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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Orléans, Jungfrau von; Orléansville; Orley; Orlich; Orlik; Örlinghausen; Orlog; Orlów

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Orléans, Jungfrau von - Orlow.

digen Friedensschluß und den Kampf mit der Pariser Kommune auf sich zu nehmen, sondern überließen dies Thiers und begnügten sich damit, daß 8. Juni 1871 das Verbannungsdekret von 1848 gegen sie aufgehoben und die Wahlen ihrer Prinzen für gültig erklärt wurden. Gegen ihr ausdrücklich Versprechen traten diese auch im Dezember in die Nationalversammlung ein. Im November 1872 wurde auch das Konfiskationsdekret vom 22. Jan. 1852 aufgehoben und die noch nicht verkauften Güter, im Wert von 60 Mill. Frank, der Familie O. zurückgegeben. Die Eile, womit die O. dies betrieben hatten, begegnete mehrfachem Tadel. 1876 wurde die Asche der im Exil gestorbenen Mitglieder der Familie von Claremont nach Dreux gebracht. Siedelten so die O. vollständig wieder nach Frankreich über, so nahm doch ihr politischer Einfluß nicht zu, um so weniger, da sie zwischen liberalen und klerikalen Neigungen hin- und herschwankten und zum Teil sich allzu sparsam gegen ihre Anhänger zeigten. Als Thiers sich nicht zu ihrem willenlosen Werkzeug hergeben wollte, stürzten sie ihn 1873 und suchten eine Fusion mit dem Grafen von Chambord zu stande zu bringen. Dies scheiterte aber an der Halsstarrigkeit des Grafen Chambord und seiner Anhänger. Erst durch den Tod des Grafen von Chambord (24. Aug. 1883), mit dem die ältere Linie Bourbon erlosch, wurden die O. Erben von deren Thronansprüchen und der Graf von Paris Haupt des königlichen Hauses Frankreich (Maison royale de France). Mit wenigen Ausnahmen erkannten die bisherigen Legitimisten den Grafen von Paris als Prätendenten an, da die spanischen und sizilischen Bourbonen durch den im Utrechter Frieden (1713) ausgesprochenen Verzicht von der Thronfolge in Frankreich ausgeschlossen sind. Deswegen wurden die O. 1883 nicht bloß aus dem aktiven Militärdienst entlassen, sondern auch ein Prätendentengesetz gegeben, auf Grund dessen der Graf von Paris, dann auch der Herzog von Chartres und der Herzog von Aumale im Juni 1886 aus Frankreich ausgewiesen wurden. Seine letzte Kundgebung als Prätendent und Haupt der Monarchien erließ der Graf von Paris 15. Sept. 1887. Vgl. Laurentie, Histoire des ducs d'O. (Par. 1832-34, 4 Bde.); Marchal, La famille d'O. depuis son origine jusqu'à nos jours (das. 1845); Yriarte, Les princes d'O. (das. 1872).

Orléans, Jungfrau von, s. Jeanne d'Arc.

Orléansville (spr. orleangwil), Stadt in Algerien, Provinz Algier, am Schelif, der hier viele Bewässerungskanäle speist, und der Eisenbahnlinie Algier-Oran, mit Kasernen, Hospital und (1881) 7450 Einw., wurde 1842 vom Marschall Bugeaud gegründet und als ein strategisch wichtiger Punkt 1843 und 1844 von Cavaignac befestigt. Der Hafen von O. ist Tenes. In der Nähe das 1848 gegründete Kolonistendorf Ponteba mit den Ruinen des römischen Castrum Tingitii.

Orley, Bernaert (Barend, Bernhard) van, niederländ. Maler, geb. 1491 oder 1492 zu Brüssel, hielt sich zwischen 1509 und 1515 in Italien auf, wo er sich besonders nach oder vielleicht auch bei Raffael ausbildete, war seit 1515 in Brüssel ansässig und von 1520 bis 1527 Hofmaler der Statthalterin Margarete von Parma, seit 1532 ihrer Nachfolgerin, der Maria von Ungarn. Er starb 6. Jan. 1542 in Brüssel. Ursprünglich noch in der Art des Gerard David malend, veränderte er seinen Stil infolge der italienischen Reise, jedoch nicht zu seinem Vorteil, indem er sich die volle italienische Formenschönheit nicht aneignen und den Niederländer in Form und Kolorit nicht verleugnen konnte. In seiner mittlern Periode schließt er sich an Mabuse an. Eine gewisse Feinheit der Empfindung ist ihm eigen. Seine Hauptwerke sind: ein Altar mit Szenen aus dem Leben der Apostel Thomas und Matthias (Wien, kaiserliche Galerie), ein Triptychon mit den Leiden Hiobs (Brüssel, Museum), Ruhe auf der Flucht (Liverpool, Royal Institution), das Jüngste Gericht (Antwerpen, Elisabeth-Hospital), Verehrung der heiligen Dreifaltigkeit (Lübeck, Marienkirche), Venus und Amor (Berlin, Museum). Er hat auch Entwürfe für Wandteppiche angefertigt, welche in Brüsseler Fabriken ausgeführt wurden, so z. B. solche mit kaiserlichen Jagden für Karl V. (jetzt im Louvre zu Paris). Vgl. Wauters, B. v. O., sa famille et ses œuvres (Brüssel 1881).

Orlich, Leopold von, namhafter Schriftsteller, geb. 30. Juni 1804 zu Stallupönen, war Offizier im preußischen Kaiser Alexander-Regiment, ging 1842 nach Indien, um sich am Kriege gegen die Sikh zu beteiligen, kehrte 1843 in die Heimat zurück, nahm 1848 als Major seinen Abschied und lebte fortan meist in England. Er starb 2. Juni 1860 in London. Litterarisch machte er sich bekannt durch die Werke: "Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst" (Berl. 1836), "Geschichte des preußischen Staats im 17. Jahrhundert" (das. 1838-39, 3 Bde.), "Geschichte der Schlesischen Kriege" (das. 1841, 2 Bde.) und "Fürst Moritz von Anhalt-Dessau" (das. 1842) sowie durch seine "Reise in Ostindien in Briefen an A. v. Humboldt und Karl Ritter" (Leipz. 1845; 3. Aufl. 1858, 2 Bde.) und "Indien und seine Regierung" (das. 1859-61, 3 Bde.).

Orlik, Stadt, s. Olwiopol.

Örlinghausen, Dorf im Fürstentum Lippe, hat ein Amtsgericht, Leinweberei, Wäschefabrikation und (1885) 1895 Einw. Auf dem Tönsberg die Hünenkirche oder Tönskapelle, mit einem dreifachen Stein und Erdwall umgeben, angeblich zum Andenken des Siegs Karls d. Gr. bei Detmold erbaut.

Orlog (holländ. Oorlog), Krieg; daher Orlogsflotte, s. v. w. Kriegsflotte; Orlogschiff, altes, in der Matrosensprache noch jetzt übliches Wort für Kriegsschiff.

Orlów, Kreisstadt im russ. Gouvernement Wjatka, an der Wjatka, mit 7 Kirchen, Fabrikation in Leder und Fayence, Getreidehandel und (1885) 3376 Einw.

Orlów, russ. Adelsfamilie. Ein gemeiner Strelitze, Iwan O., welcher auf Befehl Peters d. Gr. hingerichtet werden sollte, bewies dabei solche Kaltblütigkeit, daß er begnadigt und später zum Offizier ernannt wurde. Sein Enkel ist:

1) Grigorij, geb. 17. Okt. 1734, Sohn Grigorijs O., Gouverneurs von Nowgorod Weliki, war Adjutant des Artilleriechefs Grafen Schuwalow. Im Siebenjährigen Krieg, wo er in der Schlacht bei Zorndorf verwundet wurde, mit dem gefangenen Grafen von Schwerin nach Petersburg als Eskorteoffizier geschickt, zog er bei seinen körperlichen Vorzügen die Augen der Kaiserin Katharina II. auf sich, die ihn zu ihrem Geliebten erhob, und für die er nebst seinen Brüdern den Sturz Peters III. 9. Juli 1762 vorbereitete. Grigorij wurde zwar nicht, wie er gehofft, Gemahl der Kaiserin, jedoch reich belohnt und zum Generalfeldzeugmeister ernannt. Er war der Urheber der Idee, durch Ausrüstung einer Expedition in das Mittelmeer (1769 und 1770) der Türkei in den Rücken zu fallen. Schon 1762 nebst seinen Brüdern in den Grafenstand erhoben, wurde er 1772 auch noch von Joseph II. zum deutschen Reichsfürsten ernannt. Als russischer Gesandter auf dem Friedenskongreß zu Fokschani 1772 erlangte er infolge seines anmaßenden