Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cherbourg

995

Cherbourg.

kollegium berufen. Zuletzt (1778-1802) war er Kurator der Universität zu Moskau, wo er 27. Sept. 1807 starb. Die Zeitgenossen haben nach der Mode jener Zeit C. den "russischen Homer" genannt, weil er das französische pseudoklassische Epos auf russischem Boden kultiviert und nach den Regeln Boileaus zwei große epische Gedichte zum Ruhm Rußlands verfaßt hat: "Die Rossiade" ("Rossiàda"), in 12 Gesängen (1779), und "Wladimir", in 18 Gesängen (1785). Im erstern besingt er die Eroberung Kasans durch Iwan den Schrecklichen, im letztern die Erleuchtung Rußlands durch das Christentum. Außer diesen beiden schwerfällig und schwülstig geschriebenen Hauptwerken hat C. noch Dramen, Romane, Fabeln, epische Gedichte, Lieder etc. geschrieben. Sein Hauptverdienst besteht darin, daß er zuerst dem Epos und dem Kunstroman in Rußland Bahn gebrochen hat. Von poetischer Schönheit, die den Leser noch jetzt zu fesseln vermochte, sind bei C. nur die Naturbeschreibungen, in denen zuweilen ein großer, majestätischer Zug waltet. Eine Gesamtausgabe seiner Werke ist nicht erschienen. Eins seiner Werke, das Poem "Die Schlacht bei Tschesme", ist auch ins Deutsche übertragen worden (Petersb. 1773).

Cherbourg (spr. schärbuhr), Arrondissementshauptstadt und Kriegsplatz ersten Ranges im franz. Departement Manche, liegt an der Mündung der Divette in den Kanal, an einer flachen Bucht der Halbinsel Cotentin, 115 km südlich von Portsmouth, dem nächstgelegenen Hafen der englischen Küste, am Ausgangspunkt der von Paris kommenden Eisenbahn, und ist besonders wichtig als der stärkste der fünf großen Kriegshäfen Frankreichs, der, 1858 nach mehr als 60jähriger Arbeit und einem Kostenaufwand von 200 Mill. Frank vollendet, mit seinen Molen und Docks zu den großartigsten Werken der neuern Hydrotechnik gehört. Die Stadt zerfällt in die alte bürgerliche und die neue militärische Stadt. Jene war bis in die neueste Zeit eine teilweise noch ziemlich altmodische normännische Stadt mit weißen Häusern, schmutzigen und schlecht gepflasterten Gassen; sie liegt auf völlig flachem, vom Meer angeschwemmte Boden, gruppiert sich um den "Handelshafen" und hat hinter sich eine Reihe schöner, teils felsiger, teils mit Wald bedeckter Hügel und Thalmulden. An ihrer Westseite liegt der kleine "Winterhafen". Jenseit desselben, im NW., erstreckt sich die militärische Stadt, auf der Landseite von einem Graben und einer 5 km langen Linie von Befestigungen umgeben, auf der Seeseite von breiten Kais eingeschlossen; diese umfaßt den "Kriegshafen" (s. unten). Unter den bürgerlichen Gebäuden Cherbourgs sind hervorzuheben: die Kirche Ste.-Trinité (um 1450 erbaut, neuerlich restauriert, mit verschiedenen Kunstwerken), die ehemalige Abtei du Voeu, die neue Kirche St.-Clément (1850-63 erbaut), das Stadthaus (mit der reichhaltigen Gemäldesammlung Musée Henri, nebst einem Münzkabinett, einer Naturaliensammlung und einer Bibliothek), das neue Hospital (von 1862), die Hallen auf dem Platz des ehemaligen Schlosses u. a. Auf dem Platz vor dem Stadthaus steht die kolossale Reiterstatue Napoleons I. (von Le Veel). C. hat (1881) 35,691 Einw., welche vorzugsweise Schiffbau, Fabrikation von Wirkwaren, Spitzen, Chemikalien, Spinnerei und Gerberei sowie regen Handel treiben. C. hat ein Collège, eine hydrographische Schule, eine Börse, ein Theater, eine städtische Bibliothek von 62,000 Bänden, eine wertvolle Marinebibliothek von 25,000 Bänden und die bereits oben erwähnten sonstigen Sammlungen; es ist Sitz eines Marinepräfekten, eines Handels- und eines Seegerichts, einer Handelskammer und zahlreicher Konsuln. C. ist auch ein besuchtes Seebad, dessen Etablissements 1829 gegründet und 1864 prachtvoll restauriert wurden. Der berühmte Kriegshafen besteht aus drei großen, miteinander in Verbindung stehenden Bassins, welche zusammen eine Flache von 22 Hektar bedecken und 40 der größten Schiffe aufnehmen können. Der äußern Reede zunächst und mit derselben durch einen Kanal verbunden liegt der Vorhafen, nördlich von diesem und mit demselben durch eine Schleuse verbunden befindet sich das Flutbassin, und daneben im W. erstreckt sich der Hinterhafen, der sowohl mit dem Flutbassin als mit dem Vorhafen durch Schleusen verbunden ist. Um sie, besonders aber um den Hinterhafen, gruppieren sich die Wasserdocks, Werften, Zeughäuser, Magazine und Depots, riesenhafte Werkstätten, Maschinenbauanstalten, Ketten- und Ankerschmieden und alle sonstigen Etablissements, die zum Neubau, zur Ausrüstung und zur Verproviantierung von Kriegsschiffen dienen. Die französische Regierung hat übrigens beschlossen, noch ein viertes, in den Felsen auszusprengendes Bassin zur Ausnahme der größten Panzerschiffe herzustellen, dessen Kosten mit 40 Mill. Fr. veranschlagt sind. Die Reede oder der Außenhafen, der zur Ebbezeit fast 14 m Wasser hat, aber in hohem Grade der Versandung unterliegt, ist im N. durch einen riesigen Damm oder Wellenbrecher gegen den Andrang des Meers geschützt und hat eine fläche von 1000 Hektar. Der Steindamm, gebildet von angeschütteten Quadern, die oben mit behauenen Steinen übermauert sind, ist 3712 m lang, an der Basis 200, an der Krone 9 m breit und zerfällt seiner Gestalt nach in zwei ungleich lange, gerade Linien, welche gegen die See hinaus einen sehr stumpfen Winkel bilden. Das kolossale Bauwerk hat allein 67 Mill. Fr. gekostet. Sechs Leuchttürme erhellen Hafen und Reede. C. ist sehr stark befestigt. Auf dem Damm der Reede stehen drei mit den schwersten Geschützen ausgestattete Forts, ein zentrales, ein Ost- und ein Westfort, zwischen welchen fortlaufende Reihen von Batterien angebracht sind. Die Osteinfahrt in die Reede wird außer durch das Ostfort des Dammes durch die gegenüberliegende stark befestigte

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]