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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Dortrecht; Dorum; Dorure; Dŏry; Doryläon; Doryphoren; Dos; Dos-à-dos; Dosa; Dose; Doseh; Dosenniveau; Dosis; Dosithĕus

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Dortrecht - Dositheus.

Preußen. Das Wappen bildet der einköpfige schwarze Reichsadler im silbernen Feld, über dem Wappenschild liegt eine Mauerkrone. Die alten Stadtfahnen sind gelb und blau. Nach D. ist der Dortmunder Rezeß benannt, der hier 10. Juni 1609 zwischen dem Kurfürsten Johann Siegmund von Brandenburg und dem Pfalzgrafen Philipp Ludwig von Neuburg in Beziehung auf den jülich-kleveschen Erbfolgestreit geschlossen wurde, und dem zufolge beide Teile bis zur völligen Ausgleichung dieses Streits das streitige Land gemeinschaftlich verwalten ließen. Vgl. Fahne, Die Grafschaft und freie Reichsstadt D. (Köln 1854-59, 4 Bde.); Thiersch, Geschichte der Freireichsstadt D. (Dortm. 1854, Bd. 1); Becker, Das Dortmunder Wandschneiderbuch (das. 1871); "Beiträge zur Geschichte Dortmunds" (das. 1875-1878, 3 Bde.); Röse, Dortmunder Chroniken (das. 1880); "Dortmunder Urkundenbuch" (hrsg. von Rübel, das. 1881); Frensdorff, Dortmunder Statuten und Urteile (Halle 1882).

Dortrecht, s. Dordrecht.

Dorum, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Stade, Kreis Lehe, mit Amtsgericht, evang. Kirche und (1880) 907 Einw.; der kleine Hafen Dorumer Siel liegt 6 km von D., an der Mündung eines von D. kommenden Siels in das Wattenmeer. Das frühere Amt D. umfaßt das Land Wursten, ein sehr fruchtbares Marschland an der Wesermündung.

Dorure (franz., spr. -ühr), Vergoldung.

Dŏry (griech.), der 2-2½ m lange, meist von Eschenholz gefertigte Hoplitenspeer der alten Griechen, wurde meist zum Stoß gebraucht und lief vorn in eine zweischneidige Spitze aus; auch sein andres Ende wurde mit einem spitzen eisernen Schuh bewehrt. Die Doryphoren (s. d.) hatten von dem D. ihren Namen.

Doryläon, im Altertum Stadt im nördlichen Phrygien, am Fluß Thymbres (jetzt Pursak) in einer weiten Ebene gelegen, mit warmen Bädern und einem wichtigen Straßenknoten. Jetzt Eski-Schehr.

Doryphoren (griech., "Speerträger"), Trabanten, Leibwächter. Besonders bekannt waren die D. der Perserkönige, die, wegen ihrer Speere mit goldenen Äpfeln (melon) auch Melophoren genannt, aus den sogen. Unsterblichen ausgewählt wurden und den König auf Reisen und Feldzügen begleiteten. -

Den Namen Doryphŏros trägt auch eine berühmte Statue des Polyklet, die in zahlreichen Wiederholungen (in Neapel, Rom, London etc.) erhalten ist und eine der wuchtigsten männlichen Gestalten der alten Kunst darstellt. Vgl. Diadumenos und Kanon.

Dos (lat.), s. Mitgift.

Dosa (Dózsa), Georg, Anführer im ungar. Bauernkrieg 1514, aus dem Flecken Dalnok im Szeklerland gebürtig, deshalb auch häufig Georg Szekely genannt, zeichnete sich als Hauptmann eines Reitertrupps bei der Belagerung von Belgrad aus und wurde dafür mit einer goldenen Kette ausgezeichnet. Er wurde darauf vom Erzbischof von Gran an die Spitze eines zu einem Kreuzzug gesammelten Heers von 60,000 Mann gestellt, kam aber auf den Gedanken, an der Spitze dieser Macht der Rächer und Befreier seines Volkes zu werden. D. wandte sich gegen Szegedin ohne Erfolg und schlug bei Csanád in einer zweitägigen Schlacht den Bischof Csaky und Stephan Báthori, welche die Stadt entsetzen wollten, übte schreckliches Vergeltungsrecht für die auf dem Rákoser Feld hingemarterten Brüder und proklamierte sich von seinem Hauptquartier in Czegléd aus als "Feldherr des Kreuzheers" (belliger cruciferorum), "Unterthan des Königs und nicht der adligen Herren", als Rächer aller seinen Standesgenossen angethanen und zugedachten Unbilden. Während die andern Heerhaufen im Norden in mehreren Schlachten, namentlich bei Erlau, fast vernichtet wurden, verstärkte sich sein Heer durch neuen Zuwachs. Nach zweimonatlicher Belagerung war die Festung Temesvár ihrem Fall nahe, als der Woiwod von Siebenbürgen, Johann von Zápolya, D. überraschte und schlug. D. selbst ward mit seinem Bruder Gregor gefangen und unter entsetzlichen Martern, die er heroisch aushielt, hingerichtet. Vgl. Márki, Georg D. und seine Empörung (Budapest 1884).

Dos-à-dos (franz., spr. do-sa-dō), "Rücken gegen Rücken", im Gegensatz zu vis-à-vis, von Tanztouren, wobei die Tanzenden mit dem Rücken gegeneinander zu stehen kommen; auch eine Art von Salondiwan.

Dose, im allgemeinen ein durch einen Deckel verschlossenes Kästchen zur Aufbewahrung gewisser Gegenstände, aus Holz, Porzellan, Alabaster, Serpentin, Gold, Silber, Zinn, Elfenbein, Perlmutter, Schildkrot, Muscheln, Pappe, Papiermaché etc. Großer Luxus wurde seit der Mitte des 18. Jahrh. mit Schnupftabaksdosen (Tabatieren) aus Gold getrieben, welche man mit Edelsteinen, Perlen und kunstvollen emaillierten Gemälden (Dosenstücken), Spieluhren (Dosenuhren) etc. versah. Auch gegenwärtig ist es noch Sitte der Souveräne, goldene Dosen zu verschenken. Tuladosen bestehen aus einer Silberkomposition und sind mit Niello verziert. Dosen aus Holz und Elfenbein werden bisweilen mit Schnitzereien versehen, solche aus Holz, Leder, Papiermaché mit Malereien dekoriert oder einfach lackiert. Die Fabrikation der Dosen aus Papiermaché (Müllerdosen und Stobwassersche Dosen) ist der Gegenstand einer ziemlich bedeutenden Industrie in Berlin, Braunschweig, Schmölln im Altenburgischen u. a. O.; auch die schottischen Holzdosen, mit gegittertem Muster bemalt und lackiert, sind beliebt. Im Elsaß werden einfache, meist eirunde Dosen aus Birkenholz in großer Menge gefertigt. Blechdosen zur Aufbewahrung der verschiedensten Dinge, die vor der Einwirkung der Luft und vor dem Austrocknen geschützt werden sollen, werden auf Maschinen hergestellt, welche das Blech entsprechend zerschneiden und die ausgeschnittenen Platten durch Druck in die gewünschte Form bringen.

Doseh (Dozeh, "Sich-treten-lassen"), das Hinwegreiten des Scheichs der Saadi-Derwische in Ägypten über die auf dem Boden dicht nebeneinander ausgestreckten Leiber der Mitglieder seines Ordens (60 und mehr Leute), wobei dieselben angeblich nicht verletzt werden. Das D. findet an dem großen Feste des Geburtstags des Propheten (Môlid en Nebi) am elften Tag des dritten Monats statt.

Dosenniveau, s. Libelle.

Dosis (griech., "Gabe"), die Gewichts- und Maßmenge eines Arzneimittels, welche man auf einmal zu reichen pflegt; s. Arzneimittel.

Dosithĕus (D. Magister), Grammatiker, verfaßte gegen Ende des 4. Jahrh. n. Chr. zum Unterricht für griechisch redende Knaben eine lateinische Grammatik mit wörtlicher, aber nicht vollständig durchgeführter griechischer Übersetzung (Ausg. von Keil in "Gramm. latini", Bd. 7, Leipz. 1880). Ob die derselben angehängten Übersetzungsstücke (hermeneumata), darunter ein für die Rechtswissenschaft wichtiger Abschnitt: "De juris speciebus et manumissionibus" (auch "Fragmentum Dositheanum" genannt),