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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ölmilch; Ölmühlen; Olmütz

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Ölmilch - Olmütz.

daß gleich die wirklichen Lokalfarben, Licht-, Schatten- und Mitteltöne, direkt auf die Leinwand gebracht werden und nach Vollendung des Bildes dann nur etwanige Retouchen nötig sind. Dies Verfahren wird bei Aufnahme von Skizzen nach der Natur meist angewandt, weil es sich hier gewöhnlich um Festhalten eines vorübergehenden Farbeneffekts handelt, auch wohl bei Porträten. Da jedoch dabei nur Deckfarben benutzt werden können, so fehlt zwar dem Bild nicht Frische und Kraft, wohl aber jener Lüster, welcher nur durch die Transparenz der durchscheinenden Lasuren erreicht werden kann. Hierzu ist also eine Untermalung nötig, bei welcher zum großen Teil mit Absehung von der Naturfarbe die verschiedenen Farbenflächen in einem etwas zu hellen und kalten Grundton angelegt werden (so z. B. wird das Inkarnat der Gesichtsfarbe oft in einem fast kreidigen Ton untermalt), worauf bei der Übermalung erst die Lokaltöne und verschiedenen Tinten aufgetragen und schließlich gewisse Partien, namentlich tiefe Schatten, noch mit durchsichtig warmen Lasurfarben "übergangen" werden, um den Eindruck lichtvoller und markiger Körperlichkeit zu erreichen. Zuweilen, namentlich nach der ersten Übermalung, findet ein "Einschlagen" der Farben statt, d. h. sie werden dadurch, daß die unterliegende Farbenschicht oder der Grund das Öl absorbiert, stumpf und glanzlos. Um diesen Übelstand, der während des Malens sehr störend ist, zu beseitigen, überzieht man, sobald die Farben hinlänglich trocken sind, die eingeschlagenen Stellen entweder mit etwas Eiweiß, oder mit einem durch rektifizierten Spiritus verdünnten Firnis, der als "französischer Firnis" bekannt ist, worauf weiter gemalt werden kann. Das Nachdunkeln (s. d.) der Farben rührt von unrichtiger Mischung derselben her oder davon, daß man auf dunkeln Grund oder noch nicht ganz trockne Farben weiter malt. Was die sogen. Restauration (s. d.) schadhaft gewordener Gemälde betrifft, so ist dies eine besondere Technik, die mit großer Vorsicht zu handhaben ist. Bei alten Bildern tritt zuweilen eine chemische, zuweilen aber auch nur eine optische Veränderung der Farbe ein. Diesen Unterschied hat neuerdings der Chemiker Pettenkofer in München wissenschaftlich festgestellt. Über das rein Künstlerische und Geschichtliche der Ö. s. Malerei. Die gegenwärtige Technik der Ö. ist zu solcher Virtuosität und mit einem solchen Raffinement ausgebildet worden, daß sie nicht durch litterarische Hilfsmittel allein, sondern nur durch praktischen Unterricht lehrbar ist. Von erstern vgl. Völker, Die Kunst der Malerei (Leipz. 1852); Hertel, Die Ö. in umfassender technischer Beziehung etc. (Weimar 1857); Bouvier, Handbuch der Ö. (6. Aufl., neu bearbeitet von Ehrhardt, Braunschw. 1880); Ludwig, Über die Grundsätze der Ö. (Leipz. 1876); Jännicke, Handbuch der Ö. (2. Aufl., Stuttg. 1885); Elbinger, Handbuch der Ö. (3. Aufl., Halle 1881); Eastlake, Materials for a history of oil-painting (Lond. 1847-69, 2 Bde.; besonders für die Maltechnik des Mittelalters wichtig); Ehrhardt, Die Kunst der Malerei (Braunschw. 1885).

Ölmilch, s. v. w. Ölemulsion, s. Emulsionen.

Ölmühlen, Anstalten, in welchen fette Öle aus Samen gepreßt werden.

Olmütz (slaw. Olomouc), Stadt mit eignem Gemeindestatut in Mähren, zweite Hauptstadt des Landes, kirchliche Metropole desselben und eine der stärksten Festungen der österreichischen Monarchie, liegt in ebener, etwas sumpfiger Gegend an der March, welche durch Schleusen so bedeutend geschwellt werden kann, daß sie einen großen Teil der Festungswerke und die Umgegend unter Wasser setzt, und besteht aus der eigentlichen Stadt und drei Vorstädten. Zu Anfang der Schlesischen Kriege war O. mit Mauern, Türmen und Gräben befestigt; durch Maria Theresia erhielt es eine starke bastionierte Befestigung mit Ravelins, Kontergarden und andern Außenwerken. In der neuesten Zeit wurden im Umkreis von O. Forts angelegt, dagegen ein Teil der alten Festungswerke aufgelassen und die Thore demoliert, auf dem dadurch gewonnenen Raum aber neue Stadtteile, Spaziergänge und ein Stadtpark angelegt. O. hat 2 schöne Plätze (den Oberring mit einer 46 m hohen Dreieinigkeitssäule und den Niederring mit einer 23 m hohen Mariensäule). Bemerkenswerte Gebäude sind unter den 8 Kirchen der Stadt die gotische Metropolitankirche zum heil. Wenzel (aus dem 14. Jahrh.), welche gegenwärtig restauriert wird, die Garnison- und ehemalige Jesuitenkirche Maria-Schnee, die Mauritiuskirche (aus dem 11. Jahrh.), die Dominikaner- und die Michaelskirche mit kühn gewölbter Kuppel; ferner das erzbischöfliche Residenzschloß, das Rathaus mit 78 m hohem Turm und einer alten Kunstuhr, das Konsistorialgebäude, das Zeughaus, die sogen. Jesuiten-, die Spitals- und die Landwehrkaserne, die Gebäude des Klerikalseminars und der 1858 aufgehobenen Universität, das Oberrealschul-, das Post- und Telegraphengebäude, das Theater etc. O. zählt (1880) mit der 4656 Mann starken Garnison 20,176 Einw. (⅔ Deutsche, ⅓ Slawen). Die Industrie ist von geringer Bedeutung; es bestehen nur eine große Bierbrauerei und Malzfabrik, sodann Fabriken für Kupfer- und Metallwaren, Spiritus, Likör, Rosoglio, Preßhefe, chemische Präparate, Segeltuch und Leinenstoffe, eine Gasanstalt etc. Doch bildet O. das geschäftliche Zentrum für den Betrieb mehrerer industrieller und montanistischer Unternehmungen in der Umgebung. Die Stadt ist durch Eisenbahnen mit Wien, Prag, Brünn, Sternberg und Schönberg, Jägerndorf und (durch eine Lokalbahn) mit Czellechowitz verbunden und treibt bedeutenden Handel in Rohprodukten und Fabrikaten. O. ist Sitz des Fürsterzbischofs, eines Domkapitels und Konsistoriums, eines Festungskommandos, eines Kreis- und Bezirksgerichts, einer Finanzbezirksdirektion, einer Bezirkshauptmannschaft (für die Umgebung von O.), eines Hauptzoll- und Hauptsteueramtes, eines Revierbergamtes, einer Handels- und Gewerbekammer; es hat 3 Klöster (Dominikaner-, Kapuziner- und Ursulinerinnenkloster), eine k. k. theologische Fakultät (mit 1887: 240 Studierenden) als Rest der ehemaligen Universität von O., ein erzbischöfliches Klerikalseminar, eine Hebammenlehranstalt, ein deutsches und ein slawisches Obergymnasium, eine Staatsoberrealschule, eine Lehrerbildungsanstalt, eine erzbischöfliche Lehrerinnenbildungsanstalt, eine Fachschule für Handlungslehrlinge und eine gewerbliche Fortbildungsschule, ein Gewerbe- und ein historisches Museum, eine öffentliche k. k. Studienbibliothek mit 75,000 Bänden, 2500 Handschriften (darunter Melanchthons Autograph der Loci communes in deutscher Sprache) und 1000 Inkunabeln, eine Filiale der Österreichisch-Ungarischen Bank, eine Handels- und Gewerbebank, eine Kreditbank, eine Sparkasse, eine Gebär- und

^[Abb.: Wappen von Olmütz.]