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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Cochlearium; Cochliodus; Cochlospermum; Cochon; Cochonnet; Cochrane

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Cochlearium - Cochrane.

frische Wurzel hat beim Zerreiben einen flüchtig-scharfen, höchst durchdringenden, zu Thränen reizenden Geruch und einen scharfen, brennenden und beißenden Geschmack; sie rötet die Haut und zieht Blasen auf derselben. Früher wurde sie medizinisch benutzt, jetzt ausschließlich als Küchengewürz und Gemüsewurzel. Der wirksame Bestandteil ist ein beim Zerreiben der Wurzel sich bildendes ätherisches Öl, welches, wie es scheint, mit dem ätherischen Senföl völlig übereinstimmt.

Cochlearium (lat.), bei den alten Römern Behältnis zum Mästen der eßbaren Weinbergsschnecken.

Cochliodus, s. Selachier.

Cochlospermum Kunth, Gattung aus der Familie der Bixaceen, Sträucher und Bäume, besonders im tropischen Asien und Australien, mit handförmig geteilten Blättern, großen, gelben Blüten in Trauben und Fruchtkapseln, deren Samen lange Wollhaare besitzen. C. Gossypium Dec., ein schöner, auf den Küsten von Koromandel, Travankor und in Ceylon einheimischer Baum mit fünflappigen, auf der untern Seite filzigen, sehr großen, gestielten Blättern und hellgelben Blüten, die schon vor den Blättern erscheinen, liefert ein braunes, im Wasser nur teilweise lösliches Gummi (Kuteragummi), welches im englischen Handel als geringe Tragantsorte vorkommt; die rote Samenwolle dient zum Polstern. Von C. tinctorium Perot., einem Halbstrauch in Senegambien, dient die Wurzel, Racine de fayar, zum Färben.

Cochon (franz., spr. -schóng), Schwein; unsauberer Mensch; Cochonnerie, Schweinerei, Unthätigkeit.

Cochonnet (franz., spr. koschoneh), ein Kugelspiel, s. v. w. Boccia (s. d.).

Cochrane (spr. kóckren), 1) Thomas C., Graf von Dundonald, brit. Seeheld, geb. 14. Dez. 1775, Sohn des als Chemiker namhaften Archibald C., Grafen von Dundonald, trat schon in seinem 11. Lebensjahr als Midshipman unter seinem Oheim, dem Admiral Alexander C., der 1814 Washington verwüstete, in den Seedienst. Für den kühnen Angriff auf einige französische Kaper in der Bai von Algeciras erhielt er das Kommando der Schaluppe Speedy, mit welcher er im Mai 1801 eine spanische Fregatte bei Barcelona und im ganzen in zehn Monaten 33 Schiffe mit 128 Kanonen wegnahm. Vor dem großen französischen Geschwader unter Admiral Linois aber mußte er die Flagge streichen, ward jedoch ausgewechselt und zum Postkapitän befördert. Seit 1802 Befehlshaber der Pallas von 32 Kanonen, that er sich in den Kämpfen gegen die französische Flotte aufs rühmlichste hervor; auch blieb er auf der See, als er 1806 für Honiton und später für Westminster ins Parlament gewählt worden war. 1809 vernichtete er zehn französische Linienschiffe und einige Fregatten auf der baskischen Reede, wofür er den Bathorden erhielt. Er klagte Lord Gambier, unter welchem er damals stand, der Saumseligkeit an; doch wurde dieser freigesprochen. Um so mißliebiger aber machte sich C. dadurch bei dem Ministerium, das bald Gelegenheit zur Rache fand. Er wurde angeklagt, bei der Ausbreitung falscher politischer Nachrichten behufs einer Börsenspekulation beteiligt gewesen zu sein, und ohne Beweis seiner Schuld 21. Juni 1814 zu 1000 Pfd. Sterl. Geldstrafe, zwölfmonatlichem Gefängnis und Ausstellung am Pranger verurteilt wie außerdem mit Ausstoßung aus dem Haus der Gemeinen, Verlust seines Ranges in der Flotte und des Bathordens bestraft. Das Land war entrüstet über diese Härte, und die Wähler von Westminster wählten C. wieder zu ihrem Vertreter. Nach einjähriger Haft (der Pranger war ihm erlassen, die Geldstrafe von seinen Freunden bezahlt worden) trat er im Parlament als Gegner des Ministeriums auf, nahm aber bald darauf als Admiral der neuen Republik Chile thätigen Anteil an dem Kampfe für die Unabhängigkeit Südamerikas, zeichnete sich auch hier außerordentlich aus und beendigte den Krieg durch die Einnahme Valdivias, des letzten spanischen Postens in Chile, 20. Febr. 1821. Darauf trat C. in die Dienste Brasiliens, dessen Kaiser Dom Pedro ihn zum Marquis von Marañao erhob. Nach Abschluß des Friedens zwischen Brasilien und Portugal bot C. den Griechen seine Dienste an; doch war hier seine Laufbahn nicht sehr glorreich, da er bei dem Präsidenten Kapo d'Istrias nicht die nötige Unterstützung fand. Gegen Ende 1828 kehrte er nach England zurück und widmete sich dem Studium praktischer Wissenschaften und mechanischer Erfindungen. Wilhelm IV. setzte ihn wieder in seinen frühern Posten in der Flotte ein und zwar mit dem Rang eines Konteradmirals. Durch den Tod seines Vaters 1831 ward C. Graf von Dundonald. Als sich durch Revision jenes für C. so unglücklichen Prozesses, die auf Veranlassung der Königin Viktoria vorgenommen worden, seine Schuldlosigkeit herausgestellt, stieg er 1842 zum Vizeadmiral, erhielt 1847 das Großkreuz des Bathordens und ward bald darauf Oberbefehlshaber der in den westindischen und nordamerikanischen Gewässern stationierten Flotte, von wo er 1851 mit dem Rang als Admiral der blauen Flagge zurückkehrte. 1854 ward er Rearadmiral von Großbritannien. C. starb 31. Okt. 1860 in Kensington. Über sein Leben berichtete er in "Narrative of services in the liberation of Chile, Peru and Brazil" (Lond. 1859) und in "Autobiography of a seaman" (1860, neue Ausg. 1873). Letztere fand in dem "Life of Lord C." von seinem Sohn Thomas C. (1869, 2 Bde.) ihren Abschluß. - Ein andrer Neffe des Admirals Sir Alexander C., John Dundas C., nahm in der englischen Marine teil am Kriege gegen Frankreich in Westindien, durchreiste dann zu Fuß den Südwesten Europas, später ebenso Sibirien bis Kamtschatka, worüber er in dem Werk "Narrative of a pedestrian journey through Russia" (Lond. 1824; deutsch, Wien 1825) berichtete, und wandte sich nach seiner Rückkehr nach Amerika, wo er 12. Aug. 1825 zu Valencia in Kolumbien starb.

2) Sir Thomas John, ältester Sohn des oben genannten Admirals Sir Alexander C., geb. 5. Febr. 1789, widmete sich schon 1800 dem Seedienst, ward 1806 Kapitän und wohnte den Expeditionen gegen Quiberon, Belleisle, Cadiz, Ferrol, Ägypten etc. bei. 1806 diente er in Westindien, nahm 1807 das französische Schiff La Favorite und trug viel zur Unterwerfung der Dänemark gehörigen westindischen Inseln bei. 1812 erhielt C. das Kommando der Surprise, und 1825 wurde er Gouverneur und Oberstkommandierender von Neufundland. 1837 für Ipswich ins Parlament gewählt, stimmte er mit der konservativen Partei. 1841 wurde er Konteradmiral und 1844 Oberbefehlshaber in Ostindien. Hier unternahm er 1845 eine glückliche Expedition gegen die Seeräuber des Indischen Archipels und bemächtigte sich 1846 der Hauptstadt des Sultans von Borneo; 1863 ward er Vizeadmiral der Flotte und 1865 Admiral; er starb 19. Okt. 1872.

3) Alexander Dundas Baillie, ältester Sohn des vorigen, geboren im November 1816, erzogen zu Eton und zu Cambridge, war seit 1841 zu verschiedenen Malen Parlamentsmitglied (seit 1870 für

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