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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pifferāri; Pigafetta; Pigalle; Pigault-Lebrun; Pigeon-English; Pigeon River; Piglhein; Pigmént

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Pifferari - Pigment.

mometerrohr und gibt so die Volumverminderung der eingeschlossenen Flüssigkeit an. Am Manometer liest man den Druck ab. Hebt man letztern wieder auf, so sinkt auch das Quecksilber wieder auf seinen ursprünglichen Stand und beweist so, daß das Wasser gegen Kompression vollkommen elastisch ist. Genaue Untersuchungen ergaben, daß auch bei gleichem Druck von außen und innen das Volumen des kleinen Gefäßes nicht ganz unveränderlich ist; Regnault hat das P. verbessert und diese Fehlerquelle zu eliminieren gesucht. Die Beobachtungen am P. lehren, daß z. B. beim Schwefeläther und Alkohol die Zusammendrückbarkeit mit wachsendem Druck abnimmt. Schwefeläther ist bei 11° stärker zusammendrückbar als bei 0°. Nach Grassi beträgt die Zusammendrückbarkeit durch den Druck einer Atmosphäre bei Quecksilber von 0° 3 Millionteile, bei Wasser von 0° 50, bei Wasser von 53° 44, bei Äther von 0° 111, bei Äther von 14° 140, bei Alkohol von 7° 84, bei Alkohol von 13° 95 und bei Chloroform von 12° 65 Millionteile des ursprünglichen Volumens.

Pifferāri (ital.), Hirten aus dem Volskergebirge und den Abruzzen, welche in der Adventszeit ehedem nach Rom kamen, um hier vor den Marienbildern an den Straßenecken mit ihrer wunderlichen Schalmei (piffero), mit Dudelsack (zampogna) und monotonem Gesang täglich dreimal zu musizieren. Ihre Lieder und Weisen sind uralt; nach jedem Vers folgt ein Adagio, an dessen Schluß der Piffero mit schrillem Triller einfällt. Die P., gewöhnlich ein Alter mit Kragenmantel, Spitzhut und dem Dudelsack und ein schwarzlockiger, in ein Fell gehüllter Junge mit der Schalmei, beide Sandalen tragend, gehörten zu den malerischten Gestalten Roms; in neuester Zeit wurde der alte Brauch polizeilich unterdrückt.

Pigafetta, Francesco Antonio, Reisender, geboren um 1491 zu Vicenza, widmete sich dem Studium der Mathematik und Schiffahrtskunde und nahm 1519 an der Expedition Magelhaens' (s. d.) nach den Molukken teil. Auf den Philippinen, wo Magelhaens seinen Tod fand, ward auch P. schwer verwundet. Nach vielen Gefahren langte er 8. Sept. 1522 mit 17 Begleitern wieder in Sevilla an. Später ward er Ritter des Johanniterordens auf Rhodos und Ordenskommandeur zu Novisa. Wahrscheinlich starb er 1534 in Vicenza. Seine auf Veranlassung des Papstes Clemens VII. abgefaßte Reisebeschreibung ward von Amoretti italienisch und französisch (Mail. 1800; deutsch, Gotha 1801) herausgegeben.

Pigalle (spr. -gáll), Jean Baptiste, franz. Bildhauer, geb. 26. Jan. 1714 zu Paris, Schüler von Le Moine, besuchte Italien und wurde durch einen Merkur Mitglied der Akademie. Auf Befehl des Königs führte er denselben im großen aus und als Pendant eine Venus, die beide als Geschenk an Friedrich II. nach Berlin geschickt wurden. An diese beiden in Sanssouci befindlichen Werke, die trotz Winckelmanns strengem Tadel zu den besten Arbeiten des 18. Jahrh. gehören, reihen sich zwei Statuen Ludwigs XV., von welchen die 1765 in Reims aufgestellte für ein Meisterstück des Künstlers erklärt wurde. Von seinen Statuen rühmte man noch jene eines Kindes, welchem der Vogel aus dem Käfig entwischt. Von seinen Reliefbildnissen stehen jene Ludwigs XV., Diderots, Voltaires und Raynals obenan. Doch ist er in einer Statue Voltaires in die Karikatur geraten. Sein letztes, durch Schönheit und Zartheit ausgezeichnetes Werk war ein Mädchen, welches sich einen Dorn aus dem Fuße zieht. Das Hauptwerk des Künstlers ist das Monument des Marschalls Moritz von Sachsen in der St. Thomaskirche zu Straßburg, 1776 aufgestellt. Demselben fehlt zwar das Studium der Natur und der Antike, und die Gestalten sind mit unsicherer Weichheit behandelt, die Gewänder in einer willkürlichen Fülle und mit gesuchten Falten angebracht, doch ist die dekorative Wirkung groß und die Komposition schwungvoll. P. starb 20. Aug. 1785 in Paris. Vgl. Tarbé, La vie et les oeuvres de J. B. P. (Reims 1859).

Pigault-Lebrun (spr. pigo-löbröng), eigentlich Charles Antoine Guillaume P. de L'Epinoy, franz. Romanschriftsteller und Dramatiker, geb. 8. April 1753 zu Calais, hatte eine äußerst bewegte Jugend, wurde Schauspieler und Soldat, bekleidete von 1806 bis 1824 ein Unteramt bei der Mautverwaltung und starb 24. Juli 1835. Von seinen Romanen (im ganzen über 70 Bde.) hatten den meisten Ruf: "L'enfant du carnaval" (1792); "Les barons de Felsheim" (1798); "La folie espagnole" (1799) und "M. Botte" (1802); von seinen Lustspielen verdienen "Le pessimiste" (1789), "L'amour de la raison" (1791) und "Les rivaux d'eux-mêmes" (1798) Hervorhebung. Lebhafte Phantasie, Wahrheit in der Schilderung der Charaktere, gelungene Anlegung und Ausführung des Plans sind P. im hohen Grad eigen; dagegen ist sein Witz oft plump und frivol. Seine Romane und Dramen nebst den "Mélanges littéraires et critiques" (1816, 2 Bde.) sind in seinen "OEuvres complètes" (1822-1824, 20 Bde.) vereinigt. Noch sind zu erwähnen: "Le citateur" (1803, 2 Bde.; neue Ausg., Brüssel 1878), eine Sammlung von Citaten gegen die christliche Religion (während der Restauration unterdrückt, nach 1830 wiederholt aufgelegt), und seine (ziemlich wertlose) "Histoire de France" (1823-30, 8 Bde.).

Pigeon-English (auch Pidgin-English, spr. piddsch'n-inglisch), das verdorbene Englisch, welches von Chinesen in der Südsee gesprochen wird. Man hält "pigeon" für verderbt aus business.

Pigeon River (spr. piddsch'n riwwer, "Taubenfluß"), westlicher Zufluß des Obern Sees in Nordamerika, unter 48° nördl. Br., durchströmt mehrere Seen und bildet die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und den britischen Besitzungen.

Piglhein, Bruno, Maler, geb. 1848 zu Hamburg, widmete sich anfangs bei Lippelt daselbst und seit 1864 bei Schilling in Dresden der Bildhauerkunst, ging aber 1870 zur Malerei über, die er anfangs in Weimar und dann in München bei W. Diez studierte. Nachdem er eine Reihe dekorative Arbeiten und mythologischer Genrebilder gemalt, die von Böcklin und Makart beeinflußt waren, trat er 1879 mit einer religiösen Komposition: Moritur in Deo (der sterbende Christus von einem Engel getröstet), auf, welche seinen Namen zuerst bekannt machte. Aber er gab diese Richtung bald wieder auf und lieferte eine Reihe von Pastellzeichnungen, Brustbildern, Köpfen und Halbfiguren von Modedamen, Gecken, Roués, Dirnen und Kindern, von denen eine Auswahl unter dem Titel: "Douze pastels" (Münch. 1884) erschien. Daneben entstanden Genrebilder aus dem Kinderleben, von denen das Idyll (Kind mit Hund) durch Reproduktionen am bekanntesten geworden ist. Von 1885 bis 1886 machte er eine Reise nach Palästina, deren Frucht das im Verein mit K. Frosch und J. Krieger für München gemalte Panorama der Kreuzigung Christi (hrsg. von Trost, Stuttg. 1887) war. Von seinen übrigen Werken sind zu nennen: Brustbild eines sterbenden Christus, Maria unter dem Kreuz, Beatrice, Grablegung Christi. P. ist königlicher Professor.

Pigmént (lat.), s. v. w. Farbstoff (s. Farbstoffe),