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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Homilie - Homöomerien.

diensten der Kloster- und Kathedralkirchen bestimmt, ist aber auch sonst das ganze Mittelalter hindurch fleißig benutzt worden.

Homilie (griech., "Gespräch, Unterhaltung"), diejenige Predigtgattung, welche sich im Gegensatz zur sogen. synthetischen Predigt an die Folge der Worte und Gedanken des Textes anschließt, also im Grund erbauliche Auslegung ist. - Clementinische Homilien, s. Clemens 1) (Papst).

Homilius, Gottfried August, Organist und Komponist, geb. 2. Febr. 1714 im sächsischen Dorf Rosenthal an der böhmischen Grenze, wurde 1755 Musikdirektor an den drei Hauptkirchen in Dresden und Kantor an der Kreuzschule daselbst, welch letztere seiner pädagogischen Wirksamkeit eine ungewöhnliche musikalische Blüte verdankte. Er starb 1. Juni 1785 in Dresden mit Hinterlassung einer großen Zahl wertvoller Kirchenkompositionen, unter denen namentlich seine Kantaten und Motetten zu erwähnen sind, sowie eines Lehrbuchs des Generalbasses.

Hommage (franz., spr. ommahsch), Huldigung, Ehrerbietung; auch ehrerbietiges Geschenk, Widmung.

Homme (franz., spr. omm), Mensch, Mann; h. d'affaires, Geschäftsführer, Haushofmeister, früher s. v. w. Finanzbeamter; h. d'état, Staatsmann; h. de lettres, Litterat; h. de qualité, Standesperson.

Hommel, Karl Ferdinand, Rechtsgelehrter, geb. 6. Jan. 1722 zu Leipzig, studierte erst Medizin, dann die Rechte, wurde 1744 in Leipzig Oberhofgerichtsadvokat, 1750 außerordentlicher, 1756 ordentlicher Professor der Rechte, 1763 Wirklicher Hof- und Justizrat, erster Beisitzer des Oberhofgerichts und Ordinarius der Juristenfakultät und starb 16. Mai 1781. Von seinen Schriften nennen wir: "Jurisprudentia numismatibus illustrata" (Leipz. 1763); "Deutscher Flavius, oder vollständige Anleitung, sowohl in bürgerlichen als peinlichen Fällen Urtel abzufassen" (Bair. 1763; 4. Aufl. von Klein, 1800, 2 Bde.); "Rhapsodia quaestionum in foro quotidie obvenientium" (Leipz. 1765-66; 4. Aufl., Bair. 1782-87, 7 Bde.); "Pertinenz- und Erbsonderungsregister" (Leipz. 1767, 6. Aufl. 1805); "Palingenesia librorum juris veterum" (das. 1767-68, 3 Bde.); "Corpus juris civilis cum notis variorum" (das. 1768); "Promptuarium juris Bertochianum" (das. 1777, 2 Bde.; neue Ausg. von Günther, 1788); "Chronologisches Register über den Codex Augusteus" (das. 1778); "Opuscula juris universi" (Bair. 1785).

Homo (lat., Mehrzahl homines), Mensch, Mann, bei den römischen Schriftstellern oft in der Bedeutung von "Sklave" gebraucht; h. novus, Emporkömmling (s. Nobilität); h. proprius, Leibeigner; h. sui juris, ein selbständiger Mensch, im Gegensatz zu Alieni juris homo (s. d.); ad hominem, s. Demonstrieren und Argument.

Homo- (griech.), in Zusammensetzungen s. v. w. gleich.

Homo diluvii testis, s. Andrias Scheuchzeri.

Homodromie (griech.), Gleichwendigkeit, in der Botanik Bezeichnung des Falles, daß die Richtung der Blattspirale an zwei gleichwertigen Sprossen dieselbe ist, also an beiden rechtsläufig oder linksläufig. Gegensatz der H. ist die Antidromie.

Homogen (griech., "gleichartig"), in der Arithmetik Bezeichnung solcher Größen, welche durch eine und dieselbe Einheit gemessen werden, also s. v. w. gleichnamig, z. B. 5 Mark und 7 Mark, während 5 Mark und 7 Meter ungleichartig (heterogen) sind. In der Analysis nennt man diejenigen Größen h., welche gleich viel Dimensionen haben; sind also a und b geradlinige Strecken, so sind a², ab und b² h., sie haben nämlich sämtlich zwei Dimensionen; ebenso sind a³, a²b, ab², b³ h., sie haben drei Dimensionen, etc. Homogeneïtät, Homogenität, Gleichartigkeit.

Homographie (griech.), s. Kollineation.

Homolog (griech., "gleichlautend, gleichnamig"), Bezeichnung für dasjenige, was gleiche Beziehung hat, z. B. homologe Punkte, die bei der Deckung (Kongruenz von Figuren) aufeinander fallen; homologe Glieder einer Proportion, die beiden Vorder- und die beiden Hinterglieder einer Proportion. In der Chemie versteht man unter homologen Reihen Zusammenstellungen chemisch nahe verwandter Körper, welche sich voneinander durch einen Mehr- oder Mindergehalt von nCH2 ^[nCH_{2}] unterscheiden. Eine derartige homologe Reihe bilden z. B. die fetten Säuren: Ameisensäure CH2O2 ^[CH_{2}O_{2}], Essigsäure C2H4O2 ^[C_{2}H_{4}O_{2}], Propionsäure C3H6O2 ^[C_{3}H_{6}O_{2}], Buttersäure C4H8O2 ^[C_{4}H_{8}O_{2}], Baldriansäure C5H10O2 ^[C_{4}H_{10}O_{2}] etc. In diese Reihe würden sich auch der Essigsäuremethyläther C3H6O2 ^[C_{3}H_{6}O_{2}], der Essigsäureäthyläther C4H8O2 ^[C_{4}H_{8}O_{2}] etc. einreihen lassen; aber wahre homologe Reihen bilden nur Körper von analoger Konstitution, in diesem Fall also nur Säuren, während die genannten zusammengesetzten Äther wieder mit andere Äthern eine homologe Reihe bilden. Die einzelnen Glieder solcher Reihen zeigen auch in ihren besondern Eigenschaften wesentliche Übereinstimmung. Diese ist um so größer, je näher sich die Körper in der Reihe stehen, kann aber bei den Anfangs- und Endgliedern vollständig verschwinden (Essigsäure und Stearinsäure gehören in dieselbe homologe Reihe). Gewisse Eigenschaften, besonders die Siedepunkte, ändern sich proportional der Zusammensetzung. Bei einigen homologen Reihen, wie bei den fetten Säuren und ihren Alkoholen, entspricht eine Zusammensetzungsdifferenzvon CH2 ^[CH_{2}] einer Siedepunktsdifferenz von 19°; bei der Reihe, deren Ausgangspunkt das Benzol C6H6 ^[C_{6}H_{6}] ist, beträgt die Differenz für CH2 ^[CH_{2}] 28-29°. Die Glieder der homologen Reihe liefern bei allen Zersetzungen analoge Produkte, welche unter sich wieder h. sind. Homologie, Übereinstimmung; in der griechisch-katholischen Kirche s. v. w. Konfession oder kirchliches Symbol; homologieren, einem nicht gerichtlichen Akt gerichtliche Kraft geben.

Homolographische Projektion, vgl. Landkarten.

Homologumena (griech.), allgemein anerkannte, für echt geltende Schriften der Bibel (s. d., S. 880).

Homonna, Markt im ungar. Komitat Zemplin, an der Ersten Ungarisch-Galizischen Bahn, mit (1881) 3717 Einw., 2 Sparkassen, Bezirksgericht, Salzamt und Kunstschnitzereischule.

Homonym (griech.), gleichnamig, gleichlautend, besonders von Wörtern, die dabei verschiedene Bedeutung haben (Homonymen), gebraucht (z. B. malen und mahlen, vergeben in seiner doppelten Bedeutung); daher Homonymie, Gleichnamigkeit, auch s. v. w. Doppelsinnigkeit, Zweideutigkeit; Homonymik, Sammlung von Homonymen.

Homöo- (griech.), in Zusammensetzungen s. v. w. ähnlich.

Homöographie (griech.), eins der Verfahren, ältere Drucke aufs neue abzudrucken und zu diesem Behuf von dem alten Druck selbst eine Umdruckplatte zu erzeugen; s. Graphische Künste, S. 625.

Homoeomerici, s. Flechten, S. 351 u. 354.

Homöomerien (griech., "gleichartige Bestandteile") wurden (nach Aristoteles) in der Philosophie des Anaxagoras (s. d.) die Elemente der Körper genannt, insofern z. B. Gold durchgehends aus gold-, Fleisch aus fleischartigen Bestandteilen zusammengesetzt vorgestellt wurde.