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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Gebärmutterkrankheiten

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Gebärmutterkrankheiten.

Gebärmutter entsteht entweder plötzlich, nämlich wenn frisch entbundene Frauen das Bett zu früh verlassen und sich wohl gar noch gröbern Körperanstrengungen unterwerfen, oder allmählich, außerhalb des Wochenbettes, infolge übermäßiger körperlicher Anstrengungen, Heben schwerer Lasten u. dgl. Der Vorfall der Gebärmutter ist für die damit behafteten Frauen ungemein lästig: der bloßliegende Schleimhautüberzug des Vorfalls ist gewöhnlich entzündet und mit Geschwüren besetzt, weil die vorgefallenen Teile beim Gehen und durch die Verunreinigung mit Harn etc. beständig gereizt werden. Die Behandlung des Vorfalls besteht darin, daß man die Gebärmutter in ihre normale Lage zurückbringt und in dieser durch sogen. Pessarien oder Mutterkränze zu erhalten sucht (vgl. Mutterhalter), oder in hochgradigen Fällen darin, daß man operativ Stücke der vordern oder hintern Scheidenschleimhaut herausschneidet und durch künstlich angelegte Nähte der Gebärmutter eine befestigte Lage gibt. - Die Neigungen oder Versionen der Gebärmutter sind dadurch charakterisiert, daß die Gebärmutter als Ganzes bald nach hinten (Retroversion), bald nach vorn (Anteversion) in verschieden hohem Grad umgelegt erscheint. Die Beugungen oder Flexionen der Gebärmutter dagegen bestehen darin, daß die Gebärmutter in der Gegend des Halses eine Knickung erleidet, wobei der Grund der Gebärmutter nach vorn (Anteflexion) oder nach hinten (Retroflexion) oder nach der Seite (infractio lateralis) gewendet ist. Die Ursachen dieser Lageveränderungen liegen teils in einer eigentümlichen Schlaffheit der Gebärmutter und ihrer Befestigungsmittel, teils darin, daß die übermäßig gefüllte Harnblase oder der mit Kotmassen dauernd überfüllte Mastdarm und ähnliche Momente die Gebärmutter aus ihrer Lage drängen. Auch hier besteht die Behandlung darin, daß man die Gebärmutter aufrichtet, in ihre normale Lage zurückbringt und in dieser durch ein Pessarium zu erhalten sucht. Die Anwendung dieser erst seit wenigen Jahren in die Behandlung eingeführten intra-uterinen Pessarien gestattet die freie Bewegung des Körpers. - Die Umstülpung (inversio uteri) entsteht in ihrer reinen Form nur kurz nach einer Entbindung, namentlich dann, wenn die Frauen in der Nachgeburtsperiode übermäßig mitpressen, oder wenn gewaltsam an der Nabelschnur gezerrt wird, während der Mutterkuchen noch fest an der Wand der Gebärmutter ansitzt. Es tritt dann der Grund der schlaffen Gebärmutter durch den weiten Muttermund hervor; ja, es kann sogar eine vollständige Umstülpung der ganzen Gebärmutter und der Mutterscheide nach außen eintreten. Auch große Geschwülste der Gebärmutter, welche in die Mutterscheide hereinwachsen, können den Grund der Gebärmutter langsam nach sich ziehen und dadurch allmählich einen gewissen Grad von Umstülpung herbeiführen, worin ein sehr erschwerendes Moment für später notwendig werdende operative Eingriffe liegt. - Die Emporzerrung oder Elongation der Gebärmutter besteht in einer Zerrung dieses Organs in die Länge und wird bewirkt durch Geschwülste, welche mit der Gebärmutter zusammenhängen und bei fortschreitendem Wachstum im kleinen Becken keinen Platz mehr haben, so daß sie in die Bauchhöhle emporrücken und die Gebärmutter dahin nachzerren. - Die Blutgeschwulst (haematometra) entsteht, wenn der Abfluß des Menstrualbluts durch mechanischen Verschluß verhindert ist. Auch Eiter, Schleim, Wasser können unter ähnlichen Voraussetzungen in der Gebärmutterhöhle sich ansammeln (hydrometra, Sackwassersucht der Gebärmutter) und das Organ zu einem dünnwandigen, selbst cystenartigen Sack umbilden. - Die Ansammlung von Luft und zwar von Fäulnisgasen in der Höhle der frisch entbundenen und schlaffen Gebärmutter bedingt die Windgeschwulst derselben (physometra). Die Behandlung dieser Zustände ist stets eine operative. - Entzündungen der Gebärmutter sind entweder akute, und dann sehr gefährliche Folgen des Wochenbettes, oder sie sind chronische Erkrankungen, welche bei den erwähnten Lageveränderungen der Gebärmutter sich einstellen und unter den wechselvollen Symptomen auftreten, die unter Amenorrhöe, Dysmenorrhöe, Weißer Fluß und Frauenkrankheiten eingehender erörtert sind. - Die Entzündung des Zellgewebes in der Umgebung der Gebärmutter heißt Parametritis, diejenige des Bauchfellüberzugs der Gebärmutter Perimetritis; beide kommen vorzugsweise im Wochenbett (s. d.) vor. - Gebärmutterblutungen (Metrorrhagien) erfolgen entweder in regelmäßigen Perioden vom Beginn der Geschlechtsreife (s. Menstruation), oder während der Schwangerschaft und Geburt (s. d.), oder endlich infolge tiefer Gewebserkrankungen der Gebärmutterwand, namentlich krebsiger Geschwüre derselben. Je nach der Ursache und dem Grade der Blutung ist die Behandlung verschieden. Die Menstrualblutung erfordert höchst selten ärztliche Eingriffe; während der Schwangerschaft wird häufig eine Fehlgeburt durch Blutungen angekündigt, und hier ist sofort ärztliche Hilfe einzuholen. Noch vorsichtiger sind größere Blutverluste gegen den Beginn der Geburt aufzunehmen, da sie oft fehlerhaften Sitz des Mutterkuchens anzeigen und schleunige Entbindung mit Kunsthilfe notwendig machen. Nur wenn Schwangerschaft sicher auszuschließen ist, sind kalte Einspritzungen bei ruhiger Lage, Ausstopfen der Scheide mit Scharpieballen, Darreichung von Ergotin u. dgl. am Platz.

Von den Geschwülsten und Neubildungen der Gebärmutter sind folgende zu nennen: 1) Die Schleimhautpolypen der Gebärmutter sind birnen- oder keulenförmige, gestielt aufsitzende, manchmal auch flach und breit aufsitzende örtliche Schleimhautwucherungen, welche mit schlauchförmigen Drüsen oder kleinen schleimhaltigen Cysten versehen sind und von der Höhle der Gebärmutter oder dem Halskanal ausgehen, durch letztern nicht selten in die Scheide herabragen und vermöge ihrer Zartheit und ihres Gefäßreichtums gern zu Blutungen führen. Solche Polypen sind mit keinen erheblichen Beschwerden verknüpft, auch nicht gerade gefährlich zu nennen und lassen sich leicht durch Abbinden oder Abschneiden entfernen. - 2) Die Fasergeschwülste (Myome) der Gebärmutter sind feste, meist kugelförmige, aus sehnigem Fasergewebe und glatten Muskelfasern, oft auch aus weicherm und dann gefäßreichem Schleimgewebe bestehende Geschwülste, welche sich ursprünglich stets in der eigentlichen Substanz der Gebärmutter, also zwischen Schleimhaut und Bauchfellüberzug derselben, entwickeln und langsam zu oft kolossaler Größe heranwachsen können. Solche Fasergeschwülste können im Verlauf einiger Jahre ein Gewicht von 10-15 kg sowie einen schrecklichen Umfang erreichen, sie treten bald einzeln, bald zu mehreren auf, kommen namentlich im Alter von 30-40 Jahren und später vor. Je nach ihrer Lage unterscheidet man Myome, welche inmitten der Gebärmutterwand (intraparietal) liegen, von solchen, die mehr kugelige Vorwölbungen des Bauchfelles (subseröse Myome) oder Vorstülpungen der Schleimhaut (submuköse Geschwülste) darstellen. Die letztern werden mitunter durch wehenartige Zusammenziehungen wie durch