durch zum Teil sehr blutige Kriege entweder neu gegründet, oder wiederhergestellt und gesichert, wodurch die römische Herrschaft südlich der Donau bis an das Schwarze Meer ausgedehnt wurde. Alle diese Kriege fanden aber, soweit sie von Bedeutung waren, doch nur an den weit entfernten Grenzen des Reichs statt, konnten daher die Ruhe und Wohlfahrt des Ganzen wenig beeinträchtigen. Diese aber zu fördern, war ein Hauptbestreben des A., welches er fortwährend mit Einsicht und Konsequenz verfolgte. Er sorgte für Abstellung der bisherigen Mißbräuche in der Verwaltung der Provinzen, gründete überall Kolonien, legte Landstraßen an, suchte durch Gesetze und andre geeignete Mittel auf Wiederherstellung der Religiosität und alten Sitte zu wirken, verschönerte Rom durch Tempel und öffentliche Gebäude u. a., so daß seine fast ein halbes Jahrhundert füllende Regierung für das durch die vorausgehenden Bürgerkriege erschütterte Reich eine Zeit der Erholung und Wiederherstellung wurde; auch bewies er sich als einen Freund und Gönner der Litteratur, die unter ihm eine verhältnismäßig hohe Blüte erreichte. Seine Regierung war sonach im ganzen eine glückliche und wohlthätige; dagegen wurde er in seiner Familie von schweren Unfällen und Verlusten betroffen. Er war dreimal verheiratet, mit Clodia, Scribonia, Livia; von der zweiten Gemahlin hatte er eine Tochter, Julia, die erst mit seinem Schwestersohn Marcellus, der 23 v. Chr. starb, dann mit Agrippa, der 12 starb, endlich mit Tiberius verheiratet war; Livia brachte ihm die schon früher genannten zwei Söhne Tiberius und Drusus zu. Allein Drusus starb schon 9 auf seinem letzten Einfall in Deutschland, seine Tochter Julia erregte durch ihre Ausschweifungen so großen Anstoß, daß er sie 2 v. Chr. aus Rom verbannte, und die beiden Söhne der Julia aus der Ehe mit Agrippa, Gajus und Lucius Cäsar, starben 4 und 2 n. Chr. in jugendlichem Alter; es blieb daher dem A. nichts übrig, als den Tiberius zu adoptieren (4) und ihn damit (wider seine Neigung) als seinen Nachfolger zu bezeichnen, dem er in seinen letzten Jahren auch die meisten Regierungsgeschäfte überließ. Als dieser 14 nach Illyrien ging, begleitete ihn A. bis Benevent; auf der Rückreise von da starb er 19. Aug. 14 in Nola, 76 Jahre alt, nach 44jähriger Regierung. Seine Thaten sind zusammengestellt in der Steininschrift des Monumentum Ancyranum (s. Angora), herausgegeben von Th. Mommsen (2. Aufl., Berl. 1883) und von Bergk (Götting. 1873). Unter den uns erhaltenen Porträten des A. sind hervorzuheben: die schöne, 1863 in der