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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Himalaja

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Himalaja (Teile, Geologisches, Klima, Gewässer).

schnitt von S. nach N. zeigt folgenden Aufbau. Den Bergketten ist eine mit Gerölle angefüllte und von Grundwasser wie vom Wasser zahlreicher Gebirgsbäche getränkte, gegen die indische Ebene sanft geneigte Thalmulde, die Tarai, vorgelagert, die Nepal gegenüber eine Breite von 50 km erreicht und nach beiden Seiten hin abnimmt; ihre Enden liegen im W. am Dschilam, im O. bei Goalpara. Den Nordrand der Tarai bezeichnen Sandsteinschichten mit Gipfeln bis zu 1000 m Höhe, im Zentrum Siwalik genannt. Die Abhänge dieses Bhabar genannten Hügellandes sind mit Sal- und andern Nutzbäumen dicht bestanden und schließen von Geröllablagerungen angefüllte schmale Thäler ein, die der Hauptkette parallel verlaufen und Dun heißen. Dicht hinter diesen Thälern von 8-16 km Breite beginnt das Hauptgebirge. Die auslaufenden Kämme steigen rasch an. Der Kulturboden liegt nur im westlichen H. häufiger am Fluß; sonst befinden sich die Felder auf Terrassen, bald 20 m, bald höher über dem Fluß in der Höhe des alten Seebodens, den die fortschreitende Tieferlegung der Flußbetten trocken gelegt hatte. Die im untern Teil stark bewachsenen Thäler werden zu kahlen, stark geneigten Hochthälern, auf beschwerlichen Pässen wird der Kamm überstiegen. Es ist die erste oder südliche Hauptkette, die zugleich die größte Höhe erreicht. Darauf folgt der Zentralzug; der Zwischenraum ist durch sanft geneigte, Ebene oder Maidan genannte Hochthäler ausgefüllt. Der Nordabhang fällt steil zum Indus ab; jenseit desselben erhebt sich die Gangri- oder Kailaskette. Dahinter breiten sich Hochthäler und unwirtliche Steppenplateaus aus; ihren Abschluß bildet als Wasserscheide zwischen Indien und Innerasien die nördliche Hauptkette, auch Karakorum genannt und als solcher auch vom H. getrennt, so daß die tiefe Spalte, in welcher die Flüsse Indus, Satledsch und Tsangpo (Brahmaputra) verlaufen, den H. vom Karakorum als eignem Gebirgszug scheidet. - In geologischer Beziehung zeigen alle Gipfel und Erhebungen des H. eine in hohem Grad kristallinische oder porphyrische Beschaffenheit, wie sie vulkanischen Gesteinen eigen ist, die allmählich in andre weniger kristallinische übergehen, wie Trachyt, Feldspat und Grünstein, die schließlich von Asche, Agglomeraten, Lateriten und kompaktem azoischen Schiefer überdeckt sind. Diese Anordnung wurde durch eine der Hauptrichtung des Gebirges von NW. nach SO. parallel laufende Reihe von Vulkanen bewirkt, die beim Beginn der Steinkohlenformation erloschen zu sein scheinen. Im einzelnen ergibt sich folgender Querdurchschnitt. Von der Ebene an bilden tertiäre Gesteine die untern Schichten bis zu Höhen von 1000 m; auf diese folgt Gneis, zuweilen mit einigen dem Granit ähnlichen Adern; kristallinische Gesteine treten als Gneis und Glimmerschiefer, Hornblende etc. meist erst im Zentralzug auf; nach diesen Schiefern folgt östlich vom Satledsch, dessen Lauf mit einer sehr wichtigen geologischen Grenze zusammenfällt, eine sehr versteinerungsreiche sedimentäre Schicht der silurischen Formation, während westlich davon Gesteine der plutonischen und metamorphischen Gruppe dem Gebirge einen ganz andern Charakter verleihen.

Was die Einteilung dieses über 24 Längengrade sich erstreckenden Gebirges betrifft, so ist diese sehr verschieden; aber die Dreiteilung ist vorherrschend und entspricht den Hebungsverhältnissen sowie den Unterschieden hinsichtlich der Bevölkerung: 1) West-H., vom Indusdurchbruch bis zum Satledschdurchbruch; 2) Mittel-H., von da bis zum Arun, dem östlichsten und Hauptquellfluß der Kosi; 3) Ost-H., von da bis zu dem Scheidegebirge im O. Assams. Der ganze H. füllt den Raum von dem 73.- 97.° östl. L. v. Gr. aus; seine Länge kommt der Entfernung zwischen Griechenland und Spanien gleich. Die höchsten Gipfel liegen im mittlern H., an der Grenze von Nepal zwischen dem Dhawalagiri (83½° östl. v. Gr., 8176 m) und dem Kantschindschinga an der Grenze von Sikkim (88°, 8582 m), welche beide als die höchsten Berge Asiens angesehen wurden, bis der zwischen ihnen liegende Gaurisankar oder Mount Everest (8839 m) sie in Schatten stellte. Im West-H. erhebt sich der "K 2" oder Dapsang genannte Gipfel zu 8619 m Höhe, ist demnach der zweithöchste Berg der Erde. - Das Klima ist im ganzen H., den schmalen Strich von Sikkim ausgenommen, das von den tropischen Seewinden erreicht wird, ein kontinentales. Die Abnahme der Lufttemperatur mit der Höhe beträgt nach H. v. Schlagintweit auf 100 m 1/10° C., und die Jahrestemperatur kommt in den englischen Gesundheitsstationen, die fast sämtlich in der Höhe der üppigsten Vegetation, bis 2100 m, liegen, folgenden Orten in Europa gleich: Dardschiling in Sikkim 12,4° C. (= Meran), Kathmandu, Hauptstadt von Nepal, 16,5 (= Neapel), Almora 17,4 (= Palermo), Simla 14,3 (= Madrid), Srinagar, Hauptstadt von Kaschmir, 13,8 (= Konstantinopel oder etwas höher als Pau). Die Winter sind überaus mild, der Himmel ist dann im W. meist klar; im Sommer kann der Reisende, den heißen Monat Juli ausgenommen, den ganzen Tag auf dem Marsch zubringen; das Tagesmittel schwankt in dieser Zeit von 21-24° C. Die Regenmenge ist ausnehmend groß in Sikkim, nimmt aber ab, je weiter man nach NW. vordringt, und je mehr man sich der Region des ewigen Schnees nähert; sie beträgt im Jahr zu Rangbi in Sikkim (1525 m ü. M.) 432, in Dardschiling 328, Kathmandu 152, Simla 177, Marri an der Westgrenze Kaschmirs (2121 m ü. M.) 162 mm. Den höhern Regionen fehlt der sehr geringen Feuchtigkeit wegen der schöne Anblick des Alpenglühens. Schnee fällt verhältnismäßig sehr wenig, am meisten im W.; Höhen unter 1200 m erhalten keinen Schnee mehr. Als Mittelwert für die Schneegrenze berechnen die Reisenden Schlagintweit 5484 m, Renon 3956 m, nach welchem sie, wie in andern Ländern, mit derjenigen Höhe zusammenfiele, "in welcher die wärmere Hälfte des Jahrs eine Mitteltemperatur hat, gleich der des schmelzenden Eises". Gletscher, deren Existenz noch 1850 bezweifelt worden war, sind am zusammenhängendsten zwischen den beiden Hauptketten, den westlichen Teil ausgenommen; einzelne scheinen bis 4000 m herabzureichen.

An Seen ist der H. arm; ehedem scheint aber das Thal von Kaschmir ein großes Seebecken gebildet zu haben, von dem noch drei kleine Becken übriggeblieben sind. Die bedeutendsten Seen liegen im östlichen Teil: in Sikkim der abflußlose Tschamtodong in 4480 m Höhe und unweit Lhassa der Jamdoktso, 4205 m ü. M., mit einem um 250 m höher liegenden See auf einer Landzunge in der Mitte. Die heiligen Seen Mansaraur und Rakus Tal, 4650 m ü. M., gelten als Quellseen des Satledsch. Augenscheinlich ist die früher gewiß viel bedeutendere Zahl der Seen bewirkt durch die allmähliche Vertiefung ihrer Abflüsse, die sich bis zu 360 m tief eingegraben haben. Zahllose fließende Gewässer haben auf dem H. ihren Ursprung. Es entspringen in Tibet und durchbrechen den Zentralzug: im W. der Indus, in der Mitte der Satledsch, im O. der Brahmaputra;