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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Rapport; Rapporteur; Rapprochieren; Rappuse; Raps

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Rapport - Raps.

Hohrappoltstein, Ulrichsburg und Girsberg (Stein), einst der Wohnsitz der Herren von Rappoltstein (s. d.), sowie weiter entfernt die Trümmer der Wallfahrtskirche zur heiligen Jungfrau von Dusenbach, der Schutzpatronin der elsässischen Musikanten. Letztere hatten die Herren von Rappoltstein (die "Pfeiferkönige") zu Vorstehern und feierten jährlich 8. Sept. bei der genannten Wallfahrtskirche ein gemeinsames Fest ("Pfeifertag"; s. Musikantenzünfte). R. ist der Geburtsort Speners. Vgl. Bernhard, Recherches sur l'histoire de la ville de R. (Kolmar 1888).

Rapport (franz.), Bericht, Meldung; auch wechselseitige Beziehung und Zusammengehörigkeit. Beim Militär ist R. der in vorgeschriebener Form erstattete schriftliche Bericht an einen Vorgesetzten, z. B. der tägliche R. der Wachen an den Kommandanten, der Frontrapport bei Paraden, der Tagesrapport bei Übungen und im Feld, welche die Stärke der Truppen angeben, etc. Die Meldung gemeiner Soldaten im Dienstanzug zu vorgeschriebener Zeit bei einem Offizier wegen kleiner militärischer Vergehen wird Strafrapport genannt. Über magnetischen R. s. Magnetische Kuren. In der Weberei, Stickerei, im Tapeten- und Zeugdruck heißt R. die Wiederholung einer Figur etc. auf dem Muster.

Rapporteur (franz., spr. -tör), Berichterstatter: Klätscher, Anmelder; auch s. v. w. Transporteur (s. d.).

Rapprochieren (franz., spr. -prosch-), etwas wieder nahebringen, wieder annähern; Rapprochement (spr. -prosch'mãng), Wiederannäherung.

Rappuse (Rabbuse), Plünderung, Raub; auch s. v. w. das französierte Rabouge (s. d.); in die R. geben s. v. w. preisgeben, verloren geben. Daher rabuschen, s. v. w. rapsend ergreifen, stehlen, plündern.

Raps (korrumpiert aus Rapsaat; Rapskohl, Kohlraps, Reps, Lewat, Brassica Napus L.), Pflanze aus der Familie der Kruciferen (s. Brassica), wird in zwei Varietäten: als Ölfrucht und mit verdickter Stempelbasis und Wurzel als Kohlrübe, kultiviert. Die erstere, B. Napus oleifera Dec., tritt wieder in zwei Formen: als Sommerraps var. annua Koch und als Winterraps var. hiemalis Döll., auf. Letztere findet sich am häufigsten in Kultur. Sie verlangt einen sehr tiefgrundigen, bindigen, durch Humus und Kalkgehalt milden Boden und starke Düngung und übertrifft in einem solchen den Rübsen an Ertragsfähigkeit bedeutend, während letzterer in leichterm, sandreichem Boden vorzuziehen ist. Man baut den Winterraps meist nach einer Brache, seltener nach Futterpflanzen; bei uns wird er allgemein gesäet, in Holland und Belgien aber gepflanzt; bei breitwürfiger Saat braucht man auf 1 Hektar 14-17, bei Drillsaat 10-14 kg, und letztere ist überall, wo sie anwendbar ist, bei weitem vorzuziehen. Die Saat muß so früh erfolgen, daß sich die Pflanzen gut bewurzeln können; denn je ausgebildeter die Wurzeln sind, um so besser widersteht der R. der Witterung. Die Ernte beginnt meist Anfang Juli, sobald sich die Schoten bräunen. Der Ertrag pro Hektar beträgt 34-60 Neuscheffel nebst 3-4000 kg Stroh. Ein Neuscheffel wiegt 34 kg, der Same bleibt drei Jahre keimfähig. Die Vegetationsperiode beträgt 46-48 Wochen. Der Sommerraps (Kohlsaat, daraus korrumpiert das französische Colsat, Colza), besonders in Frankreich und Belgien gebaut, ist viel unsicherer als der Winterraps; er begnügt sich mit geringer Düngung, gibt aber auch vom Hektar nur 20-43 Neuscheffel Ertrag, und der Neuscheffel wiegt nur 32 kg. Feinde des Rapses sind: Erdflöhe, die Raupen des Weißlings, der Ypsiloneule (Plusia gamma), der Wintersaateule (Agrotis segetum und exclamationis), der Rapskäfer (s. d.), der Pfeifer (Botys margaritalis), die Larven der Kohlmücke (Cecidomyia brassicae), eines Rüsselkäfers (Ceuthorhynchus sulcicollis, assimilis und Napi) etc. Nach England kommt sehr viel Rapssame aus Ostindien, dessen Stammpflanze noch nicht ermittelt ist. Der Rübsen (Brassica rapa oleifera Dec.), von B. rapa L. abstammend, wird ebenfalls in zwei Formen: als Sommerrübsen var. annua Koch und als Winterrübsen var. hiemalis Martens, kultiviert; er paßt für alle milden Lehmarten, aber nicht für thonreichen Boden und braucht weniger Dünger als R., aber dieselbe sorgfältige Bearbeitung. In allen Ländereien der Sandkonstitution ist er sicherer als R. und in diesem, aber nicht auf besserm Boden dem letztern vorzuziehen. Die Vegetationsperiode beträgt beim Winterrübsen 42-46, beim Sommerrübsen nur 12-14 Wochen. Man säet auf 1 Hektar 17-22, bei Drillsaat 14-16 kg; der Ertrag beträgt vom Hektar 30-51 Neuscheffel nebst 2-3000 kg Stroh. Ein Neuscheffel wiegt 33 kg. Eine Varietät des Rübsens, der Biewitz, ist bei guter Bodenkraft und auf gut bearbeitetem Land einträglicher als Rübsen; sein Korn ist braun und hält in der Größe etwa die Mitte zwischen dem großen R. und dem kleinen Rübsen. Ein kleineres Korn hat der Awehl, eine zweite Varietät des Rübsens, welche auf etwas bindigem Sandboden bei guter Düngung und Bearbeitung bessere Erträge liefert als Rübsen. Der Rübsen leidet durch dieselben Feinde wie der R. Die Samen beider Pflanzen werden auf fettes Öl (Rüböl, Rapsöl) verarbeitet; Rübsen, besonders Sommerrübsen, dient auch als Vogelfutter, und die Rückstände von der Ölbereitung sind die als Viehfutter und Dünger wichtigen Ölkuchen. Die Kohlrübe (Bodenkohlrabi, Erdkohlrabi, Unterkohlrabi, Steckrübe, Wruke, Dorsch, Brassica Napus rapifera Metzg. oder Napobrassica Döll.), in mehreren Varietäten mit gelbem oder weißem Fleisch kultiviert, fordert einen ganz ähnlichen Boden wie R., warme Lage und Frische, aber weniger Dünger. Man säet im April oder Mai oder pflanzt um Johannis und verfährt wie bei der Runkelrübenkultur. Kurz vor der Ernte, die ziemlich spät erfolgen kann, blattet man ab und hebt dann die Rübe unverletzt heraus. Man erntet 30-50,000 kg vom Hektar, etwas weniger als von Runkeln; aber die Kohlrübe ist nahrhafter und gibt ein vortreffliches Futter, außerdem wird sie als Gemüse gegessen. Sie enthält 1,548 eiweißartige Körper, 0,079 Fett, 1,974 Zucker, 4,817 sonstige stickstofffreie Substanzen, 1,335 Cellulose, 0,857 Asche und 89,390 Wasser. Die Wasserrübe (weiße Rübe, Brachrübe, Stoppelrübe, Turnips, auch Steckrübe, B. rapa rapifera Metzg.) wird in sehr verschiedenen Varietäten (welche aber sämtlich durch einen Gehalt von ätherischem Öl einen mehr oder weniger eigentümlichen pikanten Geschmack besitzen) teils in plattrunden oder rundlichen Formen mit dünnem Wurzelende, teils in länglichen Formen, welche sich nach unten allmählich zuspitzen, kultiviert. Hierher gehört auch die Teltower Rübe, welche aber ebenso wie die andern Varietäten je nach Boden, Kultur und Klima sehr stark variiert und leicht ausartet. Die Wasserrübe bedarf als Stoppelfrucht zu ihrer Entwickelung nur 12-14 Wochen. Leichter, nahrhafter, nicht dürrer Sandboden sagt ihr am meisten zu. Tiefe, lockere Krume ist eine wesentliche Bedingung zu ihrem Gedeihen. Saatbedarf 3-4 kg pro Hektar. Man säet meist breitwürfig (z. B. mit Kleesäemaschine) über Kreuz; weit vorzuziehen ist die Drill-^[folgende Seite]