Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Beecher

601

Beecher.

und Verfeinerung der Bedürfnisse ein. Häufig werden die Bedürfnisse nach mancherlei Gesichtspunkten klassifiziert, wobei jedoch oft die Begriffe B. und das zur Befriedigung desselben erforderliche Gut verwechselt werden. Dies ist der Fall bei der Unterscheidung zwischen notwendigen und entbehrlichen Bedürfnissen. Ein B. kann dringend, oder es kann die Befriedigung (nicht das B.) aufschiebbar sein. Viele Bedürfnisse, die voraussichtlich in Zukunft eintreten werden, erheischen gegenwärtig schon Vorkehrungen für die spätere Befriedigung. Die Maßregeln werden verschiedene sein müssen, je nachdem das B. regelmäßig in gleicher Größe wiederkehrt oder Intensität und Umfang wandelbar sind, je nachdem es dauernd ununterbrochen wirkt oder nur temporär eintritt. Man spricht hiernach von ordentlichen und außerordentlichen, je nach der Regelmäßigkeit der Wiederkehr; von ständigen und unständigen, je nachdem die Befriedigungsmittel von gleichbleibendem oder wandelbarem Betrag; ferner von stetigen, unterbrochenen, dauernden, temporären etc. Schutzbedürfnisse (sogen. negative) wollen einen vorhandenen Zustand gegenüber drohenden Widerwärtigkeiten erhalten, Nutzbedürfnisse (positive) das Wohlbefinden erhöht haben. Viele Bedürfnisse sind ganz allgemeiner Natur, allen Menschen eigen, andre beschränken sich auf besondere Nationen, Klassen, Stände, Individuen (allgemeine gegenüber besondern). Manche Bedürfnisse werden zweckmäßig durch gemeinsame Wirksamkeit derjenigen, welche sie empfinden, auf dem Weg der Gemeinwirtschaft (Staat, Gemeinde, Korporationen, Vereine etc.) befriedigt; man spricht alsdann von Kollektivbedürfnissen gegenüber individuellen.

Beecher (spr. bihtscher), 1) Lyman, amerikan. Theolog, geb. 1775 zu New Haven im Staat Connecticut, ließ sich 1799 in East Hampton auf Long Island nieder, ward 1810 Prediger zu Litchfield, lebte seit 1826 in Boston, wo seine ältere Tochter, Catherine, eine Mädchenschule leitete, und wurde 1832 zum Präsidenten des Lane Theological Seminary in Cincinnati ernannt. Seinen schriftstellerischen Ruf hatte er inzwischen durch seine vielgelesenen und nicht ohne praktische Erfolge gebliebenen "Predigten über die Mäßigkeit" begründet. Seit 1850 in Brooklyn privatisierend, starb er daselbst 10. Jan. 1863. Seine Werke erschienen gesammelt zu Boston 1852 in 3 Bänden, seine "Autobiography" zu New York 1865.

2) Harriet B.-Stowe, geb. 14. Juni 1812 zu Litchfield (Connecticut) als jüngste Tochter des vorigen, Verfasserin von "Onkel Toms Hütte", trat früh als Lehrerin in die von ihrer Schwester zu Boston gegründete Mädchenschule ein, siedelte mit ihrem Vater 1832 nach Cincinnati über und verheiratete sich hier 1836 mit dem Professor der Theologie, Calvin E. Stowe, der 1850 an das theologische Seminar zu Andover berufen wurde. In Mußestunden beschäftigte sie sich eifrig mit belletristischen Arbeiten und veröffentlichte 1843 ihr erstes, kurze Skizzen und Erzählungen enthaltendes Buch unter dem Titel: "The May-flower" (neue Ausg. 1868). Schon in ihrem frühern Wohnsitz hatte sie sich mit der Sklavenfrage beschäftigt; noch eingehendere Studien und Beobachtungen machte sie, als sie mit ihrem Gatten den Süden wiederholt bereiste und die Pflanzungen von Louisiana, Tennessee, Georgia und den Carolinas, die Sklavenzüchtereien von Virginia, die Negermärkte von New Orleans etc. sah. Die hier empfangenen Eindrücke legte sie in ihrem berühmten, künstlerisch weniger als sozial bedeutenden, die traurige Lage der Neger in den nordamerikanischen Sklavenstaaten darstellenden Roman "Uncle Tom's cabin" nieder, der zuerst in der "National Era" (Juni 1851 bis April 1852), dann als Buch zu Boston 1852 erschien und seitdem in Amerika unzählige Male aufgelegt und in fast alle lebenden Sprachen übersetzt wurde. Auf den Londoner Volksbühnen ward das Buch dramatisiert, und sie selbst bearbeitete den Stoff als Drama unter dem Titel: "The christian slave". Um diesen unermeßlichen Eindruck zu schwächen, den das Werk auf die Förderung der Emanzipationsideen machte, trat eine Mistreß Mary Eastman, welche bis dahin geschickte Bilder des Indianerlebens geliefert hatte, mit dem Gegenroman "Aunt Phillis' cabin" auf, der aber so gut wie wirkungslos blieb. Dagegen gab Frau B.-Stowe 1853 einen "Schlüssel" heraus, worin sie die in ihrem Roman erzählten Thatsachen historisch nachzuweisen suchte. Die Autobiographie des "Onkel Tom" oder des Josiah Hanson, wie er eigentlich hieß, erschien 1879 in Boston. Die Verfasserin bereiste 1853 Europa und wurde überall mit Ehrenbezeigungen überhäuft. Als Frucht dieser Reise erschien das Werk "Sunny memories of foreign lands" (Boston 1854, 2 Bde.). Seit jener Zeit ist sie litterarisch sehr produktiv gewesen und hat eine übergroße Anzahl Werke veröffentlicht, von denen wir nur "Dred; a tale of the great Dismal Swamp" (1856; die neueste Ausgabe führt den Titel: "Nina Gordon"), "The minister's wooing" (1859), "The chimney-corner" (Boston 1868), "Pink and white tyranny" (1871), "My wife and I" (1872) und "Old town folks" (7. Aufl. 1871), eine meisterhafte Schilderung der religiösen Gefühle und Gedanken der Neuengländer im vorigen Jahrhundert, erwähnen wollen. Viel von ihrem Ruhm büßte sie ein durch die Schrift "True story of Lady Byron's life" (1869), worin sie Byron eines verbrecherischen Umganges mit seiner Halbschwester beschuldigte und einen Sturm der Entrüstung erregte, welchen sie durch die Broschüre "Lady Byron vindicated" (1869) vergeblich zu beschwichtigen suchte. Ihre Gedichte, die mehrere Bände füllen, sind meist religiöser Natur. - Ihre Schwester Miß Catherine Esther B., ebenfalls Schriftstellerin, geb. 6. Sept. 1806, gründete 1822 zu Hartford ein Frauenseminar, das sie bis 1832 leitete, war seitdem in gleicher Eigenschaft mehrere Jahre in Cincinnati thätig und wirkte dann als Schriftstellerin für die Idee einer spezifisch christlichen Erziehung der Frauen. Sie starb 12. Mai 1878. Ihre Hauptwerke sind: "Duty of American women to their country"; "House-keeper's receipt-book"; "Moral instructor"; "Truth stranger than fiction", "Common sense applied to religion" u. a.

3) Henry Ward, bedeutender amerikan. Kanzelredner, Bruder der vorigen, geb. 24. Juni 1813 zu Litchfield, studierte Theologie auf dem Lane Theological Seminary in Cincinnati, das sein Vater damals leitete, und war von 1839 an Prediger zu Indianapolis, bis er 1847 einem Ruf an die neugegründete kongregationalistische Plymouthkirche zu Brooklyn folgte. Die eigentümliche Beredsamkeit seiner Predigten, die regelmäßig im Druck erschienen, hat ihm eine zahlreiche, stets wachsende Gemeinde zugeführt; zugleich machte er durch außerkirchliche Vorträge, die er teilweise unter dem Titel: "Lectures to young men" veröffentlichte, wie besonders durch seine Beiträge zum "Independent" und zahlreiche größere und kleinere Schriften seinen Namen zu einem der bekanntesten in der Union. Auf einer Reise nach Europa (1863) hielt er in England öffentliche Vorträge über den amerikanischen Krieg ("A volume of speeches", 1863), die nicht wenig zur