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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Persische Litteratur

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Persische Litteratur (Poesie, Geschichtschreibung).

sondern sich auch durch Sammlung bisher zerstreuter Schätze mystischer Weisheit verdient machte. Unter seinen eignen Werken übte das "Buch der Geheimnisse" ("Esrârnâme") auf die Dichtung des größten mystischen Dichters der Perser bedeutenden Einfluß aus. Dieser war Dschelâl eddin Rumi (s. d.), dessen Dichtungen durch den gesamten Orient der Mittelpunkt des mohammedanischen Pantheismus sind. Er predigt die Lehre "des Ausflusses aller Dinge von dem ewig unerschaffenen Licht und der Vereinigung mit der Gottheit auf dem Weg des beschaulichen Lebens durch Gleichgültigkeit gegen alle äußere Form und durch Vernichtung seines Ichs". Unter den Mongolenfürsten sind es besonders Hulagû Chan und Ghâsân, welche Wissenschaft und Poesie schätzten und beförderten. Doch sind die hierher gehörigen Namen weniger bedeutend für die Gesamtentwickelung der persischen Poesie. Als Hauptvertreter der didaktischen Poesie unter den Persern ist Scheich Moslich eddin Sa'adi (s. d.) zu nennen, dessen moralphilosophische Hauptdichtungen "Rosengarten" ("Gulistân") und "Fruchtgarten" ("Bostân"), sich durch liebliche Einfachheit der Erzählungen, denen Denksprüche in Prosa und Versen beigemischt sind, auszeichnen. Außerdem that er sich auch als lyrischer Dichter hervor. Zu dieser Periode sind noch zu rechnen: Amir Chosrau aus Dehli (1253-1325) als Nachfolger Nisâmîs in der romantischen Erzählung; Scheb isterî (gest. 1320) als Nachfolger Dschelâl eddin Rumis, dem er jedoch in seinem "Rosenflor des Geheimnisses" ("Gülscheni râz", pers. und deutsch von Hammer, 1838) nicht nahekommt; Chodschu Kirmânî (1289-1345), Verfasser mehrerer mystisch gefärbter Epen; der durch seine poetischen Fragmente oder Kit'as bekannte Ibn Jamîn (gest. 1344; deutsch von Schlechta-Wssehrd, 2. Aufl., Stuttg. 1879) u. a.

Der vierte Zeitraum (1300-1397) umfaßt die heitere Lyrik und bildet zugleich die Glanzperiode dieser Dichtungsart bei den Persern. Den Höhepunkt erreichte dieselbe in Schems eddin Hafis (s. d.), dem größten und berühmtesten aller Lyriker des Orients, dessen Gedichte zu den glänzendsten Erscheinungen der Weltlitteratur gehören. "Die gottvolle Trunkenheit eines mit der Weltseele sich innig eins wissenden Pantheisten wirft da funkelnde Liederperlen mit vollen Händen aus." Von andern verdient aus diesem Zeitraum noch Wassâf, der Lobredner des Sultans Abû Saîd aus der Familie Dschengis-Chans, Erwähnung, ein schwieriger, an Allitterationen, Wortspielen, Allegorien und gelehrten Anspielungen reicher Dichter, ebenso die Lyriker Kemâl Chodschandî (gest. 1401), Maghribî (gest. 1406) und Kâsim Anwâr (gest. 1433). Mit Hâfis hatte die geistige Produktionskraft der Perser ihren Gipfel erreicht. - Der fünfte Zeitraum (1397-1494) ist als die Periode des Stillstandes zu bezeichnen. Er wird begrenzt durch Mewlana Dschami (s. d.), den letzten Dichter erster Größe, der das, was nach dem Vorgang der großen Epiker, Mystiker und Lyriker noch zu thun übrigblieb, in hoher Vollendung in sich darstellte, dabei jedoch mehr Korrektheit, Glätte des Stils und mehr nachahmendes Talent als selbstschöpferisches Genie entfaltete. Mit dem sechsten Zeitraum (1494-1596) beginnt die Abnahme der Poesie. Von Dschâmis Nachfolgern sind noch zu nennen: sein Schwestersohn Hâtifî (s. d.), ferner Hitâfî (s. d.), Ahlî von Schiraz (gest. 1535), Feisî (s. d.) und Fettâhi (s. d.). - In die siebente Periode (seit 1596) gehören als die letzten bedeutenden Lyriker Persiens und Indiens: Tâlib aus Amol (gest. 1626), Sâïb (gest. 1670 in Ispahan), der Kaiser Schâh Alam (der von 1760 bis 1787 regierte und unter dem Namen Aftâb dichtete) u. a.; ferner die großen Epen: "Hamla i Haidarî", eine poetische Biographie von Mohammed und Ali; das "Shahinshâhnâme" oder "Buch der Könige", welches, gleich dem vorübergehenden eine Nachahmung Firdusis, die neueste Geschichte Persiens in Versen erzählt, und das "Georgenâme" von Fîrûz ben Kâus (Bomb. 1837), das die Eroberung Indiens durch die Engländer darstellt. In den beiden letzten Perioden ist die persische Poesie besonders reich an Sammlungen von Gedichten aller Art, von Fabeln, Märchen, Novellen etc. Dieser Reichtum stammt aus Indien und ist durch die Perser zu den Arabern und von da weiter nach dem Occident vermittelt worden. Auszuzeichnen sind die "Anwârî soheilî" (d. h. die kanopischen Lichter), die berühmte persische Bearbeitung der Fabeln des Bidpai durch Hosein Wâïs Kâschifî (gest. 1504; gedruckt Hertford 1805, Kalkutta 1816, 1834 u. öfter); ferner das "Buch der sieben weisen Meister" (woraus im Türkischen 40 Wesire geworden sind); der "Nigâristân" ("Bildersaal") von Dschuweini; das "Tûtinâme" (d. h. das Buch des Papageien), eine Märchensammlung von Nachschebî (deutsch von Iken, Stuttg. 1822; nach der türk. Bearbeitung von Rosen, Leipz. 1858); "Behâri Dânisch" (d. h. Frühling der Weisheit) von Inâjet Allah in Indien (engl. von Scott u. d. T.: "Garden of knowledge", 1799, 3 Bde.), eine Sammlung von Erzählungen und Novellen; "Bachtijârnâme", die Geschichte des Prinzen Bachtijâr (hrsg. und übersetzt von Ouseley u. d. T.: "History of Bakhtyar and the ten viziers", Lond. 1801; pers. auch Par. 1839); die romanhafte Geschichte von Hâtim Tâi (Kalkutta 1818; vollständige engl. Übersetzung von Forbes, Lond. 1830) und von Amîr Hamsa in 72 Kapiteln; endlich der große 15bändige Roman "Bustân i Chajâl" ("Garten der Phantasie"), verfaßt in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Ins 18. Jahrh. fallen die märchenhaft novellistischen Behandlungen der Sagen von Hâtim ben Ubaid ben Said durch Ferîd Ghafer Chan, ein für die Kenntnis morgenländischen Zauber und Feenwesens wichtiges Werk, und von dem Räuber und Minstrel Kurroglou (deutsch von Wolff, Jena 1843). Das Drama geht bei den Persern fast ebenso wie bei den Arabern leer aus; doch ist zu erwähnen, daß in Persien alljährlich der Tod Huseins, des Sohns Alis, und andrer mosleminischer Märtyrer mit großem Gepränge in der Art unsrer mittelalterlichen Mysterien dramatisch aufgeführt wird (vgl. Chodzko, Sur la littérature dramatique des Persans, Par. 1844; "Djungui Chehâdet", das. 1852; "Théâtre persan", das. 1878). Das einzige zusammenhängende Werk über die poetische Litteratur der Perser ist bis jetzt Hammers "Geschichte der schönen Redekünste Persiens" (Wien 1818), leider eine sehr ungenügende Arbeit. Vgl. auch Goethe in den Noten zum "Westöstlichen Diwan"; Sir Gore Ouseley, Biographical notices of Persian poets (Lond. 1846); Sprenger, Catalogue of the manuscripts of the libraries of the king of Oudh (Kalkutta 1854).

Die persische Geschichtschreibung behandelt teils die allgemeine Geschichte der mohammedanischen Staaten, teils Spezialgeschichte. Firdusis großes Nationalepos enthält in seinem zweiten, poetisch unbedeutendern Teil viel historisches Material, kann indes natürlich nicht als eine direkt geschichtliche Ar-^[folgende Seite]