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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Holdheim; Holedau; Holfter; Holguin; Holics; Holitz; Holk; Holkar; Holkham; Holl; Hollabrunn; Holland

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Holdheim - Holland.

ist Hauptort. Als Parlaments-Wahlbezirk, der indes auch die außerhalb des eigentlichen H. liegende Stadt Beverley einschließt, hat die Landschaft (1881) 41,481 Einw.

Holdheim, Samuel, jüd. Gelehrter, geb. 1806, war Rabbiner zu Frankfurt a. O., dann Oberrabbiner von Mecklenburg-Schwerin, wurde 1847 Prediger bei der 1845 gegründeten Reformgenossenschaft zu Berlin, als deren entschiedenster Vertreter er bis zu seinem Tod wirkte. Er starb 22. Aug. 1860. Neben mehreren Bänden Predigten und kleinern Aufsätzen veröffentlichte er: "Über die Autonomie der Rabbinen" (Schwer. 1843); "Geschichte der Entstehung und Entwickelung der jüdischen Reformgemeinde in Berlin" (Berl. 1857). Nach seinem Tod erschien noch eine hebräische Schrift über Ehegesetze ("Mamar haïschut", Berl. 1861). Vgl. Ritter, Samuel H. (Berl. 1865).

Holedau, s. Holledau.

Holfter, die Pistolentaschen an beiden Seiten des Sattels.

Holguin (San Isidro de H.), Binnenstadt im O. der Insel Cuba, mit 5200 Einw., durch eine Eisenbahn mit dem Hafen Yarey de Jibara (s. d.) verbunden.

Holics (spr. -litsch), Markt im ungar. Komitat Neutra, links an der March, mit kaiserlichem Schloß und (1881) 5299 Einw. Im Schloß wurde 30. Dez. 1805 der Preßburger Friede durch Österreich bestätigt.

Holitz, Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Pardubitz, mit Bezirksgericht, Zuckerraffinerie, Schuhwarenfabrikation, Handel mit Vieh, Eiern und Schinken und (1880) 4995 Einw.

Holk, Heinrich, Graf, kaiserlicher Feldmarschall, geb. 1599 auf Fünen, trat in dänische Kriegsdienste und kämpfte als Oberst 1626-27 im niedersächsischen Krieg in Deutschland gegen die Kaiserlichen, die ihn im Juli bei Bernstein gefangennahmen. 1628 losgekauft, half er Stralsund verteidigen und ging 1630 nach dem Lübecker Frieden in kaiserliche Dienste über. Er erhielt den Befehl über mehrere Regimenter Fußvolk, mit denen er tapfer kämpfte, 1631 an der Erstürmung Magdeburgs teilnahm und Böhmen gegen die Sachsen verteidigte. 1632 zum Generalwachtmeister befördert, errichtete er ein Kürassierregiment, die "Holkschen Reiter", und genoß die besondere Gunst Wallensteins, der ihn im August zum Feldmarschallleutnant ernannte und ihn mit einem Plünderungszug nach Sachsen beauftragte. An der Spitze eines Korps leichter Reiterei führte H. den Befehl aus, wobei seine Truppen arg sengten und brannten und furchtbare Grausamkeiten verübten; H. konnte es nicht hindern, obwohl er bei seinen eignen Regimentern strenge Mannszucht zu halten wußte. Er war seitdem Wallensteins "Faktotum". Wegen seiner Tapferkeit bei Lützen, wo er verwundet wurde, erhielt er die Feldmarschallswürde und wurde 1633 in den Grafenstand erhoben. Nachdem er im August 1633 noch einen Streifzug nach Sachsen unternommen, starb er 9. Sept. 1633 zu Troschenreuth im Vogtland an der Pest. Seine Nachkommen blühen noch jetzt in Dänemark in drei gräflichen Linien.

Holkar, Familienname des Fürstengeschlechts, das den Thron des englischen Vasallenstaats Indor in Ostindien innehat. Die Familie ist marathischen Ursprungs, hat zu ihrem Begründer Mulhar-Rao (geb. 1693), einen Landbauer, der als Soldat unter dem Peischwa diente, bald ein bedeutender Heerführer wurde und 1724 mit Indor belehnt ward. Der gegenwärtige H. regiert seit 1852; er beweist der englischen Krone bei jeder Gelegenheit seine Treue und regiert sein Land nach englischen Vorbildern. Vgl. Aberich-Mackey, The chiefs of Central India (Kalkutta 1879).

Holkham (spr. hollkäm), s. Wells next the Sea.

Holl, Frank, engl. Maler, geb. 1845 zu Kentishtown (London), erhielt den ersten Unterricht in der Kunst von seinem Vater, einem Kupferstecher, bezog mit 15 Jahren die Schule der königlichen Akademie und gewann daselbst 1863 die goldene Medaille und ein zweijähriges Stipendium für die beste historische Komposition: das Opfer Isaaks. Seinem ersten Bild: aus der Kirche vertrieben, folgten 1865 die Farnkrautsammler, 1867 der Rekonvaleszent, 1869 eine ergreifende Familienszene: der Herr hat es gegeben, der Herr hat es genommen. Die Königin gab ihm daraufhin den Auftrag für ein andres: keine Kunde von der See (1871), worin H. eine Seemannsfrau, in ängstlicher Erwartung nach der See ausschauend, schilderte. Diesem folgten 1872 das Dorfbegräbnis und 1873 ein Ruheplatz in einer Eisenbahnstation, 1874: im Stiche gelassen (Hauptbild), 1876 der Erstgeborne und 1877 der Heimgang. Noch mehr sensationell ist das 1878 entstandene Gemälde: in Newgate verhaftet. In den letzten Jahren hat sich H. dem Porträtfach zugewendet. Wenn die Wahl seiner Süjets oft etwas Peinliches hat und eine Neigung zum Pathetischen vorherrscht, so zeugt die Ausführung doch von großer Sorgfalt und die Charakteristik von tiefem Naturstudium.

Hollabrunn, s. Oberhollabrunn.

Holland, im weitern Sinn gewöhnlicher Name für das Königreich der Niederlande, im engern Sinne nur der nordwestlichste Teil dieses Landes, der westlich und nördlich von der Nordsee, östlich von dem Zuidersee, Utrecht und Gelderland, südlich von Brabant und Zeeland umschlossen wird und gegenwärtig in die zwei Provinzen Nord- und Südholland zerfällt. Das Gebiet derselben entspricht dem Umfang der ehemaligen Grafschaft H. bis auf einige Bezirke jenseit der Maas und des Hollandsdiep, die zu Nordbrabant geschlagen sind. Die Provinz Nordholland bildet in ihrem größten Teil eine Halbinsel, die im S. durch eine Landenge mit dem Festland zusammenhängt, und um welche sich im N. die Reihe der Inseln Wieringen, Texel, Vlieland anschließt. Sie umfaßt das alte Westfriesland, das Wasserland und einen Teil des Kennemerlandes, während der östliche, höhere und hügelige, an Utrecht grenzende Teil der Provinz Gooiland genannt wird. Die Provinz wird im N. und W. von der Nordsee, im O. von dem Zuidersee und Utrecht, im S. von Südholland umschlossen und enthält 2769,77 qkm (50,3 QM.). Das Land gehört zu den niedrigsten Teilen des Königreichs und hat einen nassen, zum Teil moorigen, sehr fruchtbaren Boden, der jedoch mehr zur Viehzucht als zum Ackerbau benutzt wird, sowie ein feuchtes und veränderliches Klima. Gegen die Nordsee ist es durch hohe Dünen geschützt. An Kommunikationsmitteln besitzt Nordholland in seinen Flüssen (Vecht, Drecht, Amstel, Gein, Gaasp, Sparn, Zaan), dem großen Nordholländischen Kanal, dem Kanal von Amsterdam nach Ymuiden und einer Menge andrer Wasserstraßen sowie in den Eisenbahnen (s. unten) einen großen Reichtum. Die Bevölkerung beläuft sich auf (1886) 773,539 Seelen (279 auf 1 qkm), von denen 67,5 Proz. der reformierten und 27,5 Proz. der römisch-katholischen Kirche angehören. Hauptlandesprodukte sind: Kartoffeln, Roggen, Gerste, Weizen etc.; 56,1 Proz. des Flächengehalts kommen auf Wiesland. An Wald (2,3 Proz.) ist Nordholland arm, nur das Gooiland und die Dünenseite haben etwas Eichenwaldung; anderwärts