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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Bauchzange; Baude; Baudelaire; Baudens; Baudin; Baudissin

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Bauchzange - Baudissin.

des Zwerchfelles das Atmen gehemmt, wodurch Beängstigung entsteht; das Gesicht ist bläulich gefärbt, die Verrichtungen der Unterleibseingeweide sind gehindert, es entsteht Stuhlverstopfung, der Urin wird spärlich abgesondert, der Appetit leidet, und die Kranken kommen in der Ernährung außerordentlich herunter. Die B. ist nur in seltenen Fällen heilbar, da ihr meistens als Ursache unheilbare Leiden zu Grunde liegen. Nach der Entleerung der hydropischen Flüssigkeit durch den Bauchstich, durch harntreibende oder Abführmittel kehrt dieselbe gewöhnlich bald wieder. Vgl. Wassersucht.

Bauchzange (Tiegelzange), eine Zange, deren Arme an einer Stelle halbkreisförmig gebogen sind und beim Schließen einen Ring bilden, in welchem sich ein Schmelztiegel sicher transportieren läßt.

Baude, im höhern Riesengebirge ein einzelnes Haus, das von Hirten, Holzhauern etc. bewohnt wird und den Reisenden als Wirtshaus dient. Die Bauden sind aus übereinander gelegten Balken aufgeführt, meist mit Schindeldächern versehen und haben außer dem Stall zwei Zimmer, in deren größerm sich der gewaltige, Sommer und Winter hindurch geheizte Ofen befindet. Im Winter sind sie oft tief überschneit und die Bewohner monatelang außer Verbindung mit den Thalbewohnern gesetzt.

Baudelaire (spr. bod'lähr), Charles Pierre, franz. Schriftsteller, geb. 9. April 1821 zu Paris, machte sich einen Namen durch die Übersetzung der Werke des amerikanischen Dichters Edgar Poe, von der 1856-1865 vier Bände erschienen. Am meisten Aufsehen aber erregte er durch seine Gedichtsammlung "Les fieurs du mal" (1857), aus der einzelne Partien als unmoralisch durch gerichtlichen Urteilsspruch verpönt wurden. B. glaubt nicht an Reinheit der Seele, weil es ihm selbst daran fehlt. Von einer wahren Manie nach dem Bizarren und Paradoxen getrieben, zieht er die Verirrungen und Nachtseiten des menschlichen Herzens mit raffiniertem Behagen ans Licht und analysiert sie mit anatomischer Genauigkeit. Eine wesentlich veränderte Ausgabe der Gedichte erschien 1861. B. starb 31. Aug. 1867 in einer Heilanstalt zu Paris. Andre Werke von B. sind: "Théophile Gautier" (1859); "Les paradis artificiels, opium et haschich" (1860) und "R. Wagner et Tannhäuser à Paris" (1861). Seine "Œuvres complètes" erschienen 1868-70 in 7 Bänden, zu denen die "Souvenirs, correspondance etc." (1872) eine Ergänzung bilden. Vgl. de la Fizelière u. Decaux, Charles B. (1867); Asselineau, Charles B., sa vie et son œuvre (1868); Ziesing, Charles B. (Zür. 1879); Charavay, A. de Vigny et Charles B. (1879).

Baudens (spr. bodāng oder bodängs), Jean Baptiste Lucien, Chirurg, geb. 3. April 1804 zu Aire, studierte in Paris, fungierte seit 1823 an den Hospitälern zu Lille, Straßburg und Paris, errichtete 1830 in Algier ein Instruktionshospital und lehrte in demselben Anatomie und Chirurgie. 1841 wurde er Vorsteher der militärärztlichen Schule des Val de Grâce, und während des Krimkriegs war er Mitglied des Conseil de santé für das Heer. Er starb 3. Dez. 1857 in Paris. Um die Chirurgie erwarb er sich namhafte Verdienste, und viel hat er zur Klärung der Ansichten über Schußwunden und deren Behandlung beigetragen. Er schrieb: "Clinique des plaies d'armes à feu" (Par. 1836); "Leçons sur le strabisme" (das. 1841); "Nouvelle méthode des amputations" (das. 1842); "La guerre de Crimée, les campements, les abris, les ambulances etc." (2. Aufl., das. 1862; deutsch von Mencke, Kiel 1864).

Baudin (spr. bodäng), 1) franz. Admiral, geb. 1784 zu Sedan, verlor 1808 als Schiffsleutnant im Indischen Meer im Kampf gegen die Engländer einen Arm und ward 1812 Fregattenkapitän. Als er im Juni 1812: 14 mit Munition beladene Fahrzeuge nach Toulon geleitete, ward er von englischen Kreuzern verfolgt, rettete sich in den Hafen von St.-Tropez und griff hierauf mit seinem Schiff eine vereinzelte englische Brigg an, über die er nach einem harten Kampf den Sieg davontrug. Nach der Restauration der Bourbonen pensioniert, gründete er in Havre ein Handlungshaus, das aber infolge der Julirevolution fallierte. B. trat daher wieder in die Kriegsmarine, ward 1838 Konteradmiral und erhielt den Oberbefehl über das gegen Mexiko bestimmte Geschwader von 23 Schiffen. Nach vergeblichen Unterhandlungen eröffnete er 27. Nov. 1838 das Feuer gegen das Fort San Juan d'Ulloa bei Veracruz, das für uneinnehmbar galt, sich aber schon am andern Tag ergab. Die von ihm geschickt und mutig geleiteten Operationen führten 5. Dez. zur Entwaffnung von Veracruz und zur Niederlage der Mexikaner unter Santa Anna. 1839 erhielt B. den Rang eines Vizeadmirals, ging 1840 in einer diplomatischen Sendung nach Buenos Ayres und erhielt den Oberbefehl über die Flotte in den Meeren von Südamerika. 1841 bekleidete er kurze Zeit das Marineministerium, war dann bis 1847 Seepräfekt in Toulon und erhielt 1848 den Oberbefehl über die Flotte im Mittelmeer. Hier intervenierte er 15. Mai im Kampf der Lazzaroni und königlichen Truppen gegen das Volk in Neapel und schützte 18. Sept. Messina gegen die Gewaltthätigkeit Filangieris. Im Juli 1849 durch Parseval-Deschênes abgelöst, zog er sich nach Ischia bei Neapel zurück, wo er, zum Admiral ernannt, 9. Juni 1854 starb.

2) Alphonse, franz. Arzt, Opfer des Napoleonischen Staatsstreichs vom 2. Dez. 1851, geb. 1811 in der Nähe von Nantua (Ain) als Sohn schlichter Landleute, studierte in Paris Medizin und ließ sich dort als Arzt nieder. Als phantastischer Philanthrop und sozialistischen Prinzipien zugeneigt, stand er in intimen Beziehungen zu Blanqui und that sich insbesondere in der Société des Saisons und andern geheimen politischen Umsturzgesellschaften als Redner hervor. Nach der Februarrevolution nahm er an den Unruhen vom 15. Mai 1848 Anteil, wurde verhaftet, mußte jedoch wegen mangelnder Beweise freigelassen werden. In die Nationalversammlung gewählt, schloß er sich der Bergpartei an, unterzeichnete 11. Juni 1849 die von Ledru-Rollin eingebrachte Anklage gegen den Präsidenten der Republik und seine Minister wegen Verletzung der Konstitution, protestierte 30. Okt. gegen den Belagerungszustand und war 2. Dez. 1851 einer der wenigen Unterzeichner des Appells an das Volk. Am 3. Dez. 1851, nach dem Staatsstreich, begab er sich nach dem Faubourg St.-Antoine und bestieg hier, die Verfassungsurkunde als Waffe schwingend, eine Barrikade, wurde aber von den Truppen erschossen. Sein Tod ward in den letzten Jahren des Kaiserreichs als ein Opfertod für Freiheit u. Recht demonstrativ gefeiert; auf dem Kirchhof Montmartre wurde ihm ein Denkmal erichtet.

Baudissin, 1) Wolf Heinrich von, General des Dreißigjährigen Kriegs, geb. 1597 aus einem alten Geschlecht der Oberlausitz, trat in dänische Dienste, ward 1625 Oberst, focht unter Ernst von Mansfeld und übernahm nach dessen Tod 1626 den Oberbefehl über seine Truppen. Nach dem Lübecker Frieden trat er als General in die schwedische Armee ein und kämpfte 1633 mit Erfolg in den Rheinlanden. 1634