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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Fackelkraut - Fadenpilze.

der F., mit denen bisweilen auch die Thürklopfer verbunden wurden, großer Fleiß verwendet. In den innern Räumen (Höfen, Sälen etc.) wurden auch Kandelaber als F. aufgestellt, in welche die in der Dunkelheit Ankommenden ihre Fackeln hineinsetzten.

Fackelkraut, s. Verbascum.

Fackellauf, s. Fackel.

Fackeltanz, s. Fackel.

Fackelzug, s. Fackel.

Façon (franz., spr. -ssóng), Form, äußeres Ansehen von etwas, besonders in der Industrie angewendet; Art und Weise, Lebensart; in der Mehrzahl (Façons) s. v. w. Umstände, Förmlichkeiten; F. de parler, Art, sich auszudrücken, Redensart; vgl. Fashion.

Façonnerie (franz.), das Modeln oder Blümeln der Zeuge etc.; façonnieren, modeln, mustern, daher façonniert, von Stoffen mit eingewebten Mustern; Façonneur, Mustermacher, dagegen Façonnier, einer, der Umstände oder Komplimente macht.

Facsimile, s. Faksimile.

Facta (lat.), Mehrzahl von Factum (s. d.).

Facta moderatione (lat.), nach erfolgter Ermäßigung (der Kosten).

Factor, s. Faktor.

Factory-Maund, ostind. Gewicht, = 33,668 kg.

Factum (lat., Mehrzahl Facta), das Gethane, Geschehene, Thatsache, Begebenheit; facto, durch die That, thätlich (s. De facto); in facto, in der That, wirklich; ipso facto, eigenmächtig; F. culposum, s. v. w. Culpa; F. dolosum, s. v. w. Dolus; F. naturae, natürliche, zufällige Begebenheit, Zufall. - Facta communia, Handlungen, die mit gegenseitiger Einwilligung des Klägers und Beklagten vorgenommen werden; F. concludentia, Thatsachen oder Handlungen, woraus sich etwas mit Gewißheit folgern läßt, entscheidende Thatsachen; F. infecta reddi non possunt, Geschehenes kann nicht ungeschehen gemacht werden; F. loquuntur, Thatsachen reden.

Faecula (lat., Diminutiv von faex, "Hefe"), ein aus gepreßten Pflanzensäften sich zu Boden setzendes Mehl, namentlich Stärkemehl.

Facultas (lat.), "Fähigkeit", etwas zu thun (vgl. Fakultät); F. docendi, Lehrbefähigung; Examen pro facultate docendi, die Prüfung auf die Befähigung für das Lehramt an höhern Schulen (s. Lehramtsprüfung).

Fadäse (auch Fadeur, franz., spr. -dör), Albernheit, Abgeschmacktheit; fade (seit dem 18. Jahrh. bei uns eingeführt), s. v. w. schal, abgeschmackt, läppisch.

Fadejew (Fadejeff), Rostislaw Andrejewitsch, Militärschriftsteller, geb. 1826 als Sohn eines russischen Staatsrats und einer Fürstin Dolgorukij, trat 1842 aus der Artillerieschule zu Petersburg in die Armee, diente 15 Jahre im Kaukasus, nahm am asiatisch-türkischen Krieg und an der Belagerung von Sebastopol teil, war Adjutant des Feldmarschalls Barjatinskij und dann des Großfürsten Michael Nikolajewitsch. 1864 zum Generalmajor befördert, lebte er teils in Moskau, teils in Petersburg und trieb militärische und politische Schriftstellerei. Er polemisierte namentlich gegen die Reformen des Kriegsministers Miljutin mit Sachkenntnis, aber Heftigkeit und erhielt wegen seiner leidenschaftlichen Haß gegen Deutschland und Sympathien für Frankreich atmenden panslawistischen Schrift "Die russische Kriegsmacht" (Mosk. 1868; deutsch von Eckardt, Leipz. 1870) 1871 seinen Abschied. 1875 ging er in besonderer Mission nach Ägypten, und 1877 wurde er nach Serbien und Montenegro gesandt, wo er an der Belagerung von Antivari teilnahm. 1881 erhielt er durch Ignatiew Anstellung bei der Oberpreßverwaltung in Petersburg, starb aber 12. Jan. 1884 in Odessa. Er schrieb: "Sechzig Jahre aus den Kaukasuskriegen" (Tiflis 1860) sowie "Briefe aus dem Kaukasus" (Petersb. 1865); ferner: "Meine Ansicht über die orientalische Frage" (das. 1870; deutsch in "Neueste Schriften", Teschen 1871); "Briefe über die gegenwärtige Lage Rußlands" (Leipz. 1881).

Fadejewinseln, s. Neusibirische Inseln.

Faden (engl. Fathom, franz. Brasse), Längenmaß, meist zu Tiefenmessungen und Garnmaß, Oberstufe des Fußes (meist à 6 Fuß). Der englische F. = 1,8288 m, der französische = 1,624 m, der holländische = 1,884 m, der spanische (braza) = 1,672 m, der portugiesische (braça, Brasse) = 2,2 m, der preußische und dänische = 1,883 m, der schwedische (famm) = 1,781 m, der russische (saschén) = 2,134 m. Für andre Zwecke, insbesondere als Brennholzmaß, wird dasselbe Maß gewöhnlich Klafter (s. d.), als Bergwerksmaß Lachter (s. d.) genannt. Als Garnmaß ist der F. die Länge eines Haspelumfanges und demnach sehr verschieden. 100 englische F. = 182,878 m bilden eine Kabellänge, welche in Deutschland und Österreich jetzt 185 m (0,1 Seemeile) beträgt. In andern Staaten rechnet man eine Kabellänge = 120 F., im britischen Reich 1/8 Seemeile = 126,7895 F. = 231,871 m.

Faden, in der Heraldik ein schmaler, über den Wappenschild gezogener Schrägbalken, welcher, schrägrechts, vom rechten Obereck nach dem linken Untereck gezogen, eine jüngere oder Nebenlinie, schräglinks einen unehelich Gebornen (Bastard, daher Bastardfaden) aus dem Geschlecht bezeichnet (s. Figur). Wenn der F. abgekürzt wird, heißt er Einbruch (rechter oder linker) und hat als solcher seine Stelle im Herzen des Schildes.

^[Abb.: Faden.]

Fadenalgen, s. v. w. Konferven, s. Algen.

Fadenbakterie, s. Bacillus.

Fadenglas, s. Millefiori.

Fadenkreuz, zwei sehr feine Fäden (Spinnenfäden, sehr feine Metalldrähte, Seidenkokonfäden), welche über einen Ring gespannt sind und sich in dessen Mittelpunkt kreuzen, werden in Fernrohren und Mikroskopen im Brennpunkt des Okulars angebracht, um den Mittelpunkt und die Lage zweier senkrecht aufeinander stehender Durchmesser des Gesichtsfeldes anzugeben und dadurch einen zu genauen Messungen erforderlichen Anhalt zu gewinnen. Nach Bedürfnis spannt man auch mehrere Fäden in dem Ring aus, welche dann ein Fadennetz (Fadenmikrometer) bilden. Haltbarer sind dünne Glasplättchen mit sehr feinen eingerissenen Linien. Bei nächtlichen Beobachtungen werden die Fadenkreuze durch eine seitliche Lampe beleuchtet. Das Verdienst, das Fernrohr statt der frühern Diopter eingeführt und mit F. versehen zu haben, scheint mehreren zu gebühren; man nennt insbesondere Jean Baptiste Morin (1634) und William Gascoigne (1640). Vgl. Fernrohr.

Fadenmalerei, s. v. w. Stickerei; auch Nachahmung von gewebten Stoffen oder von Stickereien durch die Malerei.

Fadenmikrometer, s. Fadenkreuz.

Fadenmühle, mechan. Vorrichtung zur Herstellung von Posamentierwaren, namentlich der Gold- und Silberborten.

Fadenpilze (Hyphomycetes), Pilze mit fadenförmigen Mycelien und Konidienbildung, sind meist Entwickelungsstadien gewisser Askomyceten.