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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Prangen - Präponderanz.

Prangen (pressen), mehr Segel führen, als der Bauart eines Schiffs angemessen ist, geschieht ausnahmsweise, z. B. zur Vermeidung einer gefährlichen Küste, bei Verfolgung eines feindlichen Schiffs, oder um einem solchen zu entfliehen.

Pranger (Schandpfahl, Schandbühne, lat. Palus infamans), ehedem der Ort, wo Verbrecher, durch ein Halseisen festgehalten, zur Strafe öffentlich zur Schau gestellt wurden. Die Strafe des Prangers, welche im ältern deutschen Recht besonders als Nebenstrafe neben verstümmelnden Leibesstrafen vorkam, wurde auch als selbständige Strafe, z. B. beim Felddiebstahl, angewendet.

Pranken, die Vorderfüße der großen Raubtiere.

Praenomen (lat.), Vorname, s. Name; vgl. Gens.

Prantl, Karl von, Geschichtschreiber der Logik, geb. 28. Jan. 1820 zu Landsberg a. Lech, wurde in München 1847 außerordentlicher, 1859 ordentlicher Professor, zuerst der Philologie, dann der Philosophie, Mitglied der Akademien zu Berlin und München; er starb 14. Sept. 1888 zu Oberstdorf im Algäu. Außer zahlreichen Abhandlungen (zur Geschichte der Philosophie, über Aristoteles, über Rechtsphilosophie, Logik) veröffentlichte er: "Aristoteles über die Farben" (Münch. 1849); "Die gegenwärtige Aufgabe der Philosophie" (das. 1852); "Übersicht der griechisch-römischen Philosophie" (Stuttg. 1854); "Aristoteles' acht Bücher der Physik" und "vier Bücher über das Himmelsgebäude" (griechisch und deutsch, Leipz. 1854 u. 1857); als sein Hauptwerk aber "Geschichte der Logik im Abendland" (das. 1855-70, 4 Bde.); ferner "Michael Psellus und Petrus Hispanus" (das. 1867); "Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universität in Ingolstadt, Landshut, München" (Münch. 1872, 2 Bde.); "Gedächtnisrede auf Trendelenburg" (das. 1873); "Verstehen und Beurteilen" (das. 1877) u. a.

Prantner, Ferdinand, unter dem Pseudonym Leo Wolfram bekannter österreich. Romanschriftsteller, geb. 1817 zu Wien, betrat nach beendigten Gymnasial- und Universitätsstudien die Beamtenlaufbahn; doch wurde ihm diese so schwierig gemacht, daß er später, durch eine Heirat in wohlhabende Verhältnisse gekommen, unternahm, sich schriftstellerisch zu rächen, selbst auf Gefahr seiner Entlassung. Er schrieb dabei auch für Parteimänner, die, rechtzeitig ans Ruder gelangend, ihn in seiner Karriere beförderten. Sein erster Roman: "Dissolving views" (Hamb. 1861; 2. Aufl. 1862, 3 Bde.), wurde zwar in Österreich verboten, aber desto mehr gelesen. Ihm folgten: "Ein Goldkind" (Berl. 1867, 2 Bde.) und "Verlorne Seelen" (das. 1867, 3 Bde.). Alle drei Romane spielen in den Kreisen der Wiener Aristokratie und Büreaukratie und erregten ungemeines Aufsehen. Sie zeichnen sich mehr durch die Auffassung und Darstellung als durch die Komposition aus. Ein Band "Wiener Federzeichnungen" (Berl. 1871) enthält die bald nach seinem Tod gesammelten Feuilletons. P. starb als k. k. Hofrat und Leiter des Geheimen Chiffernkabinetts 28. April 1871 in Wien.

Pränumerieren (lat.), vorausbezahlen; Pränumeration, Vorausbezahlung; daher praenumerando, durch Vorausbezahlung.

Pränuntiation (lat.), Vorherverkündigung.

Präokkupation (lat.), Vorwegnahme; Voreingenommenheit.

Präparand (lat., "ein Vorzubereitender"), Vorbereitungsschüler. Die Bezeichnung setzte sich im vorigen Jahrhundert namentlich für solche junge Leute fest, die sich für ein Lehramt an Volksschulen vorbereiteten oder vorbereiten ließen, und seitdem für diesen Zweck allgemein bestimmte Anstalten (die Seminare) aufkamen, unterschied man von den Zöglingen dieser: den Seminaristen, als Präparanden diejenigen, welche erst für den Eintritt ins Seminar vorbereitet werden. In diesem Sinn ist noch heute der Ausdruck üblich; er hat überall da seine Bedeutung verloren, wo, wie im Königreich Sachsen, Anhalt, Hamburg etc., das Seminar 5 oder 6 Klassenstufen umfaßt und den künftigen Volksschullehrer vom Austritt aus der Volks- oder Mittelschule bis zum Eintritt in das Lehramt (14. oder 15.-20. Lebensjahr) leitet. Wo dies nicht der Fall ist, kann der Staat entweder, wie in Bayern, die gesamte Präparation der spätern Seminaristen in öffentlichen, von den Seminaren gesonderten Präparandenanstalten übernehmen, oder sie einzelnen Unternehmern, bez. der freien Wahl der einzelnen Bewerber überlassen, oder endlich sie durch Unterstützung und Überwachung mittelbar fördern. In Preußen hatte in der ersten Hälfte des Jahrhunderts das Bedürfnis der einzelnen Seminare, für einen an Zahl und Vorbildung ausreichenden Nachwuchs zu sorgen, dahin geführt, daß die Lehrer der zwei- bis dreiklassigen Seminare privatim Präparandenanstalten unterhielten. Statt diese, wie in Sachsen, als Proseminare zu übernehmen und allmählich mit den Seminaren zu verschmelzen, bevorzugte der Minister v. Raumer in seinem berufenen Regulativ vom 2. Okt. 1854 die Präparation durch einzelne ländliche Lehrer und Prediger. Erst der Minister Falk verließ diese Bahn und begann, staatliche Präparandenanstalten, leider räumlich und anstaltlich gesondert von den Seminaren und in sehr beschränkter Zahl, zu gründen, während im übrigen Privatanstalten und Privatbildner staatlich unterstützt werden. Die Buntscheckigkeit der Vorbildung, bei dieser geflissentlich gepflegten Mannigfaltigkeit unvermeidlich, ist der wunde Fleck der in allen übrigen Hinsichten vortrefflich eingerichteten Volksschullehrerbildung in Preußen. Sie ist um so empfindlicher, da das staatliche Präparandenwesen den Provinzialschulkollegien, das private den Regierungen untersteht, diese durchaus zusammengehörige Angelegenheit also unter verschiedene Behörden verteilt ist. Staatliche Präparandenanstalten gab es 1886 in Preußen 32 gegenüber 114 Seminaren. Das von den Präparanden zu erstrebende Ziel ist in der Ordnung der Aufnahmeprüfung für die königlichen Schullehrerseminare vom 15. Okt. 1872 festgestellt. Als Muster für die Einrichtungsanstalten und vom Staat unterstützen Präparandenanstalten ist vom Minister Falk unterm 28. Nov. 1878 der Lehrplan der königlichen Anstalt zu Schmiedeberg i. Schl. empfohlen worden. Vgl. Schneider und v. Bremen, Das Volksschulwesen im preußischen Staat (Berl. 1886 u. 1887, 3 Bde.; namentlich Bd. 1).

Präparat (lat.), Produkt einer anatomischen, chemischen, pharmazeutischen oder mikroskopischen Zubereitung. Vgl. Anatomische Präparate und Mikroskopische Präparate.

Präparation (lat.), Vorbereitung für einen bestimmten Zweck, besonders auf eine Lehrstunde.

Präparatorisch (lat.), vorbereitend.

Präparieren (lat.), vorbereiten, zurüsten.

Präpariermikroskop, s. Lupe.

Präpariersalz (Grundiersalz), s. v. w. zinnsaures Natron.

Präponderanz (lat.), Übergewicht durch Schwere, geistige oder körperliche Kraft etc. Daher präponderierende Mächte, diejenigen Staaten, die vermöge ihrer Machtstellung in politischen Angelegenheiten den Ausschlag geben.