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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dorsum; Dort; Dortmund

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Dorsum - Dortmund.

Dorsum (lat.), Rücken; auch die Rückseite der Hand; an Pflanzen die untere Seite der Blätter.

Dort, Stadt, s. Dordrecht.

Dortmund (lat. Tremonia, altfranz. Tremoigne), Stadt (Stadtkreis), im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, an der Emscher, liegt in der unter dem Namen Hellweg bekannten fruchtbaren Ebene zwischen der Lippe und dem Haarstrang und ist ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt der Köln-Mindener, der Bergisch-Märkischen, der Rheinischen, der Westfälischen Staatsbahn und der D.-Gronau-Enscheder Bahn. Die frühern Festungswerke sind seit 1863 in Anlagen verwandelt und jetzt mit einem Kriegerdenkmal geschmückt. Unter den ältern Gebäuden zeichnen sich aus: die Reinoldikirche mit restaurierten Glasgemälden im gotischen Chor, die Marienkirche (Schiff aus dem 11. Jahrh.), die Petrikirche mit merkwürdigem Altar und die Dominikaner- oder Johanniskirche mit schönem Kreuzgang im ehemaligen Kloster (jetzt katholisches Schulgebäude). Das alte Rathaus aus der Übergangszeit vom romanischen zum gotischen Stil ist behufs eines Neubaues zum Abbruch bestimmt. Beachtenswerte neuere Gebäude sind: die kathol. Liebfrauenkirche, das Oberbergamt, das städtische Krankenhaus, das Gymnasium, das Landgerichtsgebäude, der Vieh- und Schlachthof. Die Stadt, welche 1846 erst 8732 Einw. besaß, zählte 1880: 66,544 und 1884: 75,500 Einw. (42,500 Evangelische, 31,200 Katholiken, 1000 Juden, 800 Altkatholiken). Sie verdankt ihren Aufschwung ihrer Lage inmitten des westfälischen Kohlenbeckens; die im Stadtbezirk belegenen Steinkohlenzechen Friedrich Wilhelm, Vereinigte Westfalia und Tremonia förderten 1883: 518,884 Ton. Darauf gestützt, entwickelte sich eine großartige Eisenindustrie, vertreten durch Hochöfen, Eisen- und Stahlwerke, Maschinenfabriken. Das größte Werk dieser Art ist die Union, Aktiengesellschaft für Bergbau und Eisen- und Stahlindustrie, welche 1883 mit 7227 Arbeitern 1,116,822 T. im Wert von 36,2 Mill. Mk. produzierte. Der Wert der Produktion von sechs andern Anstalten bewegt sich zwischen 900,000 und 2 Mill. Mk. Spezialitäten sind Fabriken für Bergwerksbedarf, Drahtseilerei, Werkzeugmaschinen, feuerfeste Schränke, Nähmaschinen. Die Zinkhütte der Stollberger Aktiengesellschaft verarbeitet hier die Erze aus Ramsbeck. Der tiefe Lehmboden hat bedeutende Ziegeleien mit Ringofenbetrieb hervorgerufen und der Getreide- und Holzhandel große Dampf-Mahl- und Holzschneidemühlen. Die 30 Brauereien, welche 1884 ca. 480,000 hl Bier im Wert von 8,640,000 Mk. produzierten, arbeiten stark für das Ausland. Seit 1872 besitzt D. auch eins der großartigsten Wasserwerke in Deutschland, welches das Wasser aus dem Ruhrthal bei Schwerte zuführt, hat Gasleitung und Kanalisation sowie Straßenbahnen mit Pferde- und Dampfbetrieb. An Unterrichtsanstalten hat D. ein Gymnasium, ein Realgymnasium, eine städtische Gewerbeschule und besitzt eine reiche historische Sammlung. Von Vereinen bestehen: ein Landwirtschaftlicher Kreisverein, ein Gartenbauverein für Westfalen, ein Musikverein, ein Historischer Verein für D. und die Grafschaft Mark, ein Verein der technischen Grubenbeamten. D. ist Sitz des westfälischen Oberbergamtes, der Eich- und Fabrikinspektion für Westfalen, eines Hauptsteueramtes, eines Eisenbahnbetriebsamtes, ferner eines Landgerichts (für die acht Amtsgerichte zu D., Hamm, Hörde, Kamen, Kastrop, Soest, Unna und Werl), einer Reichsbankhauptstelle (1884 Gesamtumsatz 782 Mill. Mk.), des Dortmunder Bankvereins und einer Handelskammer für Stadt und Kreis. Der Magistrat besteht aus 12, die Stadtverordnetenversammlung aus 42 Mitgliedern. Von Zeitungen erscheinen hier außer der "Rheinisch-Westfälischen Zeitung" noch drei Lokalblätter. Als ein Denkmal der Vergangenheit zeigt man auf dem Bahnhof der Bergisch-Märkischen Eisenbahn in der Nähe des Stationsgebäudes eine uralte, morsche Linde und vor derselben einen Tisch und eine Bank von Stein. Auf dem Tisch ist der Reichsadler ausgehauen. An dieser Stelle sollen weiland die Femgerichte, für welche D. ein Oberstuhl war, gehalten worden sein, und König Friedrich Wilhelm IV. befahl deshalb, bei dem Eisenbahnbau die Stelle zu schonen. Der sogen. Freigraf, der hier noch bis 1802 seine Gerichtsbarkeit handhabte, war ein städtischer Beamter. Von den frühern Klöstern und Konventen sind das Jungfrauenstift zum Kohlgarten und ein Teil der "Klausen", die in Armenhäuser verwandelt sind, übriggeblieben.

Geschichte. D., an dessen Stelle schon im 8. Jahrh. eine Ansiedelung (Trutmund) bestand, führt seinen Ursprung auf Heinrich I. zurück, der hier eine Pfalz besaß. Die Ottonen hielten hier häufig Hof und hatten hier eine Münzstätte. Eine Reihe von Dortmunder Münzen aus jener Zeit befindet sich seit 1873 im Berliner Museum, eine andre (zu Dobra bei Plock gefunden) im Besitz der kaiserlichen Archäologischen Kommission zu Petersburg. Diese weisen als ältesten Namen der Stadt Therotmanni nach, der dann die verschiedenartigsten Formen angenommen hat: Theromanni, Trutmanni, Dorpmunde etc. Kaiser Heinrich II. hielt in D. 1005 eine Kirchenversammlung und 1016 einen Reichstag. Zwischen 1253 und 1258 wurde das Dortmunder Recht zuerst aufgezeichnet, aber erst ein Jahrhundert später erwarb die Stadt die Hälfte der Gerichtsbarkeit und besaß fortan in Gemeinschaft mit dem Grafen den dortigen Freistuhl: Die Dortmunder Kaufleute wurden zollfrei im ganzen Reich, wodurch sich die Stadt zum Rang einer freien Reichsstadt erhob. Zur Blüte aber gelangte sie vornehmlich durch ihren Beitritt zur Hansa. Besonders wichtig wurde D. durch seine hervorragende Teilnahme an der Ausbildung des altsächsischen Städterechts, indem das Soester und Dortmunder Stadtrecht von den deutschen Kolonisten in die Ordensländer, unter anderm bis Dorpat, verpflanzt wurde. Die Verpfändung der Stadt durch König Wilhelm an das Erzstift Köln (1248) und durch Albrecht I. an den Grafen von der Mark (1301) gab im 14. Jahrh. Anlaß zu heftigen Fehden zwischen den Pfandinhabern, in denen die Stadt nur mit Mühe ihre Reichsfreiheit behauptete. Um 1400 erreichten die Zünfte durch einen Aufstand das Zugeständnis der Vertretung im Rate. Die Stadt wurde 1504 mit der Grafschaft, deren Inhaber bisher auf der dortigen Burg gewohnt hatte, von Maximilian I. belehnt und erlangte dadurch die Herrschaft über ein Landgebiet von über 80 qkm (1½ QM.) mit 13 Dörfern. Man hat ihre damalige Bevölkerung, sehr übertreibend, auf 50,000 angegeben, während sie früher schwerlich deren mehr als 18,000 gehabt hat. Sie verfiel im Dreißigjährigen Krieg und fing erst nach dem Siebenjährigen Krieg wieder an, sich zu erholen. Durch den Reichsdeputationshauptschluß kam D. mit Fulda und Höxter 1803 an Nassau-Oranien; 1808 wurde es mit dem Großherzogtum Berg vereinigt und 1815 mit

^[Abb.: Wappen von Dortmund.]