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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Catana; Catania

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Catana - Catania.

tar mit Luzerne, Korn, Wein, Tabak etc., und man zählte 201,000 Rinder, 30,000 Pferde und 114,000 Schafe. Der Mineralreichtum der Berge ist groß, aber nur in Andalgala und einigen andern Orten wird Kupfer mit etwas Gold und Silber gewonnen. Die Industrie ist noch unbedeutend. Eine Eisenbahn durchschneidet den südöstlichen Teil der Provinz. - Die Hauptstadt C. (San Fernando de C.) liegt im Valle de las Chacras und am Fuß des 3320 m hohen Ambato, 533 m ü. M. Sie wurde 1680 gegründet, hat eine schöne Kirche, ein Franziskanerkloster (mit früher berühmter Gelehrtenschule), eine höhere Schule (mit Bibliothek und Laboratorium), ein Stadthaus (an dem mit Orangenbäumen bepflanzten Hauptplatz), ein Waisenhaus, schöne Anlagen (Alameda), 5 Kornmühlen, eine Gerberei, 2 Druckereien und (1882) 8000 Einw.

Catana (Catina, griech. Katane), im Altertum ionische Stadt in Sizilien, am südöstlichen Fuß des Ätna, in außerordentlich fruchtbarer Gegend (jetzt Catania), wurde bald nach 730 v. Chr. von Chalkidiern gegründet und erhob sich rasch zu Selbständigkeit und Wohlstand. Hieron von Syrakus verpflanzte 476 ihre Bewohner nach Leontini und versetzte dagegen Syrakusaner und Peloponnesier nach C. Doch bald nach seinem Tod bemächtigten sich die vertriebenen Bewohner ihrer Stadt wieder (461). In der Folge kamen die Athener auf kurze Zeit in den Besitz von C., und dann bemächtigte sich Dionysios der ältere von Syrakus der Stadt durch Verrat. Letzterer verlor hier 394 eine Seeschlacht gegen die Karthager. Seit 263 herrschten in C. einheimische Tyrannen, dann die Römer. Die Stadt war auch noch in späterer Zeit blühend und gewann besonders unter Augustus, welcher hier römische Veteranen ansiedelte, neuen Aufschwung, so daß sie neben Messana die volkreichste Stadt Siziliens war. Von den Ausbrüchen des Ätna hatte sie stets viel zu leiden (s. Catania). Vgl. Holm, Das alte Catania (Lübeck 1873).

Catania, ital. Provinz auf der Insel Sizilien, grenzt nördlich an die Provinz Messina, westlich an Palermo und Caltanissetta, südlich an Siracusa und östlich an das Ionische Meer, hat einen Flächenraum von 5102 qkm (nach Strelbitskys Berechnung 4984 qkm [91,4 QM.]) mit (1881) 563,457 Einw. und zerfällt in die Kreise Acireale, Caltagirone, C. und Nicosia. Den nordöstlichen Teil der Provinz erfüllt die Masse des Ätna; auch ist sie von Verzweigungen des Nebradischen Gebirges durchzogen, die im N., östlich von Troina, 1248 m, südlich davon, im Monte Salice, 1140 und im südlichen Teil, im Monte Fiasca, 691 m erreichen. Zwischen dem Ätna und den Gebirgen im S. dehnt sich die vom Simeto durchflossene Piana von C. (Campi Leontini) aus, die größte Ebene Siziliens, ein überaus fruchtbares Getreideland. Sie ist über 11 km breit, 30 km lang vom Meer bis zu dem 720 m hohen Monte Judica und bildet eine Fläche von etwa 300 qkm, bestehend aus festem Thon, mit Gebröckel vulkanischer Massen gemengt. Die Erzeugnisse der Provinz sind außer Getreide: vorzügliches Olivenöl, vortrefflicher Weißwein (1882 waren 52,500 Hektar mit Wein bepflanzt, deren jährlicher Ertrag sich auf 1 Mill. hl im Wert von 24 Mill. Lire beläuft), ausgezeichnete Südfrüchte, Süßholz, Hanf, Baumwolle, Sumach, Manna, Seide, Soda, Marmor, Schwefel und von Industrieprodukten namentlich Seiden- und Baumwollwaren. Von Wichtigkeit sind der Handel und die Schiffahrt der Provinz. - Die gleichnamige Hauptstadt, am südöstlichen Fuß des Ätna, am Donischen Meer und an der Eisenbahn von Messina nach Siracusa gelegen, ist neben Palermo und Messina die wichtigste und volkreichste, unzweifelhaft aber die schönste Stadt Siziliens, mit Recht la Bella genannt. Die breiten, geraden Straßen, worunter die ungeheuer lange, nachts herrlich erleuchtete Via Stesicorea und Etnea und der die erstere senkrecht durchschneiden Corso Vittorio Emanuele die beiden Hauptlinien bilden, sind mit Lava gepflastert. Unter den vielen herrlichen Plätzen zeichnen sich aus: der Domplatz mit dem Elefantenbrunnen, einer Marmorfontäne von 1736 mit einem antiken Lavaelefanten, der einen Obelisken aus ägyptischem Granit trägt, der Studienplatz u. a., dann der schöne öffentliche Garten Villa Bellini. Unter den Gebäuden sind sehenswert: die große Kathedrale (1094 von Roger gegründet), die Universität, das Stadthaus, das alte Castel Ursino, 1232 unter Friedrich II. erbaut, und das Benediktinerkloster San Niccolò l'Arena, ein nach dem Erdbeben von 1693 errichteter Kolossalbau mit Kirche (berühmte Orgel), das Museum (Gemälde und Altertümer) und die Bibliothek. Die Zahl der Einwohner beträgt (1881) 96,017, die vor allen Süditalienern wegen ihrer Thätigkeit und Betriebsamkeit zu rühmen sind. Man verfertigt viel Seiden- und Baumwollzeuge, Waren aus Bernstein, Lava, Marmor und Holz, ferner Hüte, Seifen und Kerzen, Lakritzensaft und Olivenöl. Haupthandelsgegenstände sind: Wein (10,6 Mill. Lire), Südfrüchte, Öl, Agrumen, Baumwolle, Seide, Ätnaschnee, der namentlich nach Malta geht, Schwefel (1883: 81,376 Ton., meist nach Amerika), Asphalt und Schnitzwaren. Der Wert der Einfuhr belief sich 1883 auf 16,279,933 Lire, der der Ausfuhr auf 29,205,754 Lire. Der Hafen ist nicht tief genug, übrigens jetzt durch einen großen Molo den Verkehrsverhältnissen angemessen erweitert worden. 1883 sind in demselben 3451 Schiffe mit 783,892 T. ein- und 3465 Schiffe mit 796,462 T. ausgelaufen. C. besitzt eine Universität (1445 durch Alfons von Aragonien gegründet) mit 4 Fakultäten, 60 Lehrern, aber 1882 nur 247 Studierenden, einer Bibliothek von 50,000 Bänden und reichen Sammlungen, die Accademia Gioenia delle scienze naturali (naturwissenschaftliche Gesellschaft), ein Lyceum, ein Gymnasium, eine technische Schule, ein landwirtschaftliches Institut, ein Theater, ein Waisen- und ein Findelhaus, zwei Krankenhäuser etc. Das vom Fürsten Biscari gestiftete reiche archäologische Museum ist leider unzugänglich geworden. C. ist Sitz eines Erzbischofs, einer Präfektur, eines Appellhofs, eines Handelstribunals, einer Handelskammer etc. sowie eines deutschen Konsuls. In neuester Zeit wird C. als klimatischer Kurort zum Winteraufenthalt empfohlen, wofür es sich durch seine gestützte Lage, seine milde und sehr gleichmäßige, dabei hinlänglich feuchte Temperatur vorzüglich eignet. Die mittlere Temperatur beträgt im November 12° C. und steigt im März bis 16,8° C. Vgl. darüber Joris, C. als klimatischer Winterkurort (Wien 1873), und Veraguth (Stuttg. 1878).

C. liegt an der Stelle der alten, ganz mit Lava bedeckten Stadt Catana (s. d.), von welcher sich Reste eines großen Amphitheaters und eines Theaters, ein Odeum, ein Gymnasium, ein fast 40 km langer Aquädukt, Bäder (unter der Kathedrale), Brunnen und viele Gräber erhalten haben. C. wurde oftmals von den Ausbrüchen des Ätna und von Erdbeben heimgesucht. 254 n. Chr. wandte bei einem fürchterlichen Ausbruch des Vulkans der Sage nach nur die wundervolle Macht der unlängst gestorbenen

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]