Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Nußhäher - Nutzeffekt.

Nußhäher, s. Häher.

Nußknacker, Vogel, s. v. w. Tannenhäher.

Nußkümmel, s. Bunium.

Nußle (Nusle), Dorf in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Königliche Weinberge, östlicher Vorort von Prag, am Botitzbach und an der Franz Josephs-Bahn, welche von hier mittels eines 1141 m langen Tunnels in den Prager Bahnhof einläuft, vorher aber gegen W. die Verbindungsbahn nach Smichow und gegen S. die Lokalbahn nach Modrzan entsendet, hat ein Schloß mit Park, zahlreiche Villen, Bierbrauerei, Fabrik für Mühleneinrichtungen und zählt mit dem damit zusammenhängenden und zu einer Gemeinde vereinigten Dorf Pankratz (1880) 5555 Einw. N. bildet einen beliebten Ausflugsort der Prager.

Nußöl, s. Walnußöl.

Nußschimmel, s. Eurotium.

Nußstrauch, s. Haselstrauch.

Nut, ägypt. Göttin (Rhea), Gemahlin des Seb (Kronos), die Personifikation des Himmelsgewölbes und mitunter der Hathor gleichgestellt.

Nutans (lat., "nickend"), s. v. w. überhängend, in der botanischen Terminologie von Stengeln, Blütenständen, Blüten oder Früchten, deren Stiele mit ihrer Spitze in einem Bogen gegen die Erde gekrümmt sind, z. B. bei Carduus n., Silene n.

Nutation (lat.), das von Bradley entdeckte "Wanken" der Erdachse um eine mittlere Lage, gleich der Präzession (s. d.) eine Folge der Anziehung von Sonne und Mond auf die von der Kugelgestalt abweichende Erde. Vermöge der Präzession beschreibt der mittlere Pol des Äquators in ungefähr 26,000 Jahren um den Pol der Ekliptik einen Kreis, dessen Halbmesser gleich der Schiefe der Ekliptik ist (oder eigentlich eine Linie von veränderlichem Halbmesser, da die Schiefe der Ekliptik nicht ganz konstant ist). Die N. besteht nun darin, daß der wahre Pol des Äquators um den mittlern in Zeit von 18½ Jahren eine Ellipse beschreibt, deren Halbachsen 9,2 und 6,9 Bogensekunden betragen. Die Periode der N. stimmt mit derjenigen der Knoten der Mondbahn überein. - In der Pflanzenphysiologie heißt N. jede durch ungleiches Längenwachstum verschiedener Seiten eines wachsenden Organs veranlaßte Krümmung desselben. Viele aufwärts wachsende Stengel führen ihren überhängenden Gipfel im Kreis oder in einer Ellipse herum, weil die Zone des stärksten Wachstums kontinuierlich die Wachstumsachse umläuft. Der während des Wachstums aufsteigende Gipfel beschreibt in seiner Bewegung eine Schraubenlinie (rotierende oder revolutive Bewegung). Bei den Seitenorganen mit bilateraler Symmetrie wächst gewöhnlich die Außen- oder Rückseite stärker als die Innenseite, was als Hyponastie bezeichnet wird; das betreffende Organ muß sich daher nach der Mutterachse hin krümmen. Wächst dagegen die Innenseite stärker als die Außenseite (Epinastie), so stellt sich das wachsende Organ gerade oder krümmt sich sogar auf der Rückseite konkav. Sehr auffallend sind die Nutationen bei den anfangs eingerollten Blättern der Farne und den Keimstengeln der Dikotylen, die mit scharf überhängendem Gipfel über die Erde treten. Um die Erscheinungen der Hyponastie und Epinastie hervorzurufen, kann man horizontale Sprosse, wie Ausläufer oder Zweige, in umgekehrte Lage, d. h. mit der natürlichen Oberseite nach unten, in feuchten Sand legen; die epinastischen krümmen sich dabei in der Regel aufwärts, die hyponastischen abwärts.

Nute, furchenartige Aushöhlung an Arbeitsstücken, welche besonders häufig bei den sogen. Holzverbindungen bei Tischlerarbeiten Anwendung findet. Bei der Verbindung durch Feder und N. besitzt das eine Brett an der Kante eine rechtwinkelige Furche oder Rinne, das andre Brett eine dazu passende Leiste, die Feder (den Spund). Zwei so zusammengefügte Holzstücke nennt man "genutet und gefedert". Die Feder wird entweder aus dem vollen Holz gebildet, oder man versieht jedes Brett mit einer N. und legt die Feder als besondere Leiste ein (eingelegte Feder). Zur Ausarbeitung gespundeter Dielen dienen die Spundhobel, welche paarweise zusammengehören, nämlich ein Nuthobel und ein Federhobel. Auf Maschinen erzeugt man Nuten mittels besonderer Schneidköpfe auf den Hobelmaschinen oder auf Fräsmaschinen, auch mit Kreissägen. Schwalbenschwanzförmige (trapezförmige) Nuten und die in dieselben einzupassenden Teile erzeugt man mit der Gratsäge, dem Grundhobel und dem Grathobel. Bei der Metallbearbeitung erzeugt man die Nuten auf der Stoß- oder Stanzmaschine (s. Hobelmaschinen, S. 588).

Nutenreißer, ein Werkzeug mit schmalem Meißel zur Ausarbeitung der schmalen Nuten für die Herstellung von Angelegten Holzarbeiten.

Nuthe, linker Nebenfluß der Havel in der preuß. Provinz Brandenburg, entspringt bei Dennewitz im Fläming, nimmt bei Gröben die Nieplitz auf und mündet nach einem 70 km langen Lauf bei Potsdam.

Nutka, nordamerikan. Völkerfamilie auf der Vancouverinsel und dem benachbarten Festland, welche nach den vier Hauptsprachen in ebenso viele Gruppen (Quakoll, Kowitschin, Klallam oder Tsklallum und Macaw oder Klatset) zerfallen. Sie schließen sich am nächsten an die Koloschen (s. d.) an. S. Tafel "Amerikanische Völker", Fig. 5.

Nutrĭafelle (Koipu), die Felle des Sumpfbibers, kommen sporadisch in großen Mengen aus Buenos Ayres in den Handel und gehen als Affenfelle (s. d.), gerupft und braun gefärbt als Seehundsurrogat. Die Grundwolle dient auch zu Hutfilzen.

Nutrĭentia (lat.), nährende Heilmittel.

Nutrieren (lat.), ernähren.

Nutrimént (lat.), Nahrungsmittel. Nutrimentum spiritus ("Nahrung des Geistes"), Inschrift der königlichen Bibliothek zu Berlin.

Nutrition (lat.), Ernährung; nutritiv, nährend, nahrhaft; Nutritor, Ernährer, Pfleger (besonders als Titel hoher Beschützer von Schulen und Universitäten); Nutrix, Ernährerin, Amme.

Nutstoßmaschine, s. Hobelmaschine, S. 588.

Nutt., Nuttall., bei botan. Namen für Thomas Nuttall, geb. 1785 in Yorkshire, Professor der Botanik zu Philadelphia, gest. 1859 zu Nutgrove in Lancashire; schrieb: "Genera of North American plants" (1818, 2 Bde.); "Manual of the ornithology of the United States and of Canada" (Cambr. 1832, 2 Bde.) und "The North American sylva; Forest trees of United States" (Philad. 1842-49, 3 Bde.).

Nuttharz, s. Akaroidharz.

Nutzeffekt (Wirkungsgrad), das Verhältnis der Nutzarbeit, der thatsächlich verwertbaren Arbeit, zur theoretischen Arbeit. Bei jeder Maschine wird ein Teil der zu ihrem Betrieb verwendeten Arbeit dadurch, ohne Nutzen für die von der Maschine zu leistende Arbeit, aufgezehrt, daß durch die Bewegung der Maschine zugleich verschiedene dieselbe verzögernde Widerstände, deren wichtigster und häufigster die Reibung ist, zu überwinden sind. So wird in einer Dampfmaschine ein Teil der von dem Dampf in dem Cylinder verrichteten Arbeit nutzlos verbraucht, um die Reibung des Kolbens gegen die Cy-^[folgende Seite]