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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Poet - Pogge.

subjektive und objektive, in letzterer in Dichtkunst in gebundener (metrischer) und solche in ungebundener Rede unterschieden. Subjektiv heißt die P., wenn die darzustellende Gedankenwelt auf das Subjekt, den Dichter, selbst bezogen, diese als dessen eigne dargestellt wird. Dieselbe führt, da das Subjekt als in lyrischer, d. h. sein Inneres in Worte ausströmender, Stimmung befindlich gedacht wird, den Namen der lyrischen P. (s. Lyrik). Objektiv heißt die P., wenn die darzustellende Gedankenwelt auf ein vom Dichter verschiedenes Objekt bezogen, eine Begebenheit oder Handlung eines solchen dargestellt wird. Wird dabei das Objekt als vergangen (Geschehendes als geschehen, eine "Handlung als Begebenheit") gedacht, so entsteht die epische P. (s. Epos); wird dasselbe als gegenwärtig (Geschehenes als geschehend, eine "Begebenheit als Handlung") gedacht, so entsteht die dramatische P. (s. Drama). Hinsichtlich der Beschaffenheit der Darstellungsmittel pflegt man die metrische Dichtkunst vorzugsweise (mit Unrecht, wie die "Streckverse" Jean Pauls, der Roman und zahlreiche in Prosa verfaßte Dramen, z. B. Lessings "Emilia Galotti", Schillers "Räuber", "Fiesko", "Kabale und Liebe" u. a., beweisen) P. zu nennen. Die Einteilung in Kunst- und Natur- sowie jene in gelehrte und Volkspoesie gehen nicht sowohl die P. als vielmehr den Poeten an, je nachdem derselbe entweder mit oder ohne Bewußtsein, entweder als individuelle Persönlichkeit oder als namenloses Glied einer gleichartigen Genossenschaft (einer Sängerzunft, eines Standes, eines Volkes) schafft. Die Gegensätze der "naiven und sentimentalischen" (Schiller), "klassischen und romantischen P." (Romantiker), "antiken und modernen P." etc. fallen mit jenen der bewußtlosen (Natur-) und bewußten (Kunst-) P. zusammen, wenn mit diesen der (mystische) Glaube an die Unfehlbarkeit des Bewußtlosen und der (pessimistische) Unglaube an die Verwirklichung des Ideals durch das Bewußte verbunden wird. Geschichtlich ist der P. als Darstellung einer weder für wahr gehaltenen, noch für wahr angegebenen Gedankenwelt sowohl die Wissenschaft als die Mythendichtung, dagegen der Prosa als der schmucklosen Darstellung einer für wahr gehaltenen Gedankenwelt sowohl die Lehrdichtung (in gebundener und ungebundener Rede) als die P. vorangegangen. Anderseits hat sich von den drei Hauptgattungen der P. nach dem Grundsatz, daß die eignen Zustände (Gefühle, Affekte, Begierden und Leidenschaften) unmittelbar, die Wahrnehmungen von uns verschiedener Objekte nur mittelbar, durch Übertragung unsers eignen Gemütslebens auf jene, zur sprachlichen Darstellung antreiben, die lyrische P. vor der epischen und die dramatische P. am spätesten entwickelt, womit die geschichtliche Zeugnisse übereinstimmen. Vgl. Poetik.

Poēt (lat. poëta), Dichter; Poeta laureatus, s. v. w. "gekrönter Dichter" (s. d.).

Poëtáster (neulat.), schlechter Dichter, Dichterling.

Poētik (griech.), ein Teil der praktischen Ästhetik oder angewandten Kunstlehre und zwar derjenige, welcher sich auf die Poesie (s. d.) als schöne Kunst bezieht. Als solche handelt die P. vom Wesen, den Formen und Gattungen der Poesie und zwar sowohl nach der Seite der durch dieselbe darstellenden Gedankenwelt als nach der Seite des sprachliche Darstellungsmittels derselben hin. Die älteste P. hat Aristoteles verfaßt; wir besitzen sie jedoch nur in Bruchstücken, die namentlich das Heldengedicht und die Tragödie betreffen. Eine weitere P. aus dem klassischen Altertum ist die in poetischer Form abgefaßte "Ars poetica" des Horaz. Die erste deutsche P. von Bedeutung gab in seinem Buch "Von der deutschen Poeterei" (1624; neue Ausg., Halle 1876) Opitz, welcher aber, wie seine zahlreichen Nachahmer, fast nur auf Erörterung des Äußerlichsten der Poesie ausging. Unter den spätern deutschen Werken über P., von welchen die meisten nur noch historische Bedeutung besitzen, sind hervorzuheben: Breitinger, Kritische Dichtkunst (Zürich 1740); Gottsched, Versuch einer kritischen Dichtkunst für Deutsche (Leipz. 1730); Sulzer, Allgemeine Theorie der schönen Künste (letzte Ausg., das. 1792-94, 4 Bde.); Engel, Anfangsgründe einer Theorie der Dichtungsarten (Berl. 1783); Eschenburg, Entwurf einer Theorie und Litteratur der schönen Redekünste (das. 1805; 5. Aufl. von Pinder, 1836). Namhafte Werke der neuesten Zeit sind: Carriere, Das Wesen und die Formen der Poesie (2. Aufl., Leipz. 1884); Gottschall, Poetik (5. Aufl., Bresl. 1883, 2 Bde.); Kleinpaul, Poetik (8. Aufl., Leipz. 1880, 3 Tle.); Österley, Die Dichtkunst und ihre Gattungen (das. 1870); W. Wackernagel, P., Rhetorik und Stilistik (2. Aufl., Halle 1888); Beyer, Deutsche P. (Stuttg. 1882, 2 Bde.); Baumgart, Handbuch der P. (das. 1887); Viehoff, Die P. auf Grundlage der Erfahrungsseelenlehre (Trier 1888); W. Scherer, Poetik (Berl. 1888). Wichtige Erörterungen über einzelne Fragen und über das allgemeine Gebiet der P. finden sich in den Schriften Lessings, in den Briefwechsel Schillers mit Goethe, Humboldt und Körner, in den Ästhetiken von Jean Paul, Hegel, Vischer, Carriere, R. Zimmermann etc.

Poetische Epistel, s. Epistel.

Poetische Lizenzen, s. Dichterische Freiheiten.

Poetisieren, der dichterischen Darstellungsweise sich annähern, oft mit dem Nebensinn des Absichtlichen und Gemachten.

Poganze, ein steirisches Gebäck aus Strudelteig, gefüllt mit Quark, Eiern und Sahne.

Pogar, Städtchen im russ. Gouvernement Tschernigow, östlich von Starodub, mit (1885) 3944 Einw.

Pogge, Paul, Afrikareisender, geb. 24. Dez. 1838 zu Ziersdorf in Mecklenburg-Schwerin, studierte zu Berlin und Heidelberg, promovierte auf letzterer Universität, bereiste 1864 Natal, Mauritius und Réunion und kehrte hierauf nach Europa zurück. Im J. 1874 schloß er sich der Cassange-Expedition unter Homeyer an und ging mit diesem von Loanda den Coanza auswärts bis Pungo Adongo, dann mit Lux über Malansche nach Kimbundo und endlich ohne Lux nach Mussumba, der Residenz des Muata Jamvo, das er 9. Dez. 1875 erreichte. Damit war er weiter ins Innere vorgedrungen als irgend ein Reisender der Deutschen Afrikanischen Gesellschaft vor ihm. Da der Muata Jamvo P. nicht die Fortsetzung der Reise gestatten wollte, so kehrte derselbe im April 1876 nach Angola und von da nach Deutschland zurück. Im Herbst 1880 trat P. in Begleitung Wißmanns und unterstützt vom Reichskanzleramt eine zweite Reise an, erreichte 25. Jan. 1881 Malansche und 22. Okt. den Kassai. Hier trennten sich die Reisenden; P. zog über die Residenz Mukenges am Lulua und vereinigte sich darauf mit Wißmann wieder am Munkambasee. Beide gelangten 14. Jan. 1882 nach Mona Katschitsch, der Residenz des Häuptlings Katschitsch von Koto, am Lubilasch, erreichten 16. April den Lualaba und 17. April Nyangwe. Von dort zog Wißmann 1. Juni zur Ostküste, die er 16. Nov. erreichte, während P. bereits Anfang Mai zur Residenz des Mukenge in Eilmärschen zurückkehrte, um dort die geplante wis-^[folgende Seite]