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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dionysische Zeitrechnung; Dionysius; Dionysius Exigŭus; Dionysos

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Dionysische Zeitrechnung - Dionysos.

Verfasser mit Recht die langen Reden, in denen er sich als Redekünstler zu zeigen sucht, und die weitläufigen politischen, oft eine große Unkenntnis verratenden Betrachtungen zum Vorwurf gemacht; gleichwohl ist das Werk von nicht geringem Werte, da es auf der Benutzung zahlreicher älterer Quellenschriftsteller beruht und neben Livius die einzige zusammenhängende Darstellung der ältesten römischen Geschichte bildet. Die erste Ausgabe des Originals erschien zu Paris 1546 und 1547 von R. Stephanus, sie enthält aber nur die 10 ersten Bücher der Archäologie und einen Teil der rhetorischen Schriften. Vollständig sind die Ausgaben von Sylburg (Frankf. 1586, mit lateinischer Übersetzung), von Reiske (Leipz. 1774 bis 1776, 6 Bde.), von welcher letztern der Tauchnitzsche Text (das. 1823, 6 Tle.) ein Abdruck ist, Schwartz (Utrecht 1877) und Jacoby (Leipz. 1885 ff.). Die Archäologie allein ist in neuerer Zeit herausgegeben von Kießling (Leipz. 1860-70), übersetzt ist dieselbe von Schaller und Christian (Stuttg. 1827-50, 12 Bdchn.). Von Ausgaben einzelner Schriften sind hervorzuheben: "Dionysii historiographica" von Krüger (Halle 1823); "De compositione verborum" von Göller (Jena 1815) und von Hanow (Leipz. 1868). Die Fragmente sind von Müller (Par. 1848) herausgegeben. Vgl. Weismann, De Dionysio Halic. vita et scriptis (Rinteln 1837); Lors, De Dion. H. etc. (Trier 1840); Kießling, De Dionysii Halic. antiquitatum auctoribus latinis (Leipz. 1858); Jacoby, Die Sprache des D. (Aarau 1874).

6) D. Areopagita, Beisitzer des Areopaggerichts zu Athen, wird Apostelgesch. 17, 34 als vom Apostel Paulus zu Athen für das Christentum gewonnen genannt und soll nach der Tradition als Bischof zu Athen hingerichtet worden sein. Der heil. D. von Paris, welcher nach seiner Enthauptung mit dem Kopf in der Hand noch bis zu dem nach ihm genannten St.-Denis gegangen sein soll und am 9. Okt. in Frankreich verehrt wird, ist eine ganz andre Person und gehört wahrscheinlich dem 3. Jahrh. an. Berühmt wurde der Name des D. durch eine Anzahl ihm zugeschriebener Schriften, welche dem Gebiet der theosophischen Mystik angehören und nicht lange vor ihrer ersten Erwähnung 533 entstanden sein können. Dieselben stellen eine durchgängige Umsetzung der christlichen Dogmatik in die neuplatonische Spekulation dar und leiten die vollkommene Gnosis, die sie versprechen, unmittelbar aus der angeblichen Erfahrung einer im Innern sich vollziehenden realen und übernatürlichen Einigung mit der "überwesentlich übererhabenen Übergottheit" ab. Durch Joh. Scotus Erigena, der ihnen vieles entlehnte, wurden dieselben ins Lateinische übersetzt. Mit der abendländischen Mystik, deren Grundlage sie bilden, mischte sich seitdem pantheistische Sympathie. Die Normalausgabe der Werke des D. lieferte Balthasar Corderius (Antwerpen 1634, 1644 u. öfter, 2 Tle.). Eine deutsche Übersetzung mit Abhandlung gab Engelhardt (Sulzb. 1823, 2 Tle.) heraus. Vgl. Hipler, D., der Areopagite (Regensb. 1861); Schneider, Areopagitica (das. 1884).

7) D. der Große (D. von Alexandria), der bedeutendste Schüler des Origenes, seit 232 Vorsteher der Katechetenschule zu Alexandria und hierauf seit 247 Bischof daselbst, wurde in den Christenverfolgungen unter Decius und Valerian mehrmals verbannt; starb 264 n. Chr. Er war nach der praktischen Seite hin begabter als sein Lehrer, welchen er durch Schrift und Wort verteidigte. Er bekämpfte die Chiliasten und sprach die Apokalypse dem Apostel Johannes ab; in der Dogmatik wurde er Vorgänger des Arius. Vgl. Dittrich, D. der Große von Alexandria (Freiburg 1867); Förster in der "Zeitschrift für historische Theologie" 1871; P. Morize, Denis d'Alexandrie (Par. 1881).

Dionysische Zeitrechnung, s. Ära; vgl. Dionysius Exiguus.

Dionysius (Diniz der Gerechte), König von Portugal, Sohn König Alfons' III. und der Beatrix von Aragonien, geb. 9. Okt. 1261, gelangte 16. Febr. 1279 zur Regierung. Als er dieselbe mit dem Widerruf aller von seinem Vater der Geistlichkeit bewilligten Zugeständnisse eröffnete und auch dem Papst den jährlichen Lehnszins verweigerte, belegte der Papst ihn mit dem Bann und das Reich mit dem Interdikt; D. ließ sich aber dadurch nicht einschüchtern und setzte es in dem 1289 mit dem Papst geschlossenen Konkordat durch, daß ein Amortisationsgesetz den Portugiesen verbot, Grundstücke auf irgend eine Weise der Toten Hand zu übergeben. Bei der Aufhebung des Templerordens nahm er die großen Besitzungen desselben in seine Hand und überwies sie dem neugebildeten Christusorden. Daneben verbesserte er die Rechtspflege, begünstigte den Ackerbau, die Wissenschaften und schönen Künste und hob den Bürgerstand durch freie Städteordnungen. 1290 stiftete er die Universität Lissabon, die er 1308 nach Coimbra verlegte. Seine Regierung erhob so den Staat auf eine hohe Stufe des Wohlstandes und der Macht. In seinen letzten Lebensjahren entstand ein langer Streit zwischen seinen beiden Söhnen, indem der rechtmäßige Thronerbe Alfonso mit der angeblichen Bevorzugung des Alfonso Sanchez, eines natürlichen Sohns des Königs, unzufrieden war. Der Krieg, der infolgedessen zwischen Vater und Sohn entstand, wurde erst kurz vor dem Tode des D., besonders durch die Bemühungen der Königin Isabella, beigelegt. D. starb 7. Jan. 1325 und hinterließ den Ruhm des Begründers der Größe Portugals.

Dionysius Exigŭus (der "Kleine" oder "Geringe", wie er sich aus Bescheidenheit selbst nannte), 530 Abt eines Klosters in Rom, gestorben daselbst um 556, gilt als Urheber der Dionysischen Jahresrechnung (s. Ära), die aber schon 465 von Victorin oder Victorius aus Aquitanien aufgestellt war, während D. nur den Anfang des Jahrs vom Karfreitag auf den ersten Weihnachtstag verlegte. Wichtiger ist D. als erster namhafter Urheber einer den päpstlichen Primat begünstigenden Sammlung von Kirchengesetzen, die er um 526 aus 50 sogen. Kanons der Apostel, aus den berühmtesten griechischen und lateinischen Konzilienbeschlüssen und den Dekretalen der römischen Bischöfe von Siricius bis Anastasius II. zusammenstellte.

Dionysos (Bakchos, lat. Bacchus oder Liber, in den Mysterien Iakchos), nach der Mythologie der Alten der Gott der Triebkraft der Natur, des Feuchten, Saftigen, der Saftfrucht, besonders des Weins. Erster Pflanzer des Weinstocks und Weinbereiter (Lenäos, "Kelterer"), schafft D. als "Sorgenbrecher" (Lyäos) Lebensgenuß, fördert Liebe und Gesang, überhaupt gesellige Bildung und ist daher dem Eros wie den Horen, Grazien und Musen samt Apollon nahe verwandt. Als Gott aller Fruchtbarkeit und Zeugung hat er zu Symbolen den Phallos, den Granatapfel, Weinrebe und Weinlaub, Epheu, den Thyrsos, d. h. einen Stab, ursprünglich mit Epheublättern bekränzt, später mit Pinienapfel bekrönt. Insofern dem Wein aber auch eine mächtig aufregende, begeisternde, berauschende Kraft innewohnt, ist D. fer-^[folgende Seite]