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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Buckinghamshire; Buckl.; Buckland; Bucklandiaceen; Bucklandit; Buckle

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Buckinghamshire - Buckle.

men the farmer's friend (der Pachterfreund) erhielt. Nach seines Vaters Tod 1839 dem Oberhaus angehörend, ward er 1841 in Sir Robert Peels zweitem Ministerium Großsiegelbewahrer, trat jedoch 1842, da er die Herabsetzung der Kornzölle mißbilligte, zurück. Zufolge seiner verschwenderischen Lebensweise ward er 1848 bankrott und zog sich nun fast ganz von dem politischen Schauplatz zurück, nur daß er im Oberhaus stets im Sinn der Protektionisten stimmte. Er starb 29. Juli 1861. Aus den in seinem Familienarchiv vorhandenen Dokumenten und Korrespondenzen veröffentlichte er: "Memoirs of the court of George III. and the regency" (neue Aufl., Lond. 1860, 2 Bde.); "Courts and cabinets of William IV. and Victoria" (das. 1861, 2 Bde.). Vgl. "The private diary of Richard, first duke of B." (Lond. 1862, 3 Bde.); Mrs. Thomson, Life and times of Richard, duke of B. (das. 1859, 3 Bde.).

5) Richard Plantagenet, Herzog von B. und Chandos, Sohn des vorigen, geb. 10. Sept. 1823, seit 1861 Nachfolger seines Vaters in dessen sämtlichen Titeln und Würden, erwarb sich durch seine Thätigkeit als Direktor mehrerer Eisenbahngesellschaften wieder einiges Vermögen, das er durch eine reiche Heirat vermehrte. Er war 1846-57 Mitglied des Unterhauses, ward 1852 im Ministerium Derby Lord des Schatzes, 1862 königlicher Kommissar bei der internationalen Ausstellung, 1866 in Lord Derbys drittem Ministerium Präsident des Geheimen Rats und endlich im März 1867 an des Grafen von Caernar von Stelle Staatssekretär für die Kolonien, von welcher Stelle er im Dezember 1868, als Gladstone ans Ruder kam, zurücktrat. Nach dem Rücktritt der liberalen Partei 1874 erhielt er keinen Posten im Ministerium, wurde aber 1874 zum Gouverneur der Präsidentschaft Madras in Indien ernannt, wo er bis 1880 verblieb.

Buckinghamshire (spr. böckinghamschir, Bucks), Grafschaft im Innern von England, erstreckt sich von der Themse nördlich bis in das Thal der Öuse, wird von den Grafschaften Hertford, Bedford, Middlesex, Oxford, Northampton, Berkshire und Surrey eingeschlossen und hat einen Flächeninhalt von 1931 qkm (35,1 QM.) mit (1881) 176,323 Einw. Ihren Namen verdankt sie den Buchen, die ihre Gehölze schmücken. Die aus Kreide bestehenden Chilternhügel (290 m) trennen den lieblichen Strich an der Themse von der fruchtbaren Thalebene von Aylesbury, die von der Thame bewässert wird, und diese wird wiederum durch einen Zug Sandhügel von dem nördlichen, dem Becken der Ouse angehörigen Teil der Grafschaft geschieden. Landbau, Milcherei und die Aufzucht von Enten und anderm Geflügel sind Hauptbeschäftigungen. Von der Oberfläche sind 41,2 Proz. Ackerland, 46,1 Proz. Wiesen und Weiden. Viehstand (1884) 72,235 Rinder, 218,571 Schafe, 39,972 Schweine. Die Industrie liefert Spitzen, Papier, Strohhüte, Stiefel und hölzerne (sogen. Windsor-) Stühle. Die römische Watlingstraße durchschneidet die Grafschaft, auch finden sich bedeutende Reste eines alten Walles (Grimesdike). Hauptstadt ist Aylesbury.

Buckl., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für W. Buckland (s. d.).

Buckland (spr. böckländ), 1) William, Geolog, geb. 12. März 1784 zu Axminster in Devonshire, studierte zu Oxford Theologie, dann Naturwissenschaft und wurde 1813 Professor der Mineralogie, 1818 auch der Geologie in Oxford. Im J. 1827 in den engern Rat der Royal Society gewählt, siedelte er 1845, wo er zum Dechanten von Westminster ernannt worden war, nach London über. Seit 1849 geisteskrank, starb er 14. Aug. 1856 in Clapham bei London. Seine beiden Hauptwerke sind die "Reliquiae diluvianae" (2. Aufl., Lond. 1824) und die "Geology and mineralogy considered with reference to natural theology" (zu den "Bridgewaterbüchern" gehörig, das. 1836, 2 Bde.; 4. Aufl. von seinem Sohn, 1869; deutsch. von Agassiz, Neuchâtel 1838-39, 2 Bde.). Letzteres Werk sucht die Resultate der neuern Forschungen, insbesondere die plutonistischen Lehren, mit der biblischen Schöpfungsgeschichte in Einklang zu bringen und hat überhaupt eine theologische Auslegung der geologischen Fakta zum Zweck. Seine 1825 erschienene "Description of the South-Western coal districts of England" gilt noch jetzt als Autorität.

2) Francis Trevelyan, Naturforscher, Sohn des vorigen, geb. 17. Dez. 1826 zu Winchester, studierte Medizin, wurde Wundarzt am St. George's Hospital und 1854 Regimentsarzt bei der englischen Garde, von welcher Stellung er 1863 zurücktrat. Er widmete sich mit Vorliebe den Naturwissenschaften und erwarb sich große Verdienste um die Förderung der Fischzucht. Auf eigne Kosten gründete er in South Kensington ein Museum für Fischzucht, welches Süßwasser- und Seefische sowie die Austernzucht berücksichtigt, wurde 1867 Inspektor der Lachsfischerei in England und 1870 mit der Untersuchung des Einflusses der neuern Fischereigesetze auf die Lachsfischerei in Schottland betraut. Er starb im Dezember 1880. B. schrieb die in mehreren Auflagen erschienenen "Curiosities of natural history" (zuletzt 1877); "Familiar history of British fishes" (1873); "Fish-hatching" (1863); "Log-book of a fisherman and zoologist" (neue Ausg. 1875). Nach seinem Tod erschienen "Notes and jottings from animal life" (1882). Vgl. Bompas, Life of Frank B. (Lond. 1885).

Bucklandiaceen, s. Balsamifluae.

Bucklandit, s. Epidot und Orthit.

Buckle (spr. böckl), Henry Thomas, engl. Kulturhistoriker, geb. 24. Nov. 1821 zu Lee als Sohn eines Kaufmanns, trat in das väterliche Geschäft, widmete sich aber, als sein Vater 1840 starb und ihm ein bedeutendes Vermögen hinterließ, wissenschaftlichen Studien. Hallam und namentlich Bunsen, die seine hervorragende Begabung erkannten, gewannen nachhaltigen Einfluß auf ihn. Als Schriftsteller trat B. zuerst mit "Essays" hervor, zunächst "On liberty" und sodann "On the influence of women". Sein lange vorbereitetes, leider unvollendetes, in viele Sprachen übersetztes Hauptwerk ist die "History of civilisation in England" (5. Aufl. 1874; deutsch, 6. Aufl., Leipz. 1881). Das übrigens ziemlich formlos angelegte Werk erregte ungeheures Aufsehen und eine lebhafte Diskussion. Bewundernswert sind der Fleiß der Forschung, die große Belesenheit, der eindringende Scharfsinn, die philosophische Anlage, mit welcher B. überall das allgemeine Gesetz herauszufinden und festzustellen sucht; aber nicht geringer sind auch die Einseitigkeit und die doktrinäre Übertreibung, womit er auf alle Vorgänge der Geschichte das Gesetz der Kausalität in materialistischem Sinn anwendet, ohne das Moment der Freiheit zu seinem Recht kommen zu lassen. Die psychologische Betrachtung verschwindet vor dem empirisch gewonnenen Naturgesetz strengster Kausalität, dem gegenüber das Individuum nichts ist. Nach Vollendung des zweiten Bandes unternahm B. im Oktober 1861 eine Reise nach dem Orient, erkrankte aber unterwegs am Typhus und starb 29. Mai 1862 in Damaskus. Nach seinem Tod erschienen die "Miscellaneous and post-^[folgende Seite]