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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Breda; Bredahl; Brederode; Brederoo

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Breda - Brederoo.

und andre Hügel. Das kulturfähige Land ist von geringer Ausdehnung, und nur 13 Proz. der Oberfläche sind unter dem Pflug, während 32 Proz. auf Wiesen und Weiden, 2 Proz. auf Wald kommen. Die Viehzucht ist von Bedeutung (Viehstand 1884: 37,918 Rinder, 368,973 Schafe, 9419 Schweine). Eisen und Steinkohlen werden im S. gewonnen, Kupfer und Blei im N. Die Eisenindustrie ist von Bedeutung, auch Kupfer und Zinn werden verschmolzen. Hauptstadt ist Brecknock (s. d.).

Breda, Kantonshauptstadt und Festung in der niederländ. Provinz Nordbrabant, am Zusammenfluß der Mark und der Aa und an der Eisenbahn von Benloo nach Rotterdam, hat 7 Kirchen (darunter die reformierte gotische Kathedrale mit dem prächtigen Grabmal des Grafen Engelbert II. von Nassau und seiner Gemahlin, welches Michelangelo zugeschrieben wird), Arsenale, ein Laboratorium, einen Beghinenhof von 20 Häusern, ein 1350 vom Grafen Heinrich von Nassau erbautes älteres Schloß und ein neueres, 1696 von Wilhelm von Oranien, König von England, erbautes. Die Einwohner, (1883) 18,324 an der Zahl, treiben hauptsächlich Tuch-, Teppich- und andre Wollweberei, Strumpfwirkerei und Handel. Es bestehen daselbst eine königliche Militärakademie und eine Bürgerschule. In der Nähe das Lusthölzchen Liesbosch. Im O., S. und W. erstreckt sich die Bredaer Heide, zum Teil jetzt urbar gemacht. Der Kanal von B., 16,5 km lang, verbindet B. mit der Maas. Als Festung (1534 von Heinrich von Nassau gegründet) ist B. seit Jahrhunderten der wichtigste Punkt in der vor der Maas gelegenen Festungslinie, der durch seine morastige, leicht zu überschwemmende Umgegend fast unangreifbar, aber auch ungesund gemacht wird. Am 16. Febr. 1566 unterzeichneten zu B. 16 niederländische Edelleute das sogen. Bredaer Kompromiß, in welchem um Abstellung der von König Philipp II. geschärften Religionsedikte und um Aufhebung der Inquisition gebeten ward. Dieses Aktenstück unterschrieben nach und nach 400 niederländische Edelleute, und es entstand daraus der Geusenbund. Karl II. von England erließ von B. aus im April 1660 vor seiner Thronbesteigung die sogen. Deklaration von B., in welcher er den Engländern Amnestie, Gewissensfreiheit u. a. verhieß. Am 31. Juli 1667 fand hier nach einem mehrjährigen Seekrieg ein wichtiger Friedensschluß statt zwischen Holland und England, in welchem beide Teile die gemachten Eroberungen einander zurückgaben und letzteres eine Milderung der Navigationsakte bewilligte. Belagerungen hat B. viele erfahren. 1581 ward es von den Spaniern durch Überrumpelung genommen, und erst 1590 unter Moritz von Oranien gelang die Rückeroberung durch eine List, indem 70 Soldaten, in einem Torfschiff versteckt, in die Festung gelangten. Im Dreißigjährigen Krieg ward B. 1625 vom spanischen General Spinola nach neunmonatlicher Belagerung, dann 1637 von dem niederländischen Statthalter Friedrich Heinrich von Oranien nach einer Belagerung von elf Wochen erobert und durch den Westfälischen Frieden den Vereinigten Niederlanden zugesichert. Am 25. Febr. 1793 ward es von dem Befehlshaber Grafen Bylandt fast ohne Schwertstreich an den französischen General Dumouriez übergeben, von den Franzosen jedoch nach ihrer Niederlage bei Neerwinden (18. März 1793) wieder geräumt; aber 1795 fiel es, als ganz Holland von Pichegru erobert wurde, aufs neue in die Hände der Franzosen. Als im Dezember 1813 bei der Annäherung der russischen Avantgarde unter Benkendorf die französische Garnison einen Ausfall machte, erhob sich die Bürgerschaft in Masse und verschloß den Franzosen die Rückkehr in die Stadt, die jene von Antwerpen aus 20. und 21. Dez. vergeblich wiederzuerobern suchten.

Bredahl, Christian Hvid, dän. Dichter, geb. 1784, war ein Mitschüler Ingemanns auf dem Gymnasium zu Slagelae, bezog 1801 die Universität, wandte sich aber später aus Liebe zum Naturleben der Landwirtschaft zu und zog sich 1824 auf einen kleinen Landbesitz in der Gegend von Sorö zurück, wo er von seiner Hände Arbeit in Dürftigkeit bis an sein Ende lebte. Er starb 1860. B. war bereits 35 Jahre alt, als er sein erstes Werk, einen Band "Dramatiske Scener" (1819), veröffentlichte, dem dann im Laufe von 14 Jahren fünf weitere Bände desselben Inhalts folgten. Dieselben sind von einer edlen und erhabenen Lebensanschauung erfüllt und durch Formvollendung ausgezeichnet, wurden aber als im Widerstreit stehend mit der Richtung der Zeit von den Zeitgenossen des Dichters nur wenig beachtet. Außerdem gab B. einzelne polemische Schriften heraus, die teils gegen die dänische Romantik (Öhlenschläger und seine Schule), teils gegen den damaligen Realismus (Frau Gyllembourgs "Alltagsgeschichten") gerichtet waren. B. gehört mehr der Aufklärung des 18. Jahrh. an als der Geistesrichtung des 19. Jahrh. Er ist Deist, schwärmt wie Rousseau für den Naturzustand und betrachtet mit finstern Blicken den Einfluß der Kultur auf den Menschen. Er züchtigt in seinen "Dramatischen Szenen" den Hochmut des Adels, die Tyrannei, den Geldgeiz und die Priesterherrschaft; seine Diktion ist stark von Shakespeare beeinflußt. Eine neue Ausgabe seiner "Dramatiske Scener" besorgte Liebenberg (Kopenh. 1855, 3 Bde.).

Brederode, Heinrich, Graf von, Vorkämpfer für die Befreiung der Niederländer von der spanischen Herrschaft, geboren im Dezember 1531 zu Brüssel, stand anfangs in Diensten König Philipps II., trat aber später als Anhänger der Reformation und als Führer des Widerstandes gegen die spanische Regierung auf. Er überreichte 5. April 1566 an der Spitze von 300 Adligen der Statthalterin Margarete zu Brüssel eine Bittschrift, die auf Abschaffung der Inquisition drang, und schlug bei dem darauf folgenden Bankett der Edelleute vor, die Bezeichnung als gueux (Bettler), welche der Minister der Statthalterin, Barlaimont, spöttisch auf die Bittsteller anwendete, als Ehrennamen für seine Partei anzunehmen (s. Geusen). Er warb in allen Städten der Niederlande eifrig für den neuen Bund und versuchte es 1567, Amsterdam zum bewaffneten Widerstand gegen die spanische Herrschaft fortzureißen. Doch scheiterte das Unternehmen, und er mußte nach Deutschland flüchten, wo er 24. Aug. 1568 in Recklinghausen starb.

Brederoo, Gerbrant Adriaentz, der beste holländ. Lustspieldichter des 17. Jahrh., geb. 16. März 1585 zu Amsterdam, anfänglich Malerlehrling, kam als Mitglied der Amsterdamer Rederijkerkammer in Berührung mit den ersten Dichtern und Litteratoren seiner Zeit und machte sich bald populär durch seine Lieder ("Boertigh, amoreus en aendachtigh liedtboeck", 1622), aber am meisten durch seine Lustspiele ("Moortje", 1615; "Spaansche Brabander", 1617; "Stomme redder", 1618, etc.). Er starb noch jung 8. Juli 1618. Seine sämtlichen Werke wurden 1638 und öfter gedruckt. Seine lebhaften Szenen und lebensvollen Charaktere aus dem Volksleben erinnern öfters an die holländische Malerschule des 17. Jahrh. Als Minnedichter steht er neben Hooft. Vgl. ten Brink, Gerbr. Adr. B. (2. Aufl., Utrecht 1871).