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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Bronchialsteine - Bröndsted.

bewegungen so lange fortzusetzen, bis die Schleimmassen aus den feinsten Bronchien entfernt sind. Der chronische B. ist eine überaus verbreitete Krankheit und entwickelt sich fast immer aus häufig wiederholten und verschleppten Katarrhen, welche sich jedes Frühjahr und jeden Herbst einstellen. Während des Sommers sind die Kranken frei oder fühlen sich nur in mäßigem Grad belästigt. Sehr beschwerlich ist der chronische B. dann, wenn aus der kranken Schleimhaut ein grauer und sehr zäher Schleim in geringer Menge abgesondert wird (trockner B.). Der trockne, erfolglose Husten tritt dann in heftigen Anfällen auf, wobei sich das Gesicht dunkelrot färbt und die Patienten das Gefühl haben, als wollte ihnen der Kopf zerspringen. Häufig ist auch dauernde Atemnot, welche sich bis zur Erstickungsgefahr steigern kann, mit dem chronischen B. verbunden. Im Gefolge des letztern entwickelt sich sehr gewöhnlich das sogen. Lungenemphysem (s. d.), selbst Blausucht, Herzvergrößerung und Wassersucht kann sich zu schwerem B. hinzugesellen. Der chronische B. gefährdet zwar im allgemeinen das Leben nicht, aber er ist auch nur in sehr seltenen Fällen heilbar, obschon in seinem Verlauf gewöhnlich zuzeiten eine bedeutende Verminderung der Beschwerden beobachtet wird. - Besondere Erwähnung verdient noch diejenige Form des chronischen Bronchialkatarrhs, wobei große Massen eines schleimig-eiterigen Auswurfs ohne größere Beschwerde expektoriert werden (Blennorrhöe der Bronchialschleimhaut oder Bronchorrhöe). Manche Kranke dieser Art entleeren täglich ½ kg solchen Auswurfs und darüber. Die Kranken ertragen diesen Zustand meist gut und werden oft alt dabei. Doch kommt es zuweilen vor, daß der Auswurf hierbei einen heftigen Gestank annimmt, was darauf hinweist, daß eine faulige Zersetzung des Auswurfs bereits in den Bronchien eingetreten ist. Diese sogen. putride Bronchitis schließt insofern Gefahr für das Leben in sich, als sie auf die Lunge übergreifen und Lungenbrand verursachen kann.

Was die Behandlung des Bronchialkatarrhs anbelangt, so ist im voraus zu betonen, daß man durch vorsichtige Gewöhnung an Temperaturwechsel, kalte Bäder, kalte Abwaschungen etc. den Körper abhärten und gegen B. schützen kann. Sodann ist es wichtig, alle die Ursachen zu vermeiden oder zu beseitigen, welche im Eingang dieses Artikels angegeben worden sind. Namentlich beim chronischen B. ist es oft heilsam, wenn man die Kranken wochenlang im warmen Zimmer zurückhält, oder wenn man sie ein milderes Klima aufsuchen läßt. Im Frühjahr und Herbst empfiehlt sich der Aufenthalt an geschützten Plätzen, wie Baden-Baden, Wiesbaden, Soden etc. Kranke mit trocknem Katarrh befinden sich an waldreichen Seeküsten, solche mit Bronchorrhöe an hoch gelegenen Alpenkurorten verhältnismäßig am wohlsten. Beim B. mit trocknem, quälendem Husten und großer Reizbarkeit der Bronchialschleimhaut sind die narkotischen Mittel (Morphium) und die Mineralwässer von Ems, Selters, Obersalzbrunn etc. anzuwenden. Bei vorhandener Atemnot gibt man Kindern etwas Brechwein oder Brechwurzelsirup, Erwachsenen dagegen eine dreiste Dosis Morphium. Bei sehr reichlichem Auswurf und erschlaffter Bronchialschleimhaut sind im Gegenteil Reizmittel (Aufguß der Senegawurzel, Liquor ammonii anisatus, Kampfer etc.) sowie warmer Brustthee von gutem Einfluß. Wo der Auswurf stinkend wird, gibt man die Griffithsche Mixtur innerlich und läßt Einatmungen von Terpentinöldämpfen vornehmen.

Bronchialsteine, s. Lungensteine.

Bronchiektasie (griech., Erweiterung der Luftröhrenäste), keine selbständig austretende Erkrankung der Lunge, sondern eine Teilerscheinung bei lange dauerndem Bronchialkatarrh oder bei Lungenschwindsucht; nur sehr selten ist sie angeboren und dann meistens vergesellschaftet mit einer blasigen Entartung der Lungenbläschen (Emphysem). Die erworbene B. entsteht durch teilweise Verstopfungen, Stockungen und Überfüllung der Luftröhrenäste mit Auswurf, die angeborne B. durch krankhafte Wasseransammlung in den Lungen zur Zeit der Entwickelungsperiode. Der Form nach teilt man die erstere ein in cylindrische und sackförmige, die letztere in allgemeine blasige Entartungen (Bronchiectasia universalis) und in Erweiterungen der letzten Endbläschen (Bronchiectasia teleangiectatica). Die Symptome, Verlauf und Behandlung entsprechen denen der Hauptkrankheit (vgl. Bronchialkatarrh, Lungenschwindsucht).

Bronchien (griech.), die feinern Verzweigungen der Luftröhre (s. d. und Lunge).

Bronchieren (franz., spr. brongsch-), stolpern.

Bronchitis (griech.), Entzündung der Luftröhrenverzweigungen. Sie ist entweder eine Erkrankung der Schleimhaut, oder sie hat ihren Sitz in den tiefern Schichten der Wand, resp. in dem Bindegewebe, welches die Bronchien umgibt (Peribronchitis). Im erstern Fall ist die B. selbständige Krankheit und zwar eine einfache katarrhalische (s. Bronchialkatarrh) oder eine Form der Bräune (s. d.); im andern Fall ist die B. Teilerscheinung schleppender Entzündungen, namentlich in den Lungenspitzen, welche unter dem Bilde der Schwindsucht verlaufen.

Bronchopneumonie, s. Lungenentzündung.

Bronchorrhöe, s. Bronchialkatarrh.

Bronchotom (griech.), Messer, zur Eröffnung der Luftröhre konstruiert, ist aber nicht gebräuchlich und zur Ausführung der Tracheotomie ungeeignet.

Bronchus (griech.), Kehle, Luftröhre, im engern Sinn die beiden Äste der letztern (s. Luftröhre).

Bróndolo, flache Insel mit gleichnamigem Fort in der ital. Provinz Venedig, südlich von Chioggia, an der Mündung der Brenta, die hier einen Hafen (Conca di B.) bildet, welcher im Mittelalter in den Kämpfen zwischen Genua und Venedig öfters genannt wird.

Bröndsted, Peter Oluf, dän. Archäolog, geb. 17. Nov. 1780 bei Horsens in Jütland, studierte zu Kopenhagen, reiste mit seinem Freund Koes 1806 nach Paris, von da nach einem zweijährigen Aufenthalt nach Italien und Ende 1810 nach Griechenland, wo sich die Engländer Cockerell und Forster ihm anschlossen. Die wichtigste ihrer Entdeckungen ist die Ausgrabung der Tempel des panhellenischen Zeus aus Ägina und des Apollon zu Bassa bei Phigalia in Arkadien. Nach seiner Rückkehr 1813 wurde B. zum außerordentlichen Professor der griechischen Philologie an der Universität zu Kopenhagen ernannt, ging aber 1818, um seine Forschungen besser fördern zu können, als Agent der dänischen Regierung nach Rom. Von dort bereiste er 1820 und 1821 Sizilien und die Ionischen Inseln, begab sich 1824 zum Druck seiner Werke nach Paris, besuchte 1826 England und kehrte 1827 nach Dänemark zurück, wo er zum ordentlichen Professor der klassischen Philologie und Archäologie an der Universität, zum Geheimen Legationsrat und 1832 zum Direktor des Antikenkabinetts und der Münzen- und Medaillensammlung zu Kopenhagen ernannt ward. Er starb 26. Juni 1842.