Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Kampen; Kamperduin; Kampeschebai; Kampeschehanf; Kampescheholz; Kampfeinheit; Kampfer

428

Kampen - Kampfer.

nulaceen, ^[richtig; Kampanniaceen,] Lobeliaceen, Stylidiaceen, Goodeniaceen und Kukurbitaceen.

Kampen, Stadt in der niederländ. Provinz Overyssel, links an der Yssel, unweit deren Mündungen in einer Gegend, welche ganz unter Wasser gesetzt werden kann, Endpunkt der Niederländischen Zentralbahn (Utrecht-K.), ist mit Gruben und parkähnlichen Anlagen umgeben, hat mehrere alte Kirchen, eine schöne, 1874 neugebaute Brücke über die Yssel, ein Stadthaus, eine lateinische und eine höhere Bürgerschule, ein Seminar für orthodox-reformierte Prediger, ist Garnison des Instruktionsbataillons (Lehrschule für Unteroffiziere der Infanterie) und zählt (1885) 18,288 Einw., welche sich von Schiffbau, Fischerei, Handel, Kalk- und Ziegelbrennerei sowie Zigarrenfabrikation nähren. - K., 1286 gegründet, war ehemals eine freie Reichs- und Hansestadt mit beträchtlichem Handel, der aber mit der zunehmenden Versandung der Ysselmündungen immer mehr sank, sich jedoch seit etwa 25 Jahren durch Verbesserung der Mündungen wieder beträchtlich gehoben hat. Die Stadt wurde 1578 von den Holländern erobert und mußte sich 1672 an die Franzosen ergeben, welche die Brückenschanze am rechten Ysselufer zerstörten.

Kampen, Nicolas Godfried van, niederländ. Geschichtschreiber, geb. 15. Mai 1776 zu Haarlem, ward in Deutschland erzogen, erlernte den Buchhandel, während er sich zugleich selbst in den Wissenschaften fortbildete, ward 1816 Lehrer der deutschen Sprache in Leiden, 1829 der niederländischen Sprache und Litteratur und der vaterländischen Geschichte am Athenäum zu Amsterdam und starb 15. März 1839 daselbst. Von seinen zahlreichen, mitunter der Tiefe der Forschung ermangelnden Werken sind hervorzuheben: "Geschiedenis van de fransche heerschappij in Europa" (Leid. 1815-23, 8 Bde.); "Geschiedenis der letteren en wetenschappen in de Nederlanden" (Haag 1821-26, 3 Bde.); "Geschiedenis der Nederlanders buiten Europa" (Haarl. 1831-1838, 3 Bde.); "Handboek der hoogduitsche letterkunde in prosa en poezij" (das. 1823-30, 4 Bde.). In Deutschland ist er besonders durch seine "Geschichte der Niederlande" (Hamb. 1831-33, 2 Bde.) bekannt geworden. Mit Tijdemann gab er die Zeitschrift "Mnemosyne" (1815-21, 10 Bde.) heraus. Vgl. S. R. van Campen, Nicholas Godfried van C., a biographical sketch (Lond. 1887).

Kamperduin (spr. -denn, schlechthin Kamp), Dorf in der niederländ. Provinz Nordholland, an den Dünen der Westküste, zwischen Alkmar und Helder, bekannt durch die große Seeschlacht vom 11. Okt. 1797, in welcher der englische Vizeadmiral Duncan über die französisch-holländische Flotte unter de Winter den Sieg davontrug, und nach welcher er den Titel "Viscount von Camperdown" erhielt.

Kampeschebai, s. v. w. Campechebai, s. Campeche.

Kampeschehanf, s. Aloehanf.

Kampescheholz (Campecheholz, Blauholz, Blutholz, Logwood), das von Haematoxylon Campechianum (s. Tafel "Farbepflanzen") stammende Holz, welches seinen Namen von der Campechebai in Mexiko hat, aus welcher dasselbe früher ausgeführt wurde. Es kommt in großen, von Rinde und Splint befreiten Stücken in den Handel, ist aus der stark gefurchten Außenseite rötlich- bis schwärzlichbraun, auf frischer Schnittfläche im Innern dunkel gelbbraun, sehr hart, nimmt schöne Politur an, schmeckt zuckerartig, adstringierend, färbt den Speichel rot und riecht der Veilchenwurzel ähnlich. Die beste Handelssorte ist die von der Campechebai, dann folgt die von Honduras; Jamaica- und Domingoholz sind blässer und ärmer an Farbstoff, die geringste Ware ist die von Martinique und Guadeloupe. Das unveränderte Holz enthält Hämatoxylin (s. d.), welches in feuchter Luft bei Gegenwart von Ammoniak in dunkelrotes Hämatein übergeht. Das Färbevermögen des Kampescheholzes nimmt daher sehr bedeutend zu, wenn man es geraspelt und befeuchtet in dünner Schicht 6-8 Wochen liegen läßt und öfters umschaufelt. Man benutzt das K. in der Färberei und zwar entweder direkt den mit Wasser bereiteten Auszug oder das Extrakt, welches in der Heimat des Holzes, in den Vereinigten Staaten und in Europa dargestellt wird. Es bildet dunkel schwarzbraune, glänzende Stücke, die sich bei völliger Trockenheit leicht zerstoßen lassen. K. gibt mit Thonerdebeizen ziemlich intensive grauviolette Farben, mit Kupfersalzen Blau, mit Eisenbeize Schwarz oder Grau, mit Chromoxyd nach vorhergegangener Oxydation mit Chromsäure Schwarz. Mit Ausnahme der letztern sind aber diese Nüancen sehr unbeständig und werden durch Licht, Seife, Alkalien und Säuren zerstört. K. dient zum Färben von Baumwolle, Wolle, Seide und Leder, meist in Verbindung mit andern Farbstoffen, das Extrakt als desinfizierendes Mittel zum Verbinden von Wunden. Mit chromsaurem Kali gibt eine Abkochung eine gute und sehr billige schwarze Tinte.

Kampfeinheit, (taktisch) die kleinste noch einer gewissen Selbständigkeit des Handelns fähige Truppenabteilung und zwar Kompanie, Eskadron, Batterie, während die administrative Einheit das Bataillon, Regiment und die Abteilung bilden.

Kampfer (Laurineenkampfer, Japankampfer, Camphora), ein Produkt des Kampferbaums (Camphora officinalis Nees), wird aus dem Holz desselben auf Formosa und in Japan gewonnen, indem man den K. auf sehr einfache Weise durch Wasserdämpfe aus dem zerschnittenen Holz austreibt und die Dämpfe in passenden Gefäßen verdichtet. Der nach Europa gebrachte rohe K. wird unter Zusatz von wenig Holzkohle, Eisenfeile oder Kalk, besonders in England, Holland, Hamburg, einer Sublimation unterworfen und liefert dann den gereinigten K., welcher in Form von schalenförmigen, in der Mitte durchbohrten Broten in den Handel kommt. K. bildet eine farblose, durchscheinende, körnig-kristallinische, zähe Masse vom spez. Gew. 0,98, ist nur nach dem Befeuchten mit Alkohol pulverisierbar, riecht eigentümlich, schmeckt brennend bitterlich, löst sich in 1000 Teilen kaltem Wasser, leicht in Alkohol, Äther, Benzol und in fetten Ölen, schmilzt bei 175°, siedet bei 205°, sublimiert unzersetzt, verflüchtigt sich aber auch schon bei gewöhnlicher Temperatur sehr stark, brennt mit rußender Flamme und rotiert, wenn man ihn in kleinen Stückchen auf Wasser wirft, aber nur, wenn letzteres keine Spur Fett enthält. Die Zusammensetzung des Kampfers entspricht der Formel C10H16O ^[C_{10}H_{16}O], und er ist offenbar durch Oxydation aus einem ätherischen Öl C10H16 ^[C_{10}H_{16}] entstanden, welches sich namentlich in jüngern Teilen des Kampferbaums findet, bei der Sublimation sich mit dem K. verflüchtigt und von dem rohen K. abtropft. Dies Kampferöl oxydiert sich sehr leicht an der Luft und bei Behandlung mit Salpetersäure zu K. Bei weiterer Oxydation des Kampfers entsteht die kristallisierbare, farb- und geruchlose Kampfersäure C10H16O4 ^[C_{10}H_{16}O_{4}] und bei Destillation des Kampfers mit Chlorzink Cymen C10H14 ^[C_{10}H_{14}], ein Kohlenwasserstoff, aus welchem man umgekehrt wieder K. darstellen kann; auch finden sich dem Laurineenkampfer sehr ähnliche Substanzen in manchen