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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Niedersachsen - Niederwald.

fränkischen, schwäbischen Kreis und an Frankreich. Durch die Ohnmacht des Reichs verlor er von 52,300 qkm (950 QM.) nach und nach 36,900 qkm an Frankreich und ging endlich in dem Rheinbund, später in verschiedenen deutschen Staaten auf.

Niedersachsen, der nach der Nordsee zu liegende Teil des Landes der alten Sachsen, bildete als niedersächsischer Kreis den sechsten der zehn Kreise des alten Deutschen Reichs, der schon 1500 eingerichtet war, und umfaßte folgende Kreislande: das Erzbistum Magdeburg, die meisten Länder des Kurhauses Braunschweig-Lüneburg, nämlich das Herzogtum Bremen und die Fürstentümer Lüneburg oder Celle, Grubenhagen und Kalenberg, das Fürstentum Wolfenbüttel, das Fürstentum Halberstadt, die Herzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Güstrow, das Herzogtum Holstein nebst der Landdrostei Pinneberg und der Stadt Altona, das Bistum Hildesheim, das Herzogtum Sachsen-Lauenburg, das Hochstift Lübeck, das Fürstentum Schwerin, das Fürstentum Ratzeburg, das Fürstentum Blankenburg, die Grafschaft Rantzau, die Städte Lübeck, Goslar, Mühlhausen, Nordhausen, Hamburg und Bremen. Auf den Kreistagen führten abwechselnd Magdeburg und Bremen das Direktorium.

Niedersächsische Mundart, s. Deutsche Sprache, S. 786.

Niederschlag (Präzipitat), s. Fällung.

Niederschlagende Mittel, solche Mittel, welche eine Aufregung des Gefäß- und Nervensystems, wie solche nach Erhitzung, Schreck, Ärger etc. zu entstehen pflegt, beschwichtigen sollen. Dazu gehören Zuckerwasser, verdünnte Pflanzensäuren sowie Brausepulver. Als Hausmittel bedient man sich in solchen Fällen sehr oft der sogen. niederschlagenden Pulver (Pulvis temperans, refrigerans), welche gewöhnlich aus Salpeter und Weinstein bestehen, aber mit Vorsicht zu gebrauchen sind.

Niederschlagsarbeit, die Zerlegung von Schwefelmetallen (Schwefelblei, Schwefelantimon, Schwefelwismut, Schwefelsilber etc.) durch Eisen in Schmelzhitze, wobei die Metalle (Blei, Antimon, Wismut, Silber etc.) unter Bildung von Schwefeleisen (Stein) abgeschieden werden. Am häufigsten benutzte man früher die N. bei der Verhüttung von Bleiglanz, bei der Kostspieligkeit des Zuschlags von Eisen wendet man aber neuerdings unter passender Änderung der Ofenkonstruktion (nach oben sich erweiterte, an Formen und Herd gekühlte Raschette- und Pilzöfen, statt der frühern nach oben sich verengernden, nicht gekühlten Öfen) und der Art des Chargierens (horizontale Anordnung der Erz- und Brennstoffschichten, statt in vertikaler Lage) billiger oxydische, eisenhaltige Substanzen (Eisenfrischschlacken, eisenreiche Kupferschlacken, eisenreiche geröstete Bleisteine) statt des metallischen Eisens an. - Beim Verschmelzen arsenreicherer Kupfererze auf Rohstein (s. Kupfer, S. 317) läßt man neben diesem gern eine geringe Menge arsenhaltiges Kupfer (Kupferspeise) sich bilden, um das Arsen von dem Hauptprodukt, dem Rohstein, fern zu halten und aus diesem ein reineres Kupfer erzeugen zu können. Diese beim Verschmelzen von Fahlerzen absichtlich bewirkte Speisebildung heißt ebenfalls N.

Niederschlagung, s. v. w. Abolition (s. d.); im Rechnungswesen die Verfügung, wodurch ein Posten als uneinbringlich in Hinwegfall gebracht (kaduziert) wird.

Niederschlesisches Steinkohlengebirge, s. Waldenburger Gebirge.

Niederschönenfeld, Dorf im bayr. Regierungsbezirk Oberbayern, Bezirksamt Aichach, am Einfluß des Lech in die Donau, mit einem ehemaligen, 1244 gestifteten Cistercienserkloster (1849 aufgehoben, seit 1862 Gefängnis für jugendliche Verbrecher), schön restaurierter Klosterkirche und (1885) 392 kath. Einw.

Niederseine (Seine-Inférieure), franz. Departement, s. Seine.

Nieder-Selters, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Limburg, an der Ems und der Linie Frankfurt a. M.-Limburg der Hessischen Ludwigsbahn, hat eine kath. Pfarrkirche, Thongruben und (1885) 1472 Einw. Hier entspringt der weltbekannte alkalisch-muriatische, durch die günstige Zusammensetzung seiner Bestandteile ausgezeichnete Säuerling von 15° C., der das berühmte "Selterserwasser" liefert. Das Wasser besitzt einen starken Gehalt von kohlensaurem Natron, Chlornatrium etc. und ist reich an freier Kohlensäure (in 1 Lit. 1184,6 ccm). Es wird zur Trinkkur bei chronischem Katarrh der Luftwege, des Magens und Darmkanals, der Gallenwege und der Blase, daneben auch als erfrischendes Getränk angewandt. Die Quelle zu N. wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. entdeckt, im Dreißigjährigen Krieg wieder verschüttet und blieb nach ihrer Wiederauffindung noch lange wenig geachtet, bis sie im 19. Jahrh. ihren Weltruf erlangte. Von 1803 bis 1866 war sie nassauisches Kammergut, gegenwärtig gehört sie dem preußischen Fiskus. Der jährliche Versand beträgt ca. 4 Mill. Flaschen und Krüge.

Niedersteigende Zeichen, in der Astronomie die sechs Zeichen des Tierkreises: Krebs, Löwe, Jungfrau, Wage, Skorpion, Schütze, welche die Sonne im Sommer und Herbst durchläuft; vgl. Ekliptik und Tierkreis.

Niederstetten, Stadt im württemberg. Jagstkreis, Oberamt Gerabronn, an der Linie Krailsheim-Mergentheim der Württembergischen Staatsbahn, 314 m ü. M., hat eine evangel. und eine kath. Kirche, Friedhofskapelle aus dem 13. Jahrh. (jetzt restauriert), ein Schloß, eine Realschule, Weinbau, Vieh- und Pferdemärkte und (1885) 2205 meist evang. Einwohner.

Niederstotzingen, Stadt im württemberg. Donaukreis, Oberamt Ulm, an der Linie Aalen-Ulm der Württembergischen Staatsbahn, 474 m ü. M., hat eine Simultankirche, ein Schloß mit schönem Park und (1885) 1179 meist evang. Einwohner.

Niederung, Kreis im preuß. Regierungsbezirk Gumbinnen; Kreisort ist Heinrichswalde.

Niederungen (Tiefländer), die meist direkt an das Meer sich anschließenden, landeinwärts sich allmählich als schiefe Ebene, wohl auch in einzelnen Terrassen bis zu einer ungefähren Meereshöhe von 300 m erhebenden Länderstrecken, mitunter von einzelnen Landrücken durchzogen oder von isolierten Bergen besetzt. Sehr häufig tragen die N. (namentlich infolge einer besondern Flora) einen einförmigen Charakter, so die Heiden, die ungarischen Pußten, die russischen Steppen, die sibirischen Tundren, die Pampas, Llanos etc.

Niederwald und Niederwaldbetrieb, s. Ausschlagwald.

Niederwald, das westliche Ende des Taunus, ein mit prächtigen Buchen und Eichen gekrönter Bergrücken im preuß. Regierungsbezirk Wiesbaden, zwischen Wisper und Rhein, Bingen gegenüber, in der Rossel 343 m hoch, mit schöner Aussicht über den Rheingau. An seinem Abhang liegen längs des Rheins die Weinberge von Rüdesheim und Aßmannshausen. Auf dem N., Bingen gegenüber, wurde 28. Sept. 1883 das Nationaldenkmal für den Krieg von 1870/71 enthüllt. Dasselbe, ein Werk des Dresdener Bild-^[folgende Seite]