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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Böttchertanz; Bottega; Bottelier; Botten; Bottensee; Bottesini; Böttger

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Böttchertanz - Böttger.

aus dem Leben im Rheinland. Poetische Auffassung und harmonische Farbenstimmung sind allen seinen Werken nachzurühmen, die sich auch durch gute Zeichnung und solide Durchführung auszeichnen. In seinen vielen, meist kleinern Darstellungen aus dem Kinderleben spricht sich ein glücklicher Humor aus. Von Böttchers größern Gemälden sind zu nennen: die Heimkehr vom Schulfest, Abend am Rhein (1860), Sommernacht am Rhein (im Museum Wallraf-Richartz zu Köln), Abend im Schwarzwald (im Museum zu Leipzig), Ernte am Rhein, zum Großvater, Elternfreude, Landhaus am Rhein (1866), Auszug zur Weinlese (1867), Heuernte an der Lahn (1868), Marktbrunnen einer rheinischen Stadt (1870) und Heimkehr vom Feld (1872).

Böttchertanz, s. Schäfflertanz.

Bottega (ital.), Kramladen, Wirtschaft.

Bottelier, auf Schiffen der Herausgeber des Proviants; Proviantmeister auf Kriegsschiffen. Der auf ozeanischen Passagierdampfern die gleiche Thätigkeit entwickelnde Beamte heißt Küper.

Botten (Bothnien), alter Name für die Küstenländer des nach ihnen benannten Bottnischen Meerbusens, die ehemals ganz zu Schweden gehörten, seit 1809 jedoch zum Teil unter russischer Botmäßigkeit stehen. Sie zerfielen in Westerbotten, die jetzigen schwedischen Läne Piteå und Umeå, und in Osterbotten, die finnischen Gouvernements Wasa und Uleåborg umfassend.

Bottensee, See im schwed. Län Skaraborg, 7 km lang, der bei Karlsborg mit dem Wetternsee und durch einen Kanal mit dem Wikensee in Verbindung steht. Er gehört zum System des Götakanals.

Bottesini, Giovanni, Kontrabassist und Komponist, geb. 24. Dez. 1823 zu Crema in der Lombardei, erhielt seine musikalische Ausbildung am Konservatorium zu Mailand, wo er von L. Rossi im Kontrabaßspiel, von Vaccai in der Komposition unterrichtet wurde. 1840 begab er sich auf Konzertreisen, die ihn bis nach Amerika führten und ihm Gold und Ehre in Fülle einbrachten. Doch begnügte er sich nicht mit dem Ruf des größten Kontrabaßvirtuosen aller Zeiten, sondern übernahm schon 1846 die Kapellmeisterstelle an der Italienischen Oper in Havana, die er später mit einer gleichen in Paris, dann in Palermo, endlich in Barcelona vertauschte. Zugleich widmete er sich immer eifriger der Komposition. Seit 1864, nachdem er schon eine Reihe von Arbeiten für sein Instrument sowie vier Opern geliefert hatte, begann er, abwechselnd in Florenz und London privatisierend, seine ganze Kraft der Orchester- und Kammermusik ernsten Stils zuzuwenden, und wenn seine Erfolge auf diesem Gebiet minder glänzend waren als die seiner Virtuosenlaufbahn, so dürfen sie doch als nicht weniger ehrenvoll gelten. Namentlich sprechen seine Bemühungen um Einführung und Pflege der deutschen Instrumentalmusik in Florenz für die Gediegenheit seiner künstlerischen Richtung. Neuerdings hat B. seine Erfahrungen auf dem Gebiet der Technik seines Instruments in einem Unterrichtswerk: "Méthode complète de contre-basse", niedergelegt.

Böttger, 1) (Böttcher oder Böttiger) Johann Friedrich, Erfinder des Meißner Porzellans, geb. 5. Febr. 1685 (nach Angabe aus seiner Büste im Japanischen Palais in Dresden 4. Febr. 1682) zu Schleiz, wo sein Vater Münzwardein war, erlernte in Berlin die Apothekerkunst, trieb auch Alchimie und flüchtete aus Berlin, weil er sich gerühmt hatte, Gold machen zu können, und man ihn deshalb als Adepten festhalten wollte, 1701 nach Wittenberg, ward dort auf preußische Requisition, angeblich wegen verschiedener Veruntreuungen, verhaftet, auf seine Bitte aber unter sächsischem Schutz von dort nach Dresden abgeführt. Hier versprach er, sein Geheimnis Sachsen zu offenbaren, und ward drei Jahre aufs beste verpflegt, ohne jedoch ausgehen zu dürfen. Nach mancherlei Winkelzügen und einem verunglückten Fluchtversuch übergab er 1705 dem König August II. einen Aufsatz, der, voll adeptischen Unsinns, anscheinend mit großer Unbefangenheit abgefaßt ist. Die Nichtigkeit seiner Kunst ward nun zwar bald klar, doch gelang es B., aus einem Thon der Meißener Gegend ein vortreffliches, braunrotes Porzellan darzustellen. Vor den eindringenden Schweden ward B. mit drei Gehilfen auf dem Königstein in Sicherheit gebracht, wo sie ihre Arbeit fortsetzen mußten. Im J. 1707 nach Dresden zurückgeführt, wurde er 1708 mit der Leitung des Porzellanmachens betraut und zuletzt zum Administrator der 1710 zu Meißen errichteten Fabrik ernannt. Bereits 1709 hatte man mit glasiertem und unglasiertem, auch etwas weißem Porzellan die Leipziger Messe bezogen, nachdem an mehrere auswärtige Höfe schon Geschenke abgegangen waren, die außerordentlichen Beifall gefunden hatten. B. aber zeigte sich zum Direktor einer Anstalt wie die Meißner Porzellanfabrik nicht geeignet; überdies schien er aus irgend welchen selbstsüchtigen Absichten das Aufblühen der Anstalt geflissentlich zu hintertreiben, ja er ließ sich 1716 mit gewissen Personen in Berlin wegen Mitteilung seiner Kunst um Geld in eine Korrespondenz ein. Letzteres wurde 1719 entdeckt und hatte die gefängliche Einziehung Böttgers zur Folge, von der ihn jedoch bald der Tod befreite; er starb 13. März 1719 in Dresden. B. war ein guter Laborant, übrigens aber ungebildet und konnte nicht einmal orthographisch schreiben. Vgl. Engelhardt, Joh. Fr. B. (Leipz. 1837).

2) Adolf, Dichter und Übersetzer, geb. 21. Mai 1815 zu Leipzig, empfing seine Bildung auf der Thomasschule und seit 1836 auf der Universität daselbst und widmete sich dann, in seiner Vaterstadt privatisierend, ausschließlich litterarischen Beschäftigungen und dem Studium der neuern Sprachen. Er starb in Gohlis bei Leipzig 16. Nov. 1870. Seinen litterarischen Ruf begründete B. mit seiner 1838 begonnenen Übersetzung von Byrons "Sämtlichen Werken" (Leipz. 1840, 5. Aufl. 1863), welche zugleich von großem Einfluß auf die Richtung seines Talents wurde. Weniger glücklich war er mit der Übertragung Shakespearescher Stücke; dagegen lieferte er in den Übersetzungen der poetischen Werke Goldsmiths (Leipz. 1843), Miltons (das. 1846) und Popes (das. 1842, 4 Bde.), der Ossianischen Gesänge (das. 1847), "Hiawatha" von Longfellow (das. 1856) u. a. wieder Proben einer ungewöhnlichen Sprachgewandtheit. Als selbständiger Dichter hatte sich B. an den poetischen Erzählungen Byrons geschult, und seine Dichtungen: "Düstere Sterne" (Leipz. 1852), "Habana" (das. 1853, 2. Aufl. 1854), "Der Fall von Babylon" (das. 1855) und "Die Tochter des Kain" (Wien 1865) weisen gewisse Vorzüge jener Erzählungen unzweifelhaft auf. Eigentümlicher, anmutiger und beseelter waren die Märchengedichte: "Ein Frühlingsmärchen" (1.-3. Aufl., Leipz. 1849) und "Die Pilgerfahrt der Blumengeister" (Text zu Grandvilles "Fleurs animées", das. 1851, 3. Aufl. 1858). Im Drama versuchte sich B. mit "Agnes Bernauer" (Leipz. 1845, 3. Aufl. 1850), mit mehr Glück zuletzt in der phantastischen Märchendichtung "Das Galgenmännchen" (das. 1870), einer Faustiade im kleinen und jedenfalls einer der sinnigsten Produktionen des Dichters. An die erste Samm-^[folgende Seite]