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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Chinon; Chiny; Chiococca; Chioggia; Chion

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Chinon - Chion.

matisch unangenehm nach bittern Mandeln, schmeckt brennend bitter, löst sich schwer in Wasser, leicht in Alkohol, siedet bei 238° und bildet mit Säuren kristallisierbare, leicht lösliche Salze. Erhitzt man es mit Jodamyl (welches aus Fuselöl erhalten wird), so entsteht Chinolinamylammoniumjodid, und dieser Körper gibt mit Ätzkali das Cyanin C27H35N2J^[C<sub>27</sub>H<sub>35</sub>N<sub>2</sub>J], welches sehr schön grün metallisch glänzende Kristalle bildet und in Alkohol mit schön blauer Farbe sich löst. Diese Lösung färbt Seide prachtvoll, aber sehr unbeständig blau. Trotz seiner großen Schönheit konnte daher dies Chinolinblau sich nicht dauernd in der Technik behaupten. Vgl. Metzger, Pyridin, C. und deren Derivate (Braunschw. 1885).

Chinon C6H4O2^[C<sub>6</sub>H<sub>4</sub>O<sub>2</sub>] entsteht bei Destillation der Chinasäure und der Blätter vieler Pflanzen (Liguster, Esche, Eiche, Epheu, Ulme) mit Braunstein und Schwefelsäure; es bildet goldgelbe, glänzende, durchdringend jodähnlich riechende Kristalle, löst sich schwer in kaltem Wasser, leicht in Alkohol und Äther, färbt die Haut braun, ist giftig, sehr leichtflüchtig, schmilzt bei 116°, bildet mit Ammoniak smaragdgrünes Chinonamid und bei vorsichtiger Behandlung mit schwefliger Säure Hydrochinon C6H6O2^[C<sub>6</sub>H<sub>6</sub>O<sub>2</sub>], welches in farblosen Blättchen kristallisiert. Ein Zwischenprodukt ist das Chinhydron (grünes Hydrochinon) C12H10O4^[C<sub>12</sub>H<sub>10</sub>O<sub>4</sub>], welches beim Vermischen der Lösungen von C. und Hydrochinon entsteht, schön goldgrün metallisch glänzende Kristalle bildet, in Wasser, Alkohol und Äther löslich ist, beim Erhitzen sublimiert und als Surrogat der metallischen Bronzefarben empfohlen wurde.

Chinon (spr. schinóng), Arrondissementshauptstadt im franz. Departement Indre-et-Loire, an der Vienne und der Eisenbahn von Tours nach der Vendée, mit den imposanten Ruinen eines geschichtlich denkwürdigen Schlosses, der Kirche St.-Mexme, die zum Teil aus der Zeit der Karolinger stammt, einem Collège und (1881) 4234 Einw., welche Handel mit Vieh, Honig und Wachs, Wein und getrockneten Pflaumen treiben. C. ist Geburtsort von François Rabelais. Es war bereits im 5. Jahrh. n. Chr. eine bedeutende Stadt; im Mittelalter hieß es Castrum Caino. Merkwürdig ist das Schloß als Todesstätte Heinrichs II. von England sowie Ludwigs XI. und als Residenz Karls VII. von Frankreich, als die Jungfrau von Orléans zuerst an den Hof kam. Vgl. de Cougny, C. et ses monuments (Chinon 1874).

Chiny (spr. schi-), Stadt in der belg. Provinz Luxemburg, Arrondissement Virton, am Semoy und am Rande des großen Waldes von C., der sich zwischen Neufchâteau und Arlon ausdehnt, mit Leinenindustrie und (1884) 981 Einw. C. wurde im 10. Jahrh. von den Grafen von C. gegründet, deren Gebiet, zwischen Champagne, Lothringen und Lüttich im Herzogtum Luxemburg gelegen, ehedem zur Grafschaft Ardenne gehörte und später (1370) durch Kauf an das Herzogtum Luxemburg kam.

Chiococca R. Br. (Schneebeere), Gattung aus der Familie der Rubiaceen, meist windende Sträucher mit gegenständigen, eiförmigen oder lanzettlichen, glatten Blättern, breiten Nebenblättern, gelblichweißen, in Achseltrauben oder Rispen vereinigten Blüten und kleinen, meist weißen Steinfrüchten, in Südamerika und Australien. C. racemosa Jacq., ein auf den Antillen und Trinidad sowie in den benachbarten Küstenländern Floridas, Mexikos und Südamerikas heimischer Strauch mit anfangs weißen und geruchlosen, dann gelben und wohlriechenden Blüten, liefert in seinem untersten Stammstück und dem kurzen Wurzelkopf mit seinen Ästen die Caincawurzel (Radix Caincae), deren Rinde anhaltend kratzend bitter schmeckt. Die frische Wurzel soll ziemlich stark nach Bibergeil riechen; sie enthält Caincin (Caincasäure), welchem sie ihren Geschmack verdankt, und Kaffeegerbsäure. Eine ähnliche Drogue liefern C. anguifuga Mart., in Brasilien, und C. densifolia Mart., in den Urwäldern der Küstengebirge von Bahia. Die Caincawurzel wird von den Eingebornen gegen den Biß einer Cainana genannten Schlange angewandt; sie kam 1825 durch Martius und v. Langsdorff nach Europa und wurde früher als Diureticum benutzt.

Chioggia (spr. kjoddscha, Chiozza), Distriktshauptstadt und Hafenort in der ital. Provinz Venedig, auf einer Laguneninsel, 26 km südlich von Venedig, 4 km nördlich von der Brentanmündung gelegen, ist auf Pfählen erbaut und durch eine schmale, 250 m lange steinerne Brücke von 43 Bogen mit dem Lido di Brondolo verbunden. Über die schiffbaren Kanäle Lombardo, der die Stadt umzieht, und Vena, der sie in zwei Hälften teilt, führen zehn Brücken. Der Hafen von C. ist der tiefste in den Lagunen und wird durch die Forts Caroman und San Felice geschützt. Mehrere Batterien verteidigen die Vorstadt Sottomarina. Von hier bis zum Fort San Pietro am Nordende des Lido von Pelestrina läuft der "Riesendamm der Murazzi", 20 km lang, 16 m breit, 9,5 m hoch, mit der stolzen Inschrift: "Ausu Romano, aere Veneto". Er hat den Zweck, die Zerstörung der Lidi, des Schutzes der Lagunen, zu verhindern. Die Stadt hat eine breite Straße längs des Venakanals mit Arkaden. Hervorragende Gebäude sind die 1633 von Longhena erbaute Kathedrale und die Kornhalle von 1322. Die Einwohner, deren Zahl einschließlich von Sottomarina (1881) 25,084 beträgt, betreiben etwas Industrie (Spinnerei, Weberei, Spitzenklöppelei, Schiffbau), Gemüsezucht, Schiffahrt und Handel, insbesondere aber Fischerei, welch letztere mit etwa 360 Barken und einer Bemannung von 1600 Köpfen im offenen Meer und mit 1200 Barken in den Lagunen ausgeübt wird. Im Hafen laufen außerdem jährlich ca. 1000 Schiffe mit 21,000 Ton. ein und ebensoviel aus. - C. ist das Fossa Claudia der Römer, seit dem 4. Jahrh. führt es den Namen Clugia. Am raschesten nahm die Bevölkerung während der Einfälle des Radagais, Alarich und Attila in Italien zu, da C. neben Venedig den sichersten Zufluchtsort am Adriatischen Meer darbot. Später kam es unter die Herrschaft Venedigs, das hier ein Tribunat und 672 an dessen Stelle ein Guastaldat errichtete; 706 wurde sogar ein Podestá hierher gesetzt. Nachdem König Pippin die Stadt 809 in einen Schutthaufen verwandelt, erstand sie zwei Jahre später wieder herrlicher als zuvor, erfuhr aber schon 901 noch einmal das Schicksal der Zerstörung durch die Slawen. 1100 verlegte der Bischof von Malamocco seinen Sitz hierher; 1379 fiel C. in die Gewalt der Genuesen (Krieg von C. 1379-81), die es jedoch nach ihrer Niederlage bei C. (23. Dez. 1379) schon im Juni 1380 wieder an die Venezianer verloren; diese behaupteten sich im Besitz der Stadt bis zum Untergang ihrer eignen Selbständigkeit.

Chion, Schüler Platons, aus Heraklea am Pontus Euxinus gebürtig, erschlug 353 v. Chr. den Tyrannen seiner Vaterstadt, Klearchos, und wurde von dessen Leibwache getötet. Man schreibt ihm 17 (wahrscheinlich unechte) Briefe zu, welche zuerst in der Sammlung griechischer Briefe von Aldus (Vened. 1499, 1606), später von Orelli (Leipz. 1816) und von Hercher ("Epistolographi graeci", Par. 1873) herausgegeben wurden.

^[Artikel, die unter C vermißt werden, sind unter K oder Z nachzuschlagen.]