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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kessenich - Kette.

Kessenich, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Köln, Kreis Bonn, unweit des Rheins, hat eine kath. Pfarrkirche, eine Heil- und Pfleganstalt für Gemüts- und Nervenkranke, Zementwarenfabrikation, Obst- und Gemüsebau und (1885) 2965 Einw.

Keßler, s. Kesseler.

Kestenholz (franz. Châtenois), Flecken im deutschen Bezirk Unterelsaß, Kreis und Kanton Schlettstadt, am Fuß der Vogesen (Eingang in das Weilerthal) und an der Eisenbahn Schlettstadt-Markilch, hat Fabrikation von Kleiderstoffen aus Wolle, Baumwolle und Seide, Säge- und Mahlmühlen, Hammerschmieden, Mineralquellen mit Chlor-, Soda-, Jod- und Bromgehalt (Temperatur 19-26° C.) nebst Badeanstalt, Weinbau und (1885) 3262 kath. Einwohner. Über dem Orte der Hahnenberg.

Kestner, Charles, Industrieller, geb. 30. Juni 1803 zu Straßburg als Enkel von Goethes Freund K. und der Charlotte K. (s. Buff 1), studierte in Göttingen Chemie, bereiste Frankreich und Schottland, wurde dann Associé seines Vaters in der von diesem 1816 zu Thann gegründeten chemischen Fabrik und nach dessen Tod 1846 alleiniger Inhaber der Fabrik, die er unter dem Beistand seiner Schwiegersöhne, besonders des Chemikers und französischen Senators Scheurer-K., leitete. Kestners Hauptverdienst liegt auf dem Gebiet der technischen Chemie. Er hat die chemische Großindustrie im Elsaß begründet. Die Fabrikation der Schwefelsäure wurde durch ihn nebst allen Nebenfabrikationszweigen in großartigem Maßstab ausgeführt. Ferner lieferte er alle für die elsässische Färberei und Zeugdruckerei erforderlichen Chemikalien, besonders Zinnverbindungen und Weinsäure. Die Darstellung der letztern gab Veranlassung zur Entdeckung der Traubensäure. K. fabrizierte ferner Guignetgrün und viele andre Farbstoffe, nach Ankauf großer Waldungen auch Holzessig und die übrigen Destillationsprodukte des Holzes. Einen besonders hohen Standpunkt gewann die Fabrik durch die wahrhaft väterliche Sorge für das Wohl der Arbeiter, denen K. die nützlichsten Institutionen geschenkt hat. K. war auch Politiker und glühender Republikaner. Zweimal wählten seine Landsleute ihn in gesetzgebende Versammlungen. 1848 war er in der Konstituante, 1850 in der Legislative Deputierter des Oberrheins. Bei Gelegenheit des Staatsstreichs wurde K. in Mazas eingekerkert und dann verbannt, konnte aber nach einiger Zeit zurückkehren und beteiligte sich, von schweren körperlichen Leiden heimgesucht, seitdem nicht mehr am politischen Leben. Er starb 12. Aug. 1870.

Keswick, Stadt in der engl. Grafschaft Cumberland, um Fuß des Skiddaw und dem untern Ende des malerischen Sees Derwent Water gelegen, mit (1881) 3220 Einw.

Keszthely (spr. keßthelj), Markt im ungar. Komitat Zala, am Plattensee, Station der Südbahnlinie Stuhlweißenburg-Kanizsa, mit Schloß, 3 Klöstern, vorzüglichem Weinbau, bedeutendem Seefischfang, Gymnasium, landwirtschaftlicher Lehranstalt, Bezirksgericht und (1881) 5393 Einw. In der Nähe das Bad Hévviz (s. d.).

Keta (Ketta, Quitta), Hafenstadt der brit. Kolonie Goldküste in Oberguinea, auf einer schmalen Halbinsel zwischen dem Meer und der Lagune von K., in welche der Todschi und Ewe münden, mit 5000 Einw. und einer Garnison. Station englischer und deutscher Dampfer. K. ist auf den Ruinen des dänischen Forts Prindsensteen erbaut.

Ketchuda (pers., "Hausherr"), Titel der Dorfrichter und Dorfvorsteher in Persien und in den persisch redenden Teilen Mittelasiens (türk. Kizil).

Kétegyháza (spr. ketedjhasa), Dorf im ungar. Komitat Békés, mit (1881) 3324 Einw., Station der Ungarischen Staatsbahn, zwischen Csaba und Arad, und Knotenpunkt der Zweigbahnen nach Kis-Jenö und Mezöhegyes.

Kethubim (Ketubim, hebr.), s. Hagiographa. ^[richtig: Hagiograph.]

Keto, Schwester des Phorkys (s. d.).

Ketone, s. v. w. Acetone.

Ketschua, Indianer, s. Quichua.

Ketschwayo (Cetewayo), Zulukönig, Sohn des Königs Panda, folgte diesem 1858, bildete den von seinem Oheim Schaka gegründeten Militärstaat unter den Zulu noch weiter aus und schuf ein Heer von 40,000 Mann. Da er wegen der Krieger, welche nach Natal flüchteten, mit den Engländern in Streit geriet und deren Forderungen schroff ablehnte, rückten diese 1879 in sein Gebiet. Sie erlitten zwar 22. Jan. bei Isandhlwana (s. d.) eine empfindliche Niederlage, schlugen aber, da K. den Sieg nicht benutzte, denselben 4. Juli bei Ulundi und nahmen ihn 28. Aug. gefangen. Nach längerer Haft in der Kapstadt reiste K. 1882 nach England und wurde nach seiner Rückkehr unter englischer Oberhoheit als Herr über einen Teil des Zululandes wieder eingesetzt. Doch starb er schon 8. Febr. 1884 in Ekhowe.

Ketta, 1) Ort in Belutschistan, s. Quetta. -

2) Stadt in Westafrika, s. Keta.

Kette, eine Reihe kurzer, ineinander greifender oder scharnierartiger, durch Bolzen verbundener Glieder, wird gewöhnlich aus Metall gefertigt und dient zum Aufhängen und Aufziehen von Lasten (Kranketten, Uhrketten etc.), zur Fortpflanzung von Bewegungen bei Maschinen, als Verbindungsmittel, zum Messen (Meßketten) u. zum Schmuck (vgl. Halsschmuck). Wird das erste Glied einer K. mit deren letztem Glied verbunden, so entsteht die endlose K. Je nach der Form der Glieder unterscheidet man Ringketten (Fig. 1), Stegketten (Fig. 2), Hakenketten (Vaucansonsche Ketten, Fig. 3), Gelenkketten (Gallesche Ketten, Fig. 4 u. 5). Die größern Last- u. Triebketten werden aus Schmiedeeisen oder Stahl hergestellt und zwar durch Schmieden, indem die Glieder, aus Rundeisen gebogen, ineinander gehängt und einzeln an den zusammenstoßenden Enden aneinander geschweißt werden. Bei den Ketten, deren Glieder zur Vermeidung von Verwickelungen Querstege bekommen, schweißt man diese vorgeschmiedeten Stege nachher ein. Die Gelenkketten erzeugt man aus einzelnen Stäben (Lamellen), welche an beiden Enden Löcher zur

^[Abb.: Fig. 1. Ringkette.]

^[Abb.: Fig. 2. Stegkette.]

^[Abb.: Fig. 3. Hakenketten.]

^[Abb.: Fig. 4., Fig. 5. Gelenkketten.]