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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Muff - Mufti.

kuf ("fromme Stiftungen") betreffenden Rechtsstreitigkeiten zu entscheiden haben. Es gibt gegenwärtig fünf M. im türkischen Reich (einer in Adrianopel, einer in Brussa und drei in Konstantinopel).

Muff (auch die Muffe), eine cylinderförmige Hülle aus Pelzwerk zum Erwärmen der Hände, kam in den 80er Jahren des 16. Jahrh. auf, wurde anfangs nur von den Frauen, eine Zeitlang auch in ziemlich bedeutender Größe von den Männern getragen und hing, an einer um den Hals geschlungenen Schnur befestigt, auf den Leib herab. Nachdem er sich gegen das Ende des 18. Jahrh. verloren, kam er im 19. bei dem weiblichen Geschlecht wieder in Aufnahme.

Muffe, ein zur Verbindung von Wellen oder Röhren dienendes kurzes Rohrstück.

Muffel, hüttenmännischer und chemischer Apparat, ein halbcylindrisches Gefäß aus feuerfestem Thon oder Eisen mit flachem Boden (Muffelblatt), ist hinten geschlossen und vorn offen und wird in einem Ofen durch Glüh- oder Flammenfeuer erhitzt. Hinsichtlich der Ausnutzung des Brennmaterials unvorteilhafter als Schacht- und Flammöfen, werden Muffelöfen zu Oxydationsprozessen unter Ausschluß der Feuergase benutzt, z. B. zum Rösten von Arsenerzen behufs Gewinnung von arseniger Säure, zum Rösten von Schwefelmetallen behufs Nutzbarmachung der entwickelten schwefligen Säure für die Schwefelsäurefabrikation; in Probierlaboratorien zum Rösten von Schwefel-, Antimon- und Arsenmetallen, zum Abtreiben des Werkbleies, zum Garmachen des Schwarzkupfers, zum Ansieden von Silbererzen, zu Aschenbestimmungen etc. Man benutzt Muffelöfen aber auch beim Schmelzen von Kupfer- und andern Metallproben, beim Einbrennen von Emails und Farben, resp. auf Metallen und Porzellan. In der M. eines Probierofens läßt sich keine viel höhere Temperatur als die des schmelzenden Goldes und Kupfers hervorbringen.

Muffelfarben, Porzellanfarben, welche bei geringer Hitze auf der Glasur eingebrannt werden.

Muffenröhren, Röhren, die durch an ihnen befindliche oder durch freie Muffen miteinander verbunden werden.

Muffins (engl., spr. möff-), aus Weizenmehl, Butter und Eiweiß bereitetes englisches Theegebäck.

Muffkuchen, aus Butter, Eiern, Zucker, Zimt, Mandeln, Kardamomen, Hirschhornsalz und Mehl bereiteter Kuchen, der vorzüglich in Braunschweig viel genossen und von dort auch exportiert wird.

Müffling, Friedrich Ferdinand Karl, Freiherr von, mit dem Familiennamen Weiß, preuß. Generalfeldmarschall, geb. 12. Juni 1775 zu Halle, trat 1787 als Junker in ein Füsilierbataillon, mit welchem er 1790 nach Schlesien ging und 1792-94 den Feldzug gegen Frankreich mitmachte. Von 1797 bis 1802 ward er bei der trigonometrischen Vermessung Westfalens für die Lecoqsche Karte, sodann 1803 als Premierleutnant bei der Gradmessung in Thüringen beschäftigt. 1805 trat er als Hauptmann in den Generalstab. 1806 stand er bei dem Korps des Herzogs von Weimar, schloß sich nach der Katastrophe von Jena Blücher an und erhielt nach dem Treffen bei Lübeck den Auftrag, die Kapitulation von Rattkau abzuschließen. 1808 trat er als Mitglied des sogen. geheimen Konseils in weimarische Dienste, 1813 aber wieder in die preußische Armee und ward als Oberstleutnant dem Generalstab Blüchers zugeteilt. Nach dem Gefecht bei Hainau in Schlesien, zu dem er die Disposition entworfen, avancierte er zum Obersten; nach dem Ende des Waffenstillstands ward er Generalquartiermeister bei der schlesischen Armee, nach der Schlacht bei Leipzig Generalmajor, nach Abschluß des ersten Pariser Friedens Chef des Generalstabs der am Rhein zurückgebliebenen Armee. 1815 ward er der britischen Armee unter Wellington zugeteilt. Nach der zweiten Einnahme von Paris ward er dann zum Gouverneur der Stadt ernannt und blieb 1816 als Bevollmächtigter Preußens im Hauptquartier des Herzogs von Wellington. Hier verband er sich mit französischen Offizieren und Gelehrten zu einer Gradmessung zwischen Dünkirchen und dem Seeberg. 1818 wohnte er dem Kongreß in Aachen bei. 1820 wurde er Chef des Generalstabs der preußischen Armee. Als Generalleutnant erhielt er 1829 eine Mission nach Konstantinopel, um die Pforte für den Frieden mit Rußland geneigt zu machen, und wurde im März 1832 General des 7. Armeekorps, 1837 Gouverneur von Berlin, 1841 Präsident im Staatsrat. 1847 erhielt er die erbetene Entlassung mit dem Titel eines Generalfeldmarschalls und als Geschenk die Domäne Wandersleben und ließ sich hierauf in Erfurt nieder, wo er 16. Jan. 1851 starb. Seine namhaftesten Schriften, die unter der Chiffer C. v. W. erschienen, sind: "Operationsplan der preußisch-sächsischen Armee 1806" (Weimar 1806); "Marginalien zu den Grundsätzen der höhern Kriegskunst für die österreichischen Generäle" (das. 1808, 2. Aufl. 1810); "Die preußisch-russische Kampagne im Jahr 1813" (Bresl. 1813; 2. Aufl., Leipz. 1815); "Geschichte des Feldzugs der englisch-hannöversch-niederländischen und braunschweigischen Armee unter dem Herzog von Wellington und der preußischen unter dem Fürsten Blücher im Jahr 1815" (Stuttg. 1815); "Beiträge zur Kriegsgeschichte der Jahre 1813 und 1814; die Feldzüge der schlesischen Armee" (Berl. 1824, 2 Bde.); "Betrachtungen über die großen Operationen und Schlachten etc." (das. 1825); "Napoleons Strategie im Jahr 1813" (das. 1827). Die nachgelassene Schrift "Aus meinem Leben" (Berl. 1851, 2. Aufl. 1855) gab sein Sohn heraus; dieselbe enthält interessante Schilderungen über die Vorgänge im Blücherschen Hauptquartier 1813-14, ist indes nicht durchaus zuverlässig, da Müfflings Eitelkeit und sein Haß gegen Gneisenau ihn zu ungerechten Urteilen, ja zur Verdunkelung der Wahrheit verleiteten. Eine herbe Kritik haben Müfflings Memoiren durch Th. v. Bernhardi ("Denkwürdigkeiten aus dem Leben des Generals v. Toll", Bd. 4) erfahren.

Mufflon (Mouflon), s. Schaf.

Muffrika und Muffrikaner, scherzhafte Benennungen des hannöverschen Emslandes und seiner Bewohner, welche ihnen angeblich bei der Belagerung von Rotterdam (1665) von den Holländern beigelegt wurden, weil die hannöverschen Soldaten wegen der grimmigen Kälte eine Art Muffe trugen. In Holland gelten aber die Spottnamen Moff und Moffrika heute allgemein für Deutsche und Deutschland.

Mufti (türk., der "Entscheidende"), Name der zur Korporation der Ulemas (s. d.) gehörigen islamitischen Gelehrten, welche im Gegensatz zu den Richtern (Kadis) die Theologen repräsentieren, und denen als Gesetzkundigen die Ausfertigung der Fetwas (Auszüge aus dem Gesetz) obliegt, auf Grund welcher der Richter (Kadi) das Urteil spricht. Da der Koran alle Dinge in den Kreis seiner Bestimmung zieht, so haben die Fetwas ebensogut Bezug auf private Streitfragen als auf die wichtigsten Staatsangelegenheiten. Wer für einen bestimmten Fall den Ausspruch des Gesetzes kennen will, begibt sich zum