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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hartmann von Aue - Hartt.

theater in Wien einlud und 1867 für dasselbe engagierte. Seit 1868 Gattin des Hofschauspielers und Regisseurs Ernst H. (geb. 8. Jan. 1844), erhielt sie 1870 die Ernennung zur wirklichen Hofschauspielerin. Frau H. spielt mit vollendeter Naturwahrheit und besitzt, wie Laube ihr nachrühmte, die gewinnende Natürlichkeit eines unbefangenen, fröhlichen Wesens, das echt empfindet und diese Empfindung einfach ausdrückt. Davon legen besonders Zeugnis ab ihr Lorle ("Dorf und Stadt"), Louis ("Pariser Taugenichts"), Grille, Hermance ("Kind des Glücks"), Helene ("Vornehme Ehe"), Dörte ("Hans Lange") u. a.

Hartmann von Aue (Owe), mittelhochd. Dichter, um 1170 aus einem edlen Geschlecht in Schwaben geboren, war Dienstmann der Herren von Aue und nahm teil am Kreuzzug von 1197 (oder schon 1189?). Über seine weitern Schicksale ist nichts bekannt. Gottfried von Straßburg erwähnt ihn in seinem um 1210 gedichteten "Tristan" noch als Lebenden; Heinrich von dem Türlin beklagt ihn in der "Krone" (um 1220 gedichtet) als einen Toten. Unter Hartmanns erzählenden Dichtungen ist "Erec" (hrsg. von M. Haupt, Leipz. 1839, 2. Ausg. 1871; neuhochd. von Fistes, 2. Aufl., Halle 1855) am frühsten (bald nach 1190) gedichtet. Dann kommt dem Alter nach "Gregorius vom Steine", eine nach französischem Vorbild bearbeitete Legende (hrsg. von Lachmann, Berl. 1838; von Paul, Halle 1873 und 1882; übersetzt von Fistes, 2. Aufl., das. 1855; von Pannier, Leipz. 1883), wovon man 1875 auf Schloß Spiez am Thuner See eine neue vollständige Handschrift entdeckt hat (abgedruckt in Paul und Braunes "Beiträgen zur Geschichte der deutschen Sprache", Bd. 3); darauf die liebliche, nach einer schwäbischen Volkssage gedichtete Erzählung "Der arme Heinrich", jetzt sein populärstes Werk (hrsg. von den Brüdern Grimm, Berl. 1815; von Lachmann in seiner "Auswahl", das. 1820; von W. Müller, Götting. 1842; von Haupt, 2. Aufl., Leipz. 1881; von W. Wackernagel, Basel 1885; Handschriften-Faksimile-Ausgabe, Kiel 1880; übersetzt von Simrock, 2. Aufl., Heilbr. 1875), und "Iwein mit dem Löwen" (hrsg. von Benecke und Lachmann, Berl. 1827, 4. Aufl. 1877; dazu das Wörterbuch von Benecke, Götting. 1843; neuhochd. von W. v. Baudissin, Berl. 1845; von Koch nebst dem "Armen Heinrich" im "Ritterbuch", Bd. 1, Halle 1848). Letztere Dichtung, welche wie "Erec" den Gegensatz zwischen Heldentum und Liebe, zwischen der Hingebung an die Ritterpflichten und der Freude am thatenlosen häuslichen Glück schildert, ist noch vor 1205 verfaßt, da Wolfram von Eschenbach im fünften Buch seines "Parzival" auf ihn anspielt. Ob "Der arme Heinrich" jünger oder älter als "Iwein", läßt sich nicht sicher entscheiden. "Erec" und "Iwein" gehören dem Sagenkreis vom König Artus an, und beiden liegen französische Gedichte von Chrétien de Troyes zu Grunde. Als Erzähler zeichnet sich H. durch freie, natürliche Bewegung der Rede sowie Gewandtheit und Anmut des Vortrags aus. Seine frischen und lebendigen "Lieder" finden sich in "Des Minnesangs Frühling" von Lachmann und Haupt (3. Aufl., Leipz. 1882); dazu kommen noch zwei "Büchlein", poetische Liebesbriefe, die in liebenswürdiger Naivität einen Wortkampf zwischen Leib und Herz darstellen (abgedruckt in Haupts Ausgabe des "Armen Heinrich"). Eine kritische Gesamtausgabe der Dichtungen Hartmanns lieferte neuerdings Fedor Bech (Leipz. 1866-1869, 3 Bde.; 2. Aufl. 1870-73). Vgl. Schreyer, Untersuchungen über das Leben und die Dichtungen Hartmanns von Aue (Schulpforta 1874); L. Schmid, Stand, Heimat und Geschlecht des Minnesängers H. (Tübing. 1874); Lippold, Über die Quelle des Gregorius Hartmanns von Aue (Leipz. 1869); Settegast, Hartmanns Iwein, verglichen mit seiner altfranzösischen Quelle (Marb. 1873); P. Cassel, Die Symbolik des Blutes und der arme Heinrich des H. v. A. (Berl. 1882).

Hartmannsdorf, Dorf in der sächs. Kreishauptmannschaft Leipzig, Amtshauptmannschaft Rochlitz, an der Linie Wittgensdorf-Limbach der Sächsischen Staatsbahn, hat bedeutende Handschuh-, Gummiborten- und Strumpfwarenfabrikation, Serpentin- und Sandsteinbrüche und (1885) 4802 evang. Einwohner.

Hartmäuligkeit, zu geringer Grad von Empfindlichkeit des Pferdes gegen die Wirkung des Gebisses, infolgedessen es schwer zu lenken ist, häufig bei Pferden von trägem Temperament; auch bei Dummkoller findet sich H. in der Regel. Starker, schwerer Kopf und breite, stumpfe Laden lassen auf das Vorhandensein der H. schließen. Abhilfe gewährt bei manchen Pferden die Applikation eines dicken oder eines gedrehten Gebisses.

Hartmeißel, s. Kaltmeißel.

Hartmetall, s. v. w. Hartzinn oder Pewter, s. Britanniametall.

Hartnack, Edmund, Optiker, geb. 9. April 1826 zu Templin in der Ukermark, erlernte das Mechanikergewerbe bei Hirschmann in Berlin, arbeitete seit 1847 in Paris bei Ruhmkorff, dann bei dem Mikroskopiker Oberhäuser, übernahm dessen Geschäft und associierte sich 1864 mit dem aus Polen geflüchteten Professor der Mathematik, Prazmowski. 1870 aus Paris vertrieben, siedelte er nach Potsdam über, wo er ein neues Institut für den Bau von Mikroskopen begründete, und verkaufte sein Pariser Geschäft 1879 an Prazmowski. H. hat sich durch seine vortrefflichen Instrumente wesentliche Verdienste um die Mikroskopie erworben. Er führte das von Amici erfundene Immersionssystem in die Praxis ein, verbesserte mit Prazmowski das Nicolsche Prisma und konstruierte einen eignen Beleuchtungsapparat. Er wurde von der medizinischen Fakultät zu Bonn honoris causa zum Doktor ernannt und erhielt 1882 von der preußischen Regierung den Professortitel.

Hartriegel, Pflanzengattung, s. Cornus und Ligustrum.

Hartriegelpflanzen, s. Korneen.

Hartschier (Hatschier, verstümmelt aus dem ital. Arciere, franz. Archer, "Bogenschütze"), Bezeichnung der Mitglieder der Leibgarde einzelner Herrscher (Bayern). Vgl. Arciere.

Hartschlägigkeit, s. Dämpfigkeit.

Hartschlaglot, s. Lot.

Hartschnaufigkeit, s. Kehlkopfspfeifen.

Hartt, Charles Frederic, Naturforscher, geb. 23. Aug. 1840 zu Fredericton in New Brunswick, studierte Naturwissenschaften am Acadia College, bereiste schon als Student zum Zweck geologischer Forschungen Neuschottland, trat 1861 als Mitarbeiter in Agassiz' naturhistorisches Museum zu Cambridge, machte dann mehrere wissenschaftliche Reisen nach Brasilien, wurde 1868 zum Professor der Geologie an der Cornell University ernannt und starb 18. März 1878 in Rio de Janeiro, das inzwischen seine zweite Heimat geworben war. Die Resultate seiner geologischen Erforschung von New Brunswick bilden einen Teil von Dawsons Werk "Acadian geology". Außerdem schrieb er: "Geology and physical geography of Brazil" (1870) und zahlreiche Monographien in amerikanischen und brasilischen Zeitschriften. Einige von ihm im Manuskript